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Enci Benci Katalenci

Die slowenische Band Katalena wird am 7. August im Rahmen von cs_alternativ, der beliebten “jungen” Programmreihe des Carinthischen Sommers, in Villach zu sehen und vor allem zu hören sein. Birgit Kronig von der artigundhuber Kulturagentur hat sich Boštjan Narat, Gitarrist der Band, vorgeknöpft, um etwas mehr über Katalena und das neue Album “Enci Benci Katalenci” in Erfahrung zu bringen.

IMSÜDEN.AT: Hi Boštjan, danke, dass Du Dir die Zeit nimmst! Wie ich weiß, habt ihr ja viel um die Ohren, da ihre gerade euer neues Album promotet…

Boštjan Narat: Hallo! Das mach ich sehr gerne, ich scharre schon in den Startlöchern!

IMSÜDEN.AT: Super, also, dann beginnen wir gleich mit Frage 1, wie es sich gehört: Katalena gibt’s ja bereits seit 2001 und von Anfang an war slowenische Volksmusik quasi die Grundlage eures künstlerischen Schaffens. Habt ihr so eine starke Verbindung zu slowenischen Traditionen oder woher kommt diese Ausrichtung?

Boštjan Narat: In diesen 14 Jahren haben wir unterschiedliche Arten entwickelt, wie wir die slowenische Musik und deren Texte kommunizieren. Viele unserer Lieder sind tatsächlich traditionell, aber da sind auch viele, die hauptsächlich auf unserer kreativen Arbeit beruhen. In diesen Songs beschäftigen wir uns mit alten Ausdrucksformen – Menschen haben sich ja schon immer durch Musik ausgedrückt. Ich sage oft und gerne, dass sich Katalena als musikalisches Versuchslabor betrachtet, in dem wir ein paar traditionelle Grundzutaten verwenden, um diese durch die Zugabe bestimmter Substanzen auf unterschiedliche Weise zu verfeinern. Diese Arbeit ist einfach unglaublich spannend!

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IMSÜDEN.AT: Die meisten Bandmitglieder sind ja Multiinstrumentalisten… seid ihr musikalisch in Volksmusikbands aufgewachsen oder steckt da eher ein akademischer Zugang dahinter?

Boštjan Narat: In Slowenien gibt es sehr viele Volksmusikbands dieser sehr traditionellen Art. Diese versuchen wirklich, traditionelle Musik so zu spielen, wie sie schon in der Vergangenheit gespielt worden ist. Tatsache ist aber, dass niemand von uns jemals in so einer Band gespielt hat. Wir spielten in Bands, die ziemlich unterschiedlich waren – von Jazz bis hin zu Rock – und dann haben wir gemeinsam zu forschen begonnen. Wir haben uns in diesen riesigen Haufen an traditioneller Musik hineingegraben und versucht, uns selbst durch dieses Material künstlerisch auszudrücken. Und obwohl wir auch jetzt noch in unterschiedliche musikalische Richtungen tendieren, ist die traditionelle Musik unsere wichtigste musikalische Spielwiese.

IMSÜDEN.AT: Ihr habt eine Reihe großartiger Konzerte gespielt, seid nicht „nur“ in Slowenien, sondern auch schon in Deutschland, Italien, Österreich und sogar in New York aufgetreten. Dieses Frühjahr habt ihr bereits euer sechstes Album herausgebracht. Was betrachtest Du als größten Erfolg in diesen 14 Jahren Bandgeschichte?

Boštjan Narat: Das ist eine etwas ungewöhnliche Geschichte, die ich kurz erzählen möchte: 2009 haben wir unser Album Cvik Cvak herausgebracht. Dieses Album war einem friulanischen Tal, dem Resiatal, gewidmet, und es handelte sich dabei eigentlich um ein sehr extremes Werk. Wir haben mit Aldo Ivančič, einem Elektronik-Pionier aus dem ehemaligen Jugoslawien der 1980er Jahre, zusammengearbeitet. Er ist Mitglied der Band Borghesia, die damals eine von wenigen progressiven Bands in Slowenien war. Er produzierte also unser Album und man kann sich ungefähr vorstellen, wie diese Aufnahmen geklungen haben!? Ein paar Monate nach dem Release haben wir einen Anruf aus dem Resiatal bekommen und man hat uns zur Feier anlässlich des 175. Jahresjubiläums des dort ansässigen Vereins für Volkskultur namens „Val Resia“ eingeladen, um eben dieses extreme Album zu präsentieren. Wir waren im ersten Moment nicht nur überrascht, sondern regelrecht erschrocken, denn wir hatten es hier mit einer slowenischen Sprachinsel zu tun. Es gibt dort nur noch ca. 1.000 Leute, die Slowenisch sprechen, und diese sind dafür bekannt, sehr sensibel zu sein, was den Umgang des Außens mit ihrer Kultur betrifft. Wir haben dort also ein Konzert gespielt und auch wenn nur 200 Leute im Publikum waren, sehe ich deren positive Reaktion auf unsere Musik als unseren größten Erfolg. Sie haben uns gezeigt, dass unsere Musik echt und gut ist, auch wenn sie sich vom Original entfernt.

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IMSÜDEN.AT: Euer neues Album „Enci Benci Katalenci“ basiert auf Kinderliedern und Aufzählreimen aus einem Kinderbuch namens „Enci Benci na Kamenci“. Was bedeutet der Titel?

Boštjan Narat: Nichts.

IMSÜDEN.AT: Nichts?

Boštjan Narat: Na ja, “na kamenci” heißt “auf einem Stein”, aber im Großen und Ganzen ist es Nonsense, was auch typisch ist für Auszählreime. Wird im Deutschen wohl auch so sein, oder?

IMSÜDEN.AT: Ja, da fällt mir gleich ein: “Ene, mene, mu und raus bist du!”
Und warum Kinderlieder? Eigentlich macht ihr ja Musik für Erwachsene…

Boštjan Narat: Wir wollten ein Album für Kinder machen ohne dabei die Musik zu vereinfachen. Wir wollten die Musik nicht angenehmer machen für Kinderohren, denn Kinder sind auch Zuhörer und man sollte sie nicht unterschätzen. Okay, wir sind ein paar Kompromisse eingegangen in der Länge der Lieder und insbesondere in der Länge der reinen Instrumentalpassagen, da die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern meist nicht so groß ist und wir nicht Gefahr laufen wollten, sie zu langweilen. Aber was die Melodien und Rhythmen betrifft, haben wir es so gemacht, wie wir es immer machen in unseren Songs. Ich glaube auch, dass die beste Musik für Kinder eigentlich für Erwachsene gemacht wurde, und diese Grenze wurde und wird in beide Richtungen so oft überschritten, dass es uns gar nicht wundert, mit diesem Album sowohl Kinder als auch Erwachsene ansprechen zu können. Wir haben Lieder aus diesem Album bereits vor Kindergruppen und in herkömmlichen Konzerten vor älterem Publikum gespielt und bis jetzt eigentlich nur positives Feedback bekommen. Insofern sind wir sehr zufrieden mit unserem Werk!

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IMSÜDEN.AT: Ihr seid bereits zweimal in Villach im Rahmen des Carinthischen Sommers aufgetreten. Der Großteil des Publikums versteht aber gar kein Slowenisch und somit auch eure Texte nicht. Ist das nicht schade und in gewisser Hinsicht eine Art Verlust für die Zuhörerinnen und Zuhörer?

Boštjan Narat: Hm, gerade was unser neues Album betrifft, sehe diesen Umstand nicht als Verlust an, da die meisten Texte ohnehin keinen großen Sinn ergeben. Als wir in Villach vor ein paar Jahren unser Album Hexensabbat präsentiert haben, war das eher ein Problem, weil die Texte eine viel größere Rolle gespielt haben. Wir haben damals auch einige Gedichte in unserer Musik verarbeitet – Gedichte von Svetlana Makarovič, Dane Zajc oder Gregor Strniša. Das sind großartige slowenische modernistische Dichter, die viel Material aus der traditionellen Dichtung verwendet haben, zumindest in manchen Perioden ihres künstlerischen Schaffens. Und dennoch hatten wir damals das Gefühl, dem Publikum zumindest gewisse Anteile unserer Musik und ein positives Konzerterlebnis vermitteln zu können. Also, wie gesagt, bei diesem Album ist der Verlust minimal, weil die verwendete Sprache eher musikalisch verwendet wird und erst in zweiter Linie eine Geschichte erzählt. Und diese Geschichten sind obendrein auch noch sehr einfach gestrickt!

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IMSÜDEN.AT: Was bedeutet es euch, beim Carinthischen Sommer in Villach aufzutreten?

Boštjan Narat: Oh, es ist schon das dritte Mal für uns beim Carinthischen Sommer und es war immer großartig! Ich habe überhaupt keine Zweifel, dass es auch diesmal ein tolles Erlebnis wird, sowohl für uns als auch für das Publikum! Deshalb freuen wir uns auch jetzt schon sehr auf unser Konzert am 7. August!

IMSÜDEN.AT: Vielen Dank für das spannende Gespräch, lieber Boštjan! Ich bin mir sicher, dass viele unserer Leser_innen hier im Süden mit dabei sein werden – ich auf alle Fälle!

Lign-up:
Vesna Zornik, Gesang
Polona Janežič, Keyboard
Tibor Mihelič Syed, Bass
Boštjan Narat, Gitarre / Mandoline
Robert Rebolj, Schlagzeug / Perkussion
Boštjan Gombač, Klarinette / Flöte / Perkussion

Weitere Infos zur Band gibt’s unter katalena.net.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich euch auch noch zwei weitere Konzerte aus der Reihe cs_alternativ ans Herz legen:

Am 26. Juli um 11 Uhr tritt das David Helbock Trio mit dem Programm „Personal Realbook“ im Bamberg Saal in Villach auf, wobei ZIB-Moderator Tarek Leitner die Rezitation von Nachrichten-Texten übernehmen wird.

Und am 28. Juli um 20 Uhr ist cs_alternativ zu Gast am Villacher Kirchtag und präsentiert Alma sowie Six, Alps & Jazz, ebenfalls im Bamberg Saal.

Alle Infos zum Carinthischen Sommer und der Programmreihe cs_alternativ findet ihr unter carinthischersommer.at.

Fotos: Ivian Kan Mujezinović, Peter Uhan und Ksenija Mikor

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