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ENDLICH FREI VON… eigentlich eh allem.

“Verzichten Sie in den nächsten drei Monaten komplett auf Weizen, Roggen, Dinkel, Hafer, Eier und vieles mehr.” So lautete das Ergebnis meines Nahrungsmittelunverträglichkeitstest bei kiweno, dem neuen Top-Start-Up aus Österreich. Der Beginn meiner persönlichen Reise „Bauhweh adè“ – oder wurde es doch eher eine Odysee…?

Nur ein Marketing-Schmäh? Bei der Sendung 2 Minuten 2 Millionen erhielt das österreichische Start-Up eine Rekordinvestition in Mediabudget von € 7 Millionen – die höchste seit Beginn des Sendeformates. Wissenschaftlich fundierte Studien, die den Erfolg bestätigen, gibt es angebliche aktuell keine – kiweno stützt sich in erster Linie auf die positiven Erfahrungen der Tester. Medien berichten seit dem Erfolg im TV über dreiste und unehrliche Vermarktungsmaschen. Das Testverfahren, das so genannte ELISA Verfahren, ist ein umstrittenes unter Ärzten. Ich habe einen sehr interessanten Artikel über dieses Testverfahren aus 2010 gefunden, wo eine praktische Ärztin über positive Erfahrungen mit ihren Patienten berichtet. Und auch dieser kritische Artikel relativiert im vorletzten Absatz wieder vieles und verweist auf diverse Studien.

Probieren geht über studieren. Braucht es wirklich immer wissenschaftliche Studien, die den Beweis antreten? Für mich persönlich nicht. Nach zahlreichen Diagnosen unterschiedlichster Ärzte und Spezialisten, die mich kaum einen Schritt weiterbrachten, probierte ich den kiweno-Test einfach mal aus. Ehrlich gesagt machte ich mir nicht so viele Gedanken über das Verfahren an sich, für mich war das Ergebnis wichtig und ob es mir endlich bei meinem Problem helfen würde. Übrigens hat kiweno auch vergangenes Jahr den futurezone Award als Start-Up des Jahres gewonnen. Um eine reine Marketingmasche kann es sich also wohl eher nicht handeln. Die verstehen aber schon viel davon – zum Testergebnis bekommt man gleich die passenden Tipps, laufend Rezepte und Anregungen.

Alles muss raus! Nach dem kiweno-Ergebnis (s. dazu mein erster Blogbeitrag) durchforstete ich meine Küche nach Lebensmitteln mit den positiv getesteten Inhaltsstoffen und verschenkte diese an meine Familie. Nachdem ich generell sehr viel mit frischen Lebensmitteln koche, waren es zum Glück gar nicht so viele. Ja und dann konnte die Supermarkt-Rallye starten.

Plötzlich wird man dann zum Reformhaus-Einkäufer, die ja, zumindest in meinem Kopf, eher als verstaubt gelten. Man glaub gar nicht, wie viele Reformhäuser es im kleinen Klagenfurt gibt. Und erst das Angebot. Von Ei-Ersatz über Mandelmehl bis hin zu Nudel aus Kirchererbsenmehl – ok über letzteres habe ich mich (noch) nicht drüber getraut. Und weiter ging es zu allen großen Supermarktketten, um das Sortiment zu sichten.

Als Betroffener hält man plötzlich Ausschau nach den „glutenfrei“-Aufkleber auf Verpackungen und ist dankbar für jeden Hinweis, der einen nur ansatzweise erkennen lässt, dass vermutlich kein Weizen drinnen ist. Man kommt aber eigentlich nicht daran vorbei, die Zutatenlisten zu studieren. Eine Hilfe ist die Auslobung der 14 Hauptallergene in dickerer Schrift als die restlichen Inhaltsstoffe. Sehr praktisch sind auch die speziellen Regale für Allergiker, die einem die Suche erleichtern.

Als größtes Problem stellte sich das Vermeiden von Weizen heraus. Abgesehen von Brot, Gebäck, Kuchen, Keksen und Co. ist Weizen in derart vielen Produkten enthalten, dass man sich eher fragt, wo kein Weizen drinnen steckt. „Kann Spuren von Weizen enthalten“, langsam konnte ich es nicht mehr sehen. Meine heiß geliebte Schokolade ohne Weizen hatte ich nur selten im Regal gesichtet – von nun an galt es alles lila verpackte zu meiden. Eine Tafel mit einem süßen kleinen Jungen, und Kokosriegel, die nach Karibik duften, wurden Substitute.

Und wie jetzt – ab nun keine Nudeln und Pizza mehr? Okay, Pizza stand bei mir ohnedies nur zweimal pro Jahr am Speiseplan. Aber Nudel sind schon sehr lecker. Nachdem der Klassiker der italienischen Küche wohl bei einem Großteil ganz weit oben am Einkaufszettel steht, gibt es Nudel aus Mais- und Reismehl bei Spar und Billa, und sogar Hofer hat ab und zu diese speziellen Produkte im Programm. Beim Bio-Supermarkt Denn’s wird man natürlich auch fündig – ist mir persönlich als Radfahrer, in Klagenfurt allerdings zu abgelegen. Auch bei dm wird man fündig. Ein kleiner Wehrmutstropfen: Diese speziellen Produkte sind natürlich um einiges teurer als „normale“ – für einen Moment fühlt man sich doppelt „bestraft“ – mehr bezahlen für weniger Genuss. Aber ganz ehrlich: Die Nudeln schmecken so gut, dass man den Unterschied kaum merkt.

Und wie soll man jetzt Wurst und Käse ohne Brot essen? Wurst ohne Brot geht eigentlich nicht, habe ich rasch von meinem Speiseplan gestrichen – war aber ohnedies nur seltener Gast. Käse ohne Brot zu essen ist hingegen überhaupt kein Problem. Es gibt so viel herrliches Gemüse und Obst, das man anstatt Brot essen kann. Karotten, Kohlrabi, Radieschen, Tomaten, Gurken, Äpfel, Birnen, Trauben, Kiwi – passt alles auch noch super zu den diversesten Käsesorten. Ich war erstaunt über den intensiven Eigengeschmack von Käse, der oftmals durchs Brot verloren geht. Ein ganz neues Geschmackserlebnis für mich. Das Gemüse kaufe ich übrigens am Benediktinermarkt oder bei Hofer, zweiteres am liebsten Bio und saisonal von Zurück zum Ursprung.

Nüsse passen sowieso immer, besonders gut schmecken gesalzene Cashew- oder Kürbiskerne zu Käse – Walnüsse sind ein Klassiker. Auf der Suche nach einem Getreide- und Brotersatz für ein herrliches Marmeladenbrot dann die große Ernüchterung: Gefunden habe ich nur ein Knusperbrot, dass die Bezeichnung „Brot“ nicht verdient – dünne, luftige, gelbe Scheiben, die bei den Ohren herausstauben (davon kommt wohl das knuspern im Produktnamen) und zwischen den Zähnen kleben, wenn man hineinbeißt. Eine Alternative – NOT!

Und merkt man einen Unterschied? Ja, einen Weizenentzug. Es ist bekannt, dass Weizen- und Milchproteine ein Suchtpotenzial bergen. Die opioide Wirkung bei Weizen entsteht durch Gliadine. Aber dazu dann demnächst mehr…

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