in ,

„Es gibt ja nur ein HIRT auf der Welt.“

Nikolaus Riegler hat das gute HIRTER BIER praktisch mit der Muttermilch aufgesogen und ist nun Eigentümer & Geschäftsführer der familiären Privatbrauerei im kleinen Dörfchen Hirt. Er war früher mal Werber im Osten und setzt jetzt als Bierbrauer gleichzeitig auf Regionalität und Weltoffenheit. Kein leichter Spagat…

Hirt liegt auf dem Weg nach Wien. Ein sehr kleines Dörfchen in einem kleinen Tal mit einer gar nicht so kleinen Brauerei. Seit Jahrhunderten wird dort Bier gebraut, das nicht nur der alte Olympionike Franzi Klammer gerne trinkt, sondern, das auch regelmäßig ausgezeichnet wird. Verantwortlich für den Familienbetrieb ist Nikolaus Riegler. Der empfängt uns gleich unter dem berühmten Werkstorbogen der HIRTER Brauerei und bittet uns mit einem jovialen, etwas schelmischen Lächeln in den Braukeller, wo wir ihn interviewen und gleich auch „Niki“ und „Du“ sagen dürfen…

IS: Also, Niki, wo warst du unterwegs bevor es dich wieder ins heimatliche Hirt gezogen hat?
Niki Riegler: Ich war rund acht Jahre in Rumänien, Moldawien, der Ukraine und Bulgarien.…mit einem griechischen Kompagnon hab ich eine Werbe-, PR- und Internetagentur hochgezogen. Erst in Rumänien, wo wir uns kennengelernt haben und dann in drei weiteren Ländern. Ich habe meine Anteile später an ein amerikanisches Agenturnetzwerk verkauft.

IS: Wow! Und dann back to the roots in den Süden.
Niki Riegler:  Ja, es war einfach der richtige Zeitpunkt. Nach sieben Jahren ist mir Osteuropa, ehrlich gesagt, auch etwas auf die Nerven gegangen (lacht).

IS: Das wird deine Frau sicher gerne hören!
Niki Riegler: (lacht) Naja, sie ist zwar in Bukarest geboren, aber hat sehr lange in Paris gelebt. Natürlich war auch meine Frau ein Grund dafür, etwas runter zu kommen, zu heiraten und sesshaft zu werden. Mir war immer klar, dass ich die Agentur nicht ewig führen werde, weil das einfach ein sehr intensives Geschäft ist. Und der Zeitpunkt war damals einfach genau der richtige.

[zilla_one_half]IMG_0287_2[/zilla_one_half][zilla_one_half_last]IMG_0288_2[/zilla_one_half_last][zilla_one_half]IMG_0286_2[/zilla_one_half][zilla_one_half_last]IMG_0285_2[/zilla_one_half_last]

IS: Was machte den perfekten Zeitpunkt für die Übernahme des Familienbetriebes aus?
Niki Riegler: Meine Mutter hat sich nach 40 Jahren im Betrieb zur Ruhe gesetzt und auch meine Großmutter hat damals an meinen Onkel  Klaus Möller übergeben. Seither führen er und ich die Geschäfte. Ich konnte mir ja immer vorstellen im Familienbetrieb mitzumachen, aber sicher nicht als „Junior“. Ich wollte mir meine Sporen lieber erst wo anders verdienen. Außerdem hatte meine Mutter ja auch alles gut im Griff, eventuell wären wir uns in die Quere gekommen. Wie das in Familienbetrieben halt vorkommen kann. Das haben wir so vermieden. Darüber bin ich froh.

IS: Und dann bist du einfach so vom Werbefuzzi zum Bierbrauer mutiert?
Niki Riegler: Na sicher nicht „einfach so“ (lacht). Ich hatte ja u.a. die Fachhochschule für Braumeister in München absolviert, verstehe also mein Handwerk durchaus.

IS: Kann man nicht leugnen, wenn man dein Hirter kostet!
Niki Riegler: Na seht ihr! Hier in Hirt ist es uns auch wichtig, dass wir Biere brauen, die uns auch selber schmecken. Das gilt für mich und meinen Onkel genau so, wie für unsere Mitarbeiter. Wir sind ja ein Familienunternehmen im doppelten Sinn: Einerseits familiengeführt, andererseits arbeiten bei uns auch ganze Familien, bis zu vier Generationen zurück! Ein Gespann „Vater & Sohn“ haben wir allein acht Mal in der Brauerei, im Braukeller, beim Seppenbauer und in der Forstwirtschaft.

IS: Also ist HIRTER rein regional, völlig familiär und sicherlich auch sehr südlich?
Niki Riegler: Oje, oje… immer diese Werbetexter. Ich dachte mit euch muss ich mich nicht mehr rumschlagen… (lacht). Nein, wir leben unsere Regionalität natürlich ganz bewusst. Zum Beispiel kommt die Gerste für das gesamte Hirter Märzen aus dem Krappfeld, direkt vor den Toren der Brauerei und natürlich ist das Wasser aus unserer eigenen Quelle.

IS: Das Wasser macht es ja angeblich aus…
Niki Riegler: Ja, das Wasser ist ein wichtiger Faktor. Da haben wir mit unseren 24 eigenen Gebirgsquellen natürlich einen großen Vorteil. Das Wasser aus dem unser HIRTER gebraut wird, hat bis zu 6-8 deutsche Härtegrade, also ein sehr, sehr weiches Wasser indem sich die Rohstoffe natürlich sehr gut entfalten können. Wir brauchen das Wasser nicht zu behandeln. Wir drehen die Leitung auf und fangen an zu arbeiten, damit stehen wir in Österreich fast einzigartig da.

IS: Also richtig geiles Wasser hier in Hirt, aber was macht ein HIRTER sonst noch zum HIRTER?
Niki Riegler: Wir haben sehr, sehr hohe Ansprüche an unserer Lieferanten, unsere Biere sind nicht pasteurisiert und wir sind natürlich DIE Pilsbrauerei in Österreich. Unser Grundmalz ist also Pilsnermalz. Außerdem brauen wir auf die klassische Art im Zwei-Tankverfahren mit getrennter Reifung und ohne irgendetwas zu beschleunigen, zuzumischen oder zu verschneiden.  Das alles nach einem eigenen Rezept, an das wir uns sehr genau halten um den hohen Qualitätslevel gewährleisten zu können. Übrigens bekommen wir diese Qualität auch jedes Jahr international bestätigt.

[zilla_one_half]IMG_0290_2[/zilla_one_half][zilla_one_half_last]IMG_0291_2[/zilla_one_half_last][zilla_one_half]IMG_0292_2[/zilla_one_half][zilla_one_half_last]IMG_0289_2[/zilla_one_half_last]

IS: Wieso eigentlich genau in Hirt? Ist ja jetzt nicht gerade die Boomtown hier… Wie kam das HIRTER nach Hirt?
Niki Riegler: Das Bier war schon immer hier. Der erste Nachweis ist  natürlich ein Steuerdokument, denn die Steuer vergisst nie (lacht). 1270 wurde in Hirt bereits Bier gebraut und das Domkapitel Gurk hat damals “einen Talent” Steuern verlangt. Seit 1495 sind dann die Besitzverhältnisse klar nachweisbar und seit 1846 ist die Brauerei im Besitz unserer Familie.

IS: Alles schön und gut, aber wer hat all das Bier getrunken seit 1270? Wo war und wo ist der Markt von HIRTER Bier?
Niki Riegler: Das ist ja das gute an diesem Ort – da wo jetzt die Schnellstraße vorbeiführt, war natürlich immer schon eine sehr wichtige Nord-Südverbindung von Wien über den Neumarkter Sattel, bis nach Triest. Und hier war damals ein Rastplatz und eine Pferdewechselstation. Und auch heute sind wir mit unserem Braukeller noch gerne Rastplatz für alle die vorbeikommen, gerade Motorradfahrer machen hier gerne ne Pause. Heute stehen also ein paar Pferde mehr vor der Brauerei, aber das Prinzip ist dasselbe.

hirter sudkessel_LowRes

IS: Aber die Biker, die hier rasten, werden euch ja wohl (hoffentlich) nicht alle eure Bierfässer austrinken, oder?
Niki Riegler: (lacht) Nein, zum Glück nicht. Wir haben zwar unseren wichtigen Kärntner Markt, aber schon seit Jahren sind wir auch am Alpen-Adria-Markt in Kroatien, Slowenien und Italien aktiv. Aber auch in Bayern ist HIRTER begehrt, was uns natürlich sehr stolz macht.

IS: Na bitte, wenn sogar die Bayern es „saufn“, kann’s ja nicht so schlecht sein! Wie schaut’s in Österreich aus?
Niki Riegler: Von den mittelständischen Brauereien sind wir die Einzige, die in ganz Österreich bekannt, verfügbar und geschätzt wird. Darauf sind wir auch sehr stolz. Von der Bekanntheit her sind wir bei 70-80%, obwohl wir nur 2% Marktanteil haben, weil wir ja nur 150.000 Hektoliter Bier und Mischgetränke im Jahr herstellen. Natürlich hatten wir vor allem in Wien das Glück, dass in den 80ern jeder Student eine gute Kärntner Jaus’n und ein, zwei Kisten HIRTER eingepackt hat, wenn er über die Schnellstraße nach Wien gefahren ist und dann seine Wiener Kommilitonen auf den Geschmack gebracht hat (lacht)…

IS: Geschmack ist ein gutes Stichwort. Ihr macht ja nicht nur das eine Bier, oder?
Niki Riegler: Nein, nein. Wir haben immer wieder Neuentwicklungen. Dafür haben wir auch eine eigenen Versuchsanlage im Keller. Aber da unser Zugang zum Produkt immer ein sehr persönlicher geblieben ist, muss es als erstes mal uns schmecken, bevor es rausgeht. Da dauert eine Produktentwicklung schon mal ein Jahr.

[zilla_one_half]Hirter_011_Herbst_Cmyk_LowRes[/zilla_one_half][zilla_one_half_last]Hirt-604_MG_7993_b_Cmyk_LowRes[/zilla_one_half_last]

IS: Was habt ihr da so im Sortiment?
Niki Riegler: Aktuell ist sicher unser herbstCult, unser Bier für die Herbstsaison. Das wird nach Oktoberfest-Art gebraut. Aber eher orientiert als angelehnt, sag ich immer. Das ist also eines unserer 2-3 Saisonbiere, rundherum gibt’s mittlerweile sieben Limonaden und diverse Spezialsorten. Wir sind seit geraumer Zeit auch aktiv am Craftbiersektor und brauen holzfassgereifte Biere, wie das Hirter Beerique oder jetzt ganz neu das Hirter Imperial Porter. Aber auch andere Spezialprodukte wie einen Zigarrenbrand, Bieressig, Hirter Biersenf oder eine Hirter Schokolade der Schokoladenmanufaktur Craigher haben wir entwickelt und in unserem Sortiment. Nicht zu vergessen ist natürlich unser leichtes FRESH, ein Vollbier mit nur 3,4% Alkohol und das gute alte Malz Mandl, unsere erste Limonade und für viele eine frühe Kindheitserinnerung.

IS: Wow, ganz schön vielfältig…
Niki Riegler: Uns ist wichtig zu zeigen: Bier kann mehr! Bier kann mehr als nur ein Märzen sein. Wir haben in Österreich nur sieben Bierstile, auf der Welt gibt’s 170. Eine gewisse Vielfalt und Auswahl gehört daher zu unserem Selbstverständnis – sprich, Spezialitätenbrauerei mit hohem Anspruch.

IS: Stimmt, einfach macht ihr es euch nicht gerade!
Niki Riegler: Nein, wollen wir auch nicht. Bei uns sind zum Beispiel alle Mitarbeiter, die mit dem Verkauf beschäftigt sind, Biersommeliers. Da waren wir Vorreiter in Österreich. Heute musst du mehr bieten und Kompetenz haben. Komischerweise funktioniert das im Weinland Italien besser als hier in Österreich. Wir sind in Österreich schon ein sehr konservativ, eingefahrener Biermarkt, allein über 70% ist Märzen. Bei uns ist eben das Pils unsere DNA , unsere Eigenart und unser HIRTER PRIVATPILS ist natürlich auch unser wichtigster Botschafter.

Brauerei von oben 2013 klein_LowRes

IS: Wir wussten ja gar nicht wie fad der Biermarkt in Österreich ist…
Niki Riegler: Naja, fad ist vielleicht zu viel gesagt. Für mich ist Bier nach einer Automarke das emotionalste Produkt, das es gibt. Die Leute sind da auch sehr eingeschossen auf ihre Biere. Jeder redet über Bier, jeder hat seinen Favoriten. Fast schon gefährlich wenn man sich da zu weit hinauslehnt. In anderen Ländern sind die Leute da offener. Wir exportieren ja auch viel. Aber trotzdem ist uns wichtig, dass jeder Tropfen HIRTER, der zum Beispiel in Chicago getrunken wird, genau das selbe Bier ist, wie das, das bei uns im Dorfgasthaus aus dem Zapfhahn kommt. Es gibt ja nur ein Hirt auf der Welt, also auch nur ein HIRTER (lacht).

IS: Auch in Zukunft? Oder habt ihr vor zu expandieren?
Niki Riegler: Naja, 2015 wollen wir 2,5 Millionen Euro investieren um den Standort zu stärken, auszubauen und manches zu adaptieren. HIRTER bleibt also natürlich in Hirt. Wir verabschieden auch gerade unsere Strategie bis 2025, planen also sehr langfristig.  Deshalb forcieren wir auch unsere neue Bier-Academy als Biersommelier-Schulung und Schankschulung für unsere Wirte und Mitarbeiter. Wir bauen gerade ein junges Team auf und suchen motivierte Mitarbeiter dafür.

IS: Also eh viel zu tun…
Niki Riegler: Immer, immer. Wir haben ja auch viele internationale Anfragen und sind schon gespannt wie uns die Leute auf der Welt so finden, also wie ihnen ihr HIRTER schmeckt. Es kommt ja praktisch laufend Besuch zu uns ins kleine Metnitztal: Amerikaner, Chinesen, Malaien und so weiter, und allen taugt’s da (lacht). Aber trotz aller Internationalität schauen wir darauf, dass alles, was wir an Aufträgen vergeben, sich im Bezirk St. Veit bis Klagenfurt abspielt. Egal ob Rohstoffe oder Lebensmittel für die Gastronomie, angefangen  vom Nockfleisch über die Sonnenmilch usw. Wir versuchen auch in Zukunft, das alles in der Region zu halten.

IS: Die Wertschöpfung bleibt also im Süden – so soll es sein! Prost, und weiterhin viel Erfolg! 

pix: Johannes Wouk & Hirter

Von Wouk