Interview
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„Das ist sehr gute Werbung für einen sehr guten ZWECK“

Felix Eder unterrichtet Mathe und Zeichnen. Mit FaceTheMillion will er Schüler auf Projektwochen schicken, ohne die Brieftaschen der Eltern groß zu belasten – indem die Wirtschaft direkt in die Bildung investiert. Wir finden, der Herr Lehrer hat da ein recht kluges Konzept…

Der Schulhof ist still, denn es sind Ferien. Aus dem offenen Fenster im dritten Stock hallt ein Staubsauger selbstbewusst in den Innenhof, wo wir Felix Eder treffen. Der „Herr Lehrer“ ist braun gebrannt, durchtrainiert, hat schwarzes, bereits früh grau meliertes Haar und wird wohl der Schwarm aller Schülerinnen sein. Wir begleiten den Mathematik- und Zeichenlehrer mit einem Faible für Fotografie in „seine“ Klasse der „Neuen Musik – Mittelschule und Mittelschule mit bildnerisch-kreativem Schwerpunkt Hasnerschule“, wo er sich der IMSÜDEN.AT-Aufnahmeprüfung stellen muss:

IMSÜDEN.AT: Herr Eder, wer sind Sie und was tun Sie hier?
Felix Eder: Ich unterrichte hier Mathematik, bildnerische Erziehung und bin Klassenvorstand. Das macht mir enorm viel Freude.

IS: Schön, dass es Ihnen Spaß macht Eder, aber führen Sie nun bitte genauer aus, wie es dazu kam.
Felix Eder: Gern Herr Lehrer (lacht). Naja, ich wurde in eine Familie geboren, die sich sehr viel mit Kunst beschäftigt und kam daher natürlich schon äußerst früh in Berührung mit diversen Kunstformen. Dann wollte ich Architektur in Wien studieren, hab‘s aber bald wieder gelassen, um im Anschluss an der Pädagogischen Akademie in Klagenfurt mein Studium zu absolvieren.

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IS: Mathematik und Zeichnen ist jetzt nicht grad die übliche Fächerkombi, oder Eder?
Felix Eder: Aber es passt gut zu mir. Mathematik und bildnerische Erziehung sind auf der einen Seite sehr konkret und auf der anderen sehr kreativ. Und es gibt viele Querverbindungen, außerdem ist es ein guter Ausgleich für mich persönlich.

IS: Wie kamen Sie zu diesem Job, Eder? Lehrer gibt‘s ja wie Sand am Meer…
Felix Eder: Das war erstmal gar nicht so leicht. Nach der Pädak war die Jobsituation leider nicht die beste und ich bin ins SOS-Kinderdorf ausgewichen und dann zur Diakonie gewechselt, wo ich an einem Pilotprojekt mitgearbeitet hab, das geistig beeinträchtigte Kinder und fremd untergebrachte Jugendliche zusammengebracht hat. Das waren drei Jahre voller unschätzbarer Erfahrungen, die ich heute nicht mehr missen will, auch wenn‘s natürlich nicht immer einfach war. Dann war ich an der Benediktinerschule und seit zwei Jahren darf ich nun hier unterrichten.

IS: Wie dürfen wir uns den Unterricht bei Professor Eder vorstellen?
Felix Eder: In erster Linie ist mir die Kommunikation im Dreieck Eltern-Kind-Lehrer wichtig, deshalb haben zum Beispiel auch alle Eltern meine Handynummer, damit man da gegebenenfalls schnell reagieren kann.

IS: Sehr Süß, Eder, aber Mathe bleibt trotzdem öd, oder?
Felix Eder: (lacht)Überhaupt nicht. Wenn wir zum Beispiel Statistik durchnehmen, dann gehen wir auf die Straße und zählen Autos. Manchmal gehen wir auch in den Supermarkt und kalkulieren die Preise usw. Mir ist wichtig, dass die Schüler einen Bezug zu Realität haben, wenn sie was lernen, grade bei so etwas abstraktem wie Mathematik.

IS: Also versuchst du die Kids aus der Schule rauszubringen?
Felix Eder: Ja, das ist auch besonders wichtig, weil heute auch im Berufsleben sehr viel Flexibilität von dir erwartet wird – das ist im Klassenzimmer schwer zu vermitteln. Daher besuchen wir Museen, oder sogar Künstler in ihren Ateliers und nehmen an vielen Kreativwettbewerben teil. Und natürlich sind Schulprojektwochen ein wichtiger Faktor!

IS: Aber Schulprojektwochen sind ziemlich teuer… haben wir gehört…
Felix Eder: Ja, vor allem für die Eltern –  das ist mir nach meinem ersten Elternabend sofort klar geworden. Die Ausgaben für die Eltern werden ja ohnehin immer mehr: Werkbeitrag, Turngewand, Zirkel, Füllfeder und so weiter. Das leppart sich schon zam, wie man im Süden sagt (lacht). Und so eine Schulprojektwoche, egal ob Sport-, Sprach- oder anderer Schwerpunkte, kostet dann auch gleich mal um die 400 Euro. Das ist heftig, gerade auch für Alleinverdiener. Dann kommt es leider immer öfter zu der Situation, dass manche Schüler einfach nicht mitfahren können, denen wird also was vorenthalten, vom sozialen Druck in der Klasse ganz zu schweigen. Das ist für mich untragbar und ein echtes Problem!

Steine
Fruechte
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Zapfen

IS: Was ist deine Lösung?
Felix Eder: Meine Lösung ist FaceTheMillion, mein Verein, der Schülern Projektwochen ermöglichen soll, indem die Wirtschaft direkt in ihre eigene Zukunft, das heißt in Bildung, investiert.

IS: Klingt nicht ganz blöd Eder, aber wie stellst du dir das konkret vor?
Felix Eder: Das stell ich mir nicht vor, das setzen wir bereits um (lacht). Das ganze läuft so, dass Unternehmen, aber auch Privatpersonen, als Sponsoren für Projektwochen auftreten können. In einem Kreativwettbewerb, heuer zum Thema „Wasser“, werden dann die Klassen ermittelt, die diese Projektwochen-Unterstützung bekommen. Pro Projektwoche geht es um einen Betrag von 10.000 Euro, das entlastet die Eltern einer 25-köpfigen Klasse jeweils um 400 Euro. Das ist übrigens sicherlich einer der höchstdotierten Kreativwettbewerbe Österreichs.

IS: Gut, aber warum soll ein Unternehmen euch Geld geben, damit irgendwelche Kids irgendwohin fahren können?
Felix Eder: Erstens kann man das von der Steuer absetzen (lacht), aber viel wichtiger ist, dass Firmen die Möglichkeit haben, absolut direkt und öffentlichkeitswirksam in die Ausbildung unserer Jugend zu investieren. Der Sponsor wird über alle unsere Kanäle, also Print, Pressearbeit, Facebook, Twitter und vor allem unsere Homepage, kommuniziert. Das ist sehr gute Werbung für einen äußerst guten Zweck, und gleichzeitig eine Investition in die Zukunft des eigenen Unternehmens, zum Beispiel soll auf der Homepage auch eine Art Lehrlingsbörse entstehen. Daran arbeiten wir aber noch.

IS: Wer ist eigentlich „wir“?
Felix Eder: Der gemeinnützige Verein FaceTheMillion mit mir als Geschäftsführer, Catharina Ballan in Paris als Grafikerin und Maria Neumüller, die unseren Social-Media-Auftritt betreut. Unterstützt werden wir vom Rechtsanwalt Michael Pontasch-Müller und von vielen Freunden und Bekannten.

IS: Und der Kreativwettbewerb, wie läuft der dann ab?
Felix Eder: Mir war als Pädagoge natürlich wichtig, dass nicht nur Geld für die Sache reinkommt, sondern auch, dass ein wirklicher pädagogischer Nutzen entsteht. Daher haben wir den Kreativwettbewerb ins Leben gerufen. Da arbeitet die Klasse gemeinsam von Oktober bis März an einer Sache, das allein ist schon pädagogisch wertvoll. Dann wählt eine Jury, die wir noch ausschreiben werden, bestehend aus Künstlern, Pädagogen und Kreativitätsforschern, die besten Projekte aus, denen dann die Preise, also die 10.000 Euro von den Sponsoren übergeben werden. Dabei sind die Kriterien völlig transparent und der Aufwand soll sich auch in Grenzen halten. Im Prinzip ist es auch möglich mit einer einfachen Zeichnung zu gewinnen.

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IS: Wieso heißt das Ding eigentlich FaceTheMillion und nicht z.B. : „Schulwochen für alle!“?
Felix Eder: Na zum Beispiel weil das langweilig klingt (lacht). Nein, unser Ziel ist es möglichst bald österreichweit eine Million Euro an die Schüler zu verteilen, also 100 mal 10.000 Euro. Dann können hundert Klassen auf Projektwochen fahren und das wäre dann wirklich schon ein relativ flächendeckender Beitrag der Wirtschaft zum österreichischen Bildungssystem.

IS: Klingt etwas hochgegriffen…
Felix Eder: Haha, naja, man soll sich ja hohe Ziele setzen! Wir haben ursprünglich geplant, dass Unternehmen das Projekt mit einem fix vorgegeben Sponsoring von 10.000 Euro unterstützen können. Das war aber, vielleicht auch wegen der allgemeinen Wirtschaftslage, etwas zu hoch gegriffen. Mit der Überarbeitung des Projekts haben wir günstigere und nicht weniger attraktive Modelle für Unternehmen hinzugefügt – da sind wir mittlerweile auf einem sehr guten Weg. Wir haben die Wirtschaftskammer und das Land Kärnten hinter uns, den Landesschulrat natürlich auch und wir lukrieren schon die ersten Sponsoren. Aber wir haben zweifellos auch noch viel Arbeit vor uns!

IS: Eben. Viel Arbeit! Du bist ja Lehrer, hättest jetzt eigentlich Ferien und könntest in der Sonne liegen, aber trotzdem arbeitest du lieber an etwas, dass dem Süden und der Allgemeinheit zu gute kommt. Spinnst du komplett?
Felix Eder: (lacht) Wahrscheinlich (lacht). Aber ich finde, jetzt ist die Zeit da, um etwas auf die Beine zu stellen, ich bin Mitte 30, wann, wenn nicht jetzt? Der Bedarf ist jedenfalls da und aus pädagogischer Perspektive sind Projektwochen einfach irrsinnig wichtig. Es wäre fatal, wenn sie an den knappen Mitteln der Eltern scheitern. Hier geht es ja schließlich um unsere Kinder und damit um die Zukunft! Außerdem spüre ich gerade so etwas wie eine Aufbruchsstimmung in Kärnten. Es gibt zurzeit auch sehr viele offene Ohren im Land, überall öffnen sich Türen und daher glaub ich, wir sind auf einem guten Weg hier im Süden.

IS: Sehr gut, Eder. Setzen!

pix: Johannes Wouk, Facethemillion


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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