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Die Liebe zum Rock der späten 60er Jahre

General Hatzenbichler and the Apologists of Groove and Seduction sind eine kleine, feine Kärntner Band, die bereits auf eine langjährige Bandgeschichte und zahlreiche Auftritte in und um Österreich zurückblicken kann. Und das obwohl sie gar nicht hauptberuflich Musik machen und auch nicht alle im gleichen Bundesland wohnen. Leidenschaft und Spaß an der Sache machen das möglich.

Bereits im Juni 2013 haben wir uns bei ihrem Konzert im Bio-Erdbeerfeld unter freiem Himmel und bei freiem Eintritt  von ihren Live-Qualitäten überzeugen können. Ihr Debutalbum „Stupendous Stories of Adventure and Romance“ haben sie im legendären Fuzzroom von Herwig Zamernig (Naked Lunch, Fuzzman) aufgenommen. 2015 feiert die Band, die nach eigenen Angaben Blues-Soul-Country-Sex-Rock spielt, ihr zehnjähriges Bestehen. Wie wir finden ein guter Grund, um mit den sympathischen Jungs ein Gespräch zu führen. Was sie von Streamingdiensten halten, zu welchen Songs sie tanzen und warum keine Aufnahme der Welt einem Livekonzert gerecht wird, haben sie uns im Interview erzählt.

„Wo würdet ihr gerne einmal auftreten?
Albert: Ich würde gerne mal im Flex oder im WUK spielen.
Christian: Im Burgtheater.
Frederik: Oder in einem Friseursalon.
General H.: Am Broadway: General Hatzenbichler – das Musical‘.
Albert: Mit sechzig dann in Las Vegas.“
(Interview: mokant.at, März 2013)

Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?
Ursprünglich als „Reverend Hatzenbichler and the Apologists of Groove and Seduction“ gegründet stellten wir schnell fest, dass der sündige Lebenswandel des Leadsängers wohl kaum dem Zölibat gerecht wird. Deshalb General, ein General eines marodierenden Rudels von Straßenkötern, die den Blues bellen.

Roland_LowRes

Eure Namen und wer spielt was?
General Schorsch Hatzenbichler: Gesang und Blues-Harp
Fat ‘Olli: Rythm+Slide Guitar
Ratboy Johnson: Lead Guitar
Long John Silver: Bass
Airdried Steve McKay: Piano
Vicious Spiderear Dörfler: Drums
Clayton A. Hatzenbichler, Jr.: Gesang, Synth.

Wer schreibt die Lyrics und die Musik?
Das würden wir auch gerne wissen. Es fliegt Einem hin und wieder mal eine Idee oder ein Song zu. Der Rest ist Altbestand von Gerd Höllerich [= Roy Black; Anm. d. Red.].

Welche drei Songs von euch muss man/frau gehört haben?
If I just tried. If I Just tried. If I just tried. Erst dann ist man bereit für den Rest. 

Wie viele Konzerte spielt ihr im Jahr?
Wie versuchen keine Gelegenheit auszulassen.

Was hört ihr für Musik?
General H.: Gestern war ich beim Optiker und da hab ich einen guten Song gehört: John Lee Hooker in voller Lautstärke, während mein Brillengestell neu beölt und feinjustiert wurde. Das ist also immer tagesabhängig, aber z.B. Howlin‘ Wolf, Shakey Graves, Sean Rowe, Lightnin Hopkins, St. Paul and The Broken Bones, Big Joe Louis, Black Joe Lewis, Ian Siegal, Paul Reddick, Ike & Tina Turner, Captain Beefheart, Tom Waits, Bob Dylan und Princess Superstar. Getanzt wird zu Rollin‘ and Tumblin‘ oder Wang Dang Doodle.

Was habt ihr über die Musikszene in Kärnten zu sagen?
In letzter Zeit haben wir das Gefühl, dass es immer weniger Auftrittsmöglichkeiten in Klagenfurt gibt. Das kann aber auch Alterspessimismus sein. Aber die Geschichte des Bluesianas ist ja auch eher ein Armutszeugnis für Kärntens Musikverständnis von offizieller Seite. Ansonsten gibt es ja durchaus einige interessante Musiker: Den Fuzzman und die Formationen um den Richard Klammer, sprich Talltones und KunstSportGruppe Hochobir oder die Unvollendeten, das sind schon alles tolle Musiker und sympathische Leute. Wobei wir ja in der Kärntner Musikszene nicht gar so viel zu tun haben, weil wir ja großteils ausgewandert sind.

Wann/wo spielt ihr euer nächstes Konzert in Kärnten?
Wenn die Schwalben wieder Heimwärts ziehen und der Mond im dritten Haus des Wassermanns steht. Dann kehrt der General zurück. Zuvor wird noch in Wien ein Konzert Ende Mai gespielt.

Wo kann man eure Musik kaufen?
Bei unseren Konzerten und über die üblichen Online-Vetriebswege.

Stefan_LowRes

Was haltet ihr von der zunehmenden Digitalisierung von Musik bzw. von Streamingdiensten? Nutzt ihr das? Wenn ja, erreicht ihr dadurch mehr Leute?
Projekte wie pingeb.org sollten hier positiv hervorgehoben werden. Dank diesen Leuten gibt es wenigsten irgendeine Plattform für Kärntner Kunst. Ansonsten ist die zunehmende Digitalisierung natürlich Fluch und Segen. Sie gibt dem jungen mittellosen Musiker neue Werkzeuge in die Hand. Man kann ja heute ein Album in seinem Wohnzimmer am Notebook aufnehmen und das kann dann morgen jemand aus Tijuana online kaufen. Also tolle neue Möglichkeiten, aber natürlich ist es auch wahnsinnig schwierig, sich als Konsument da in diesem riesigen Angebot zurechtzufinden. Außerdem wirkt sich das alles natürlich auf den Wert aus.

Inwiefern?
Wenn ich heute so gut wie jeden großen Popstar gratis auf Youtube finde oder für eine geringe Gebühr über Spotify hören kann, warum soll ich dann noch für jemanden Geld ausgeben, der kein großer Star ist? Das klassische Modell vom Label ist heute ebenso längst überholt. Für mich ist daher immer noch der beste Vetriebsweg das Konzert, weil man dort am besten vermittelt werden kann, was General Hatzenbichler ist. Man muss eine Emotion beim Publikum auslösen und etwas schaffen, an das sie sich erinnern wollen wenn sie die CD hören. Um Leute aufs Konzert zu bekommen und auf uns aufmerksam zu machen ist aber z.B. Facebook oder Youtube ein tolles Tool, aber ebenso klassische Flyer, Poster, Zeitungsanzeigen, Mundpropaganda oder ein Sticker auf einem ekelhaften WC.

2015 heißt es eine Dekade Hatzenbichler and Apologists. Wird gefeiert?
Es wird auf alle Fälle die eine oder andere Überraschung geben. Am besten verfolgt man das über unsere Facebook-Seite oder über www.generalhatzenbichler.com.

Hört, hört!
Die Plattenspieler

 

Pix: Roland Schreier

Von Wouk