Interview
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STICKENDE Schwestern mit einem Faible für Liedtexte

STITCH BICHTES. „Meistens hab ich von dem Scheiß hier genug, aber immer ist’s ja nirgendwo nett“ – So singt der Fuzzman und er spricht den beiden Schwestern Anna und Theresa Ennemoser vom Künstler-Duo gransis aus dem Herzen. So, dass die beiden kurzerhand die Songzeile in einem ihrer Werke verarbeitet haben. Bei gransis trifft Tradition auf Jugend – Traditionelles Stickhandwerk bringen Aussagen, die den Nerv treffen.

Angefangen haben die beiden, in Kärnten lebenden Tirolerinnen mit dem verführerischen R, mit Häkeln und Ketten basteln, inzwischen beschäftigen sie sich die meiste Zeit mit Stickereien. Die kleinen Wandschmuckstücke, die dabei entstehen, haben schnell die beschenkte Familie und Freunde begeistert. Seit diesem Sommer haben die beiden ein Gewerbe angemeldet und der Personenkreis, der sich über ihre Bilder, Lesezeichen und Taschen freut, wächst stetig. Anfang Juni konnten fünf ihrer Werken bei der Aktion Kostenlose Kunst in Klagenfurt gefunden werden. Wer da kein Bild erwischt hat, muss nicht traurig sein: Anna und Theresa sind äußerst produktiv – es gibt noch genug zu bestaunen und zu erstehen.

Nach dem ersten Treffen und Fotoshooting mit den beiden bei Regen im Mai, haben sich Anna und Theresa nochmal Zeit für mich genommen, um sich bei Sonne und Kaffee über Stickmuster, geniale Musiker und darüber zu unterhalten, warum Sticken eine Kunst ist.

IMSÜDEN.AT: Ihr habt vor Kurzen bei der Aktion „Kostenlose Kunst“  in Klagenfurt mitgemacht. Sind eure Bilder gefunden worden?
Anna: Ja, alle sind gefunden worden. Wir hatten insgesamt fünf Bilder gemacht. Die sind irgendwo aufgestellt worden. Eins war in so einem Blumenstrauch, ein anderes war bei der Fußgängerampel auf dem Knopf für Sehbehinderte. Das ist echt gut gewesen. Bunt gemischt. Kleine Kinder haben was gefunden, alte Leute. Echt lässig.

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IS: Ihr habt mit Häkeln angefangen und seid dann erst zum Sticken gekommen. Wie das? Warum habt ihr mit dem Häkeln wieder aufgehört?
Theresa: Aufgehört haben wir eigentlich nicht. Aber ich glaub, wir haben eine Pause gebraucht.
Anna: Wir haben das stillgelegt. Irgendwann ist man übersättigt.
Theresa: Mich hat’s irgendwann gelangweilt, ich wollte keine Wolle mehr angreifen. Das kann’s ja auch nicht sein. Und Unsere Mama hat noch ziemlich viel Stickzeug daheim gehabt. Ich hab dann damit angefangen. Das erste Stickbild war gleich ein richtig großes: Das ‚Rapper’s Delight‘-Bild. Sticken macht voll Spass und ist auch total entspannend. Ein guter Ausgleich.

IS: In der letzten Ausgabe des lautstark-Magazins wart ihr in der Rubrik ‚lautstark meets art‘ vertreten. Findet ihr überhaupt, dass ihr Künstlerinnnen seid?
Anna: Ich würde mich nicht trauen, uns als Künstler zu bezeichnen. Wenn man andere Künstler kennt, denkt man sich: Mit denen können wir uns nicht in einer Kategorie einordnen.
Theresa: Aber wir steigern uns. Ich finde schon, dass wir das nicht mehr nur als Hobby sehen. Eh logisch, da wir jetzt den legalen Weg gehen. Wir nehmen das schon ernst.

IS: Was heißt legaler Weg?
Anna: Seit 1.6.2014 haben wir ein Gewerbe angemeldet. Früher haben wir nur Freunde und Familie beschenkt.
Theresa: Weil unsere Sachen doch recht gut ankommen, haben wir uns gedacht, es ist gescheiter, wenn man gleich den nächsten logischen Schritt geht – den in die richtige Richtung.

IS: Kann also Handarbeit auch Kunst sein?
Anna: Auf jeden Fall. Es gibt ja auch Textilkunst.
Theresa: Du überlegst dir ja bei jedem Stück, was du machst. Ob das zusammenpasst usw. – schauen wir mal, was noch dazu kommt? Vielleicht bleiben wir ja nicht nur bei dem. Wer weiß, was man sich so zusammen spinnt?

IS: Geht es euch eher darum, schöne Sachen zu machen, oder um eine Aussage?
Anna: Ja, ich weiß nicht. Die Bilder, wo Zitate oder Liedtexte draufstehen: Das spiegelt schon unsere Meinung wieder.
Theresa: Wir sticken jetzt nichts, was nicht unserer Meinung entspricht. Ich würde jetzt keine Aussage vom Strache sticken (lacht). Weil ich einfach nicht dazu stehe. Und gerade bei den Musiktexten finde ich es wichtig, dass uns das auch gefällt und dass sie auch irgendwo eine Aussagekraft haben. Nicht nur Nonsens.

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IS: Auf eurem Blog steht unter anderem, ihr macht Kunst ‚for dreamers&earlybirds‘. Warum denn für Frühaufsteher?
Theresa: Wir wollten, dass sich so viele Leute, wie möglich, angesprochen fühlen. Dieser Titel war ja noch viel länger.
Anna: Eben alles, was uns eingefallen ist, weil wir Sachen für alle machen wollen. Das siehst du auch in unserer Preisgestaltung. Das sind Sachen, die kann sich jeder leisten und so soll’s auch sein.

IS: Wie ist das mit den Liedtexten: Sugarhill Gang und Fuzzman. Wer hat die Ehre zitiert zu werden?
Theresa: Der Fuzzman hat uns von Anfang an recht zugesagt. Es sind einfach Sachen, die eine gute Aussagekraft haben, aber irgendwie auch nicht. Man muss sich oft dazusetzen und ein paar Mal durchlesen um drauf zu kommen, was damit gemeint ist. Der Fuzzman hat sehr verspielte Texte und das mag ich voll gern.
Anna: Und dann kommst drauf: das is volle gescheit.

IS: Sind es nur Liedtexte, die ihr stickt?
Anna: Es sind nicht nur Liedtexte. Es soll nur kurz und knackig sein. Einen ewigen Text mag sich keiner durchlesen.
Theresa: Knackig ja. Aber die Anna traut sich nicht immer so. Ich hab auch einige härtere Aussagen. So wie das ‚Bitch, Please‘-Bild oder ‚Fuck off, I’m reading‘. Ich finde schon, man kann ruhig ein bisschen mutiger sein. Es ist gut, nicht nur nette Sachen zu schreiben, weil es passt auch nicht in jeder Lebenslage ein netter Spruch.

IS: Jede macht ihr eigenes Stickbild, es läuft aber immer unter dem Label gransis. Gibt es keine Einzelstücke von Anna oder Theresa?
Theresa: Nein, weil wir uns immer zusammensetzen und uns gegenseitig fragen: Was meinst du, passt das so?
Anna: Wir machen auch Arbeitsteilung. Theresa stickt und ich nähe es zusammen oder so.

IS: Ich habe bei euch beiden das Gefühl, ihr seid ein Schwestern-Dreamteam. Das steckt auch in eurem Namen drin (gransis setzt sich zusammen aus granny und sisters). Gibt es auch mal Streitereien?
Anna: Das hat sich aufgehört.
Theresa: Das war früher, bevor wir zusammen gearbeitet haben. Wir sind fünf Jahre auseinander und da war es manchmal schwierig, gemeinsame Interessen zu finden. Aber gransis hat uns irgendwie zusammengebracht, verbindet uns jetzt.
Anna: Das mit dem Altersunterschied ist auch nicht mehr so schlimm. Wenn die eine in der Pubertät ist und die andere zehn Jahr alt, dann hat das schon Konfliktpotential: „Du hast mein T-Shirt genommen und du hast mein Hose angezogen!“ Oft haben wir gar nicht miteinander geredet. (lacht)

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IS: Wie kann man eure Sachen kaufen?
Anna: Am besten uns einfach anschreiben, weil wir momentan noch keinen Online-Shop haben. In Österreich ist das schwierig: Bei sowas wie dawanda herrscht ein ziemliches Preisdumping und es ist nicht gut, wenn man die selber gemachten Sachen zu billig hergibt. Dann wird die Arbeit nicht geschätzt.

IS: Nehmt ihr auch Auftragsarbeiten an?
Anna: Ja klar. Es kann nur manchmal ein bisschen dauern, weil ich arbeite und studiere und die Theresa auch Vollzeit arbeitet. Aber wenn man die Wartezeit einplant, ist das alles kein Thema.

IS: Ihr habt ein kleines Stick-Fieber ausgelöst: Einige Freundinnen und ich sind angefixt. Findet ihr das cool, oder denkt ihr euch: Das war aber unsere Idee?
Anna: Nein gar nicht. Das ist voll ok. Wir haben auch schon vielen Freundinnen häkeln und sticken beigebracht.
Theresa: Ich denk mir, wir haben unseren eigenen Stil und man muss da nicht neidisch sein. Es soll jeder seine Chance haben. Wir ziehen unser Ding durch und das passt.

IS: Eigentlich kommt ihr ja gar nicht aus dem Süden, ihr seid aus Tirol. Was kann der Süden, was der Westen nicht hat.
Anna: In Tirol waren wir am Land, in einem kleinen Dorf daheim. Klagenfurt ist offener und lockerer.
Theresa: Wir sind gern Tiroler und auch stolz drauf, wie das halt in Österreich bei diesem omnipräsenten Patriotismus so ist. Aber ich finde, auf Dauer können die Berge sehr erdrückend sein. Kärnten ist für uns so was wie Freiheit. Ein Freiheitsgefühl.

IS: Ich danke euch und freue mich schon über neue Inspiration.

pix: Matthias Kraft-Kinz


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Lucia Schöpfer
  Lucia Schöpfer | Mag ihre bayerische Heimat und dass Kärnten der so ähnlich ist | IMSÜDEN immer da, wo’s was ..
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