Interview
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„Mach es dem Kunden leicht sein neues Lieblingsteil zu finden!“

Gregor Grüner ist der Kronprinz im Luxusmoden-Imperium GRÜNER. Aber das hört der Industriedesigner nicht so gern und sieht das Ganze recht entspannt. „Schwuppdiwupp“ hat er sich, dank Studium des „Textile- and Clothesmanagements“ und breiter Branchenerfahrung, im väterlichen Unternehmen eine eigene Onlineschiene geschaffen, die mittlerweile das ganze Modehaus infiziert und zukunftssicher im Süden verankert ist.

Wir treffen Gregor Grüner in seinem Online-Store zum Chat. Denn, den Grüner-Online-Store  kann man nicht nur anklicken sondern auch tatsächlich betreten. Er befindet sich nur wenige Meter vom „Stammhaus“ entfernt, in der Klagenfurter Bahnhofstraße, gleich gegenüber dem Café Como und ist seit Neuestem sogar ein kleines Designer-Outlet. Drinnen herrscht geschäftiges Treiben. Gregor schnürt gerade ein Paket für den Versandt: „Hier geb ich auch gleich das bewährte ‚Grüner-Sackerl‘ rein, dann hat die Kundin das Gefühl, als wäre sie gerade bei uns shoppen gewesen, egal wo auf der Welt sie das Paket aufmacht.“ erklärt er uns und bietet uns auch gleich einen Kaffee an. Während Gregor uns selbigen macht, spähen wir kurz ins Shop-eigene Fotostudio, weil’s dort gar kräftig blitzt. „Wir fotografieren all unsere Produkte selbst, denn von den Herstellern bekommst du teilweise keine guten Fotos und so ist alles aus einem Guss.“ ruft uns Gregor aus der Küche zu. Der Kaffee ist dann auch fertig und wir gehen in das kleine „Chefbüro“ für’s Interview.

IMSÜDEN.AT: Hallo Gregor! Wie war es als Modezarensohn aufzuwachsen?
Gregor Grüner: Naja, ich war immer gut angezogen (lacht). Aber es war auch nicht immer ganz leicht. In der Schule haben sie immer gesagt: „Ja, das ist ja dieser Grüner“, der Name steht seit 146 Jahren eben für Luxus und hochwertige Mode, da trägt man nicht immer leicht daran. Kommt nicht immer so gut an bei den Mitschülern, wenn man zu gut angezogen ist (lacht).

IS: Armer schwarzer Kater! Aber du hast recht, Kinder können ja so grausam sein…
Gregor Grüner: Das klingt jetzt aber auch dramatischer als es war. Ich hatte das große Glück mit einem tollen Freundeskreis aufzuwachsen, einer richtigen Super-Truppe. Also war meine Kindheit jetzt nicht grade die Hölle (lacht).

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IS: Zum Glück, wir haben uns schon Sorgen gemacht. Auf welcher Schule warst du eigentlich?
Gregor Grüner: Nach dem Gymnasium hat sich herauskristallisiert, dass mir eher die technische Richtung liegt, also ging ich direkt danach nach Ferlach auf die HTL. Da waren wir der zweite Jahrgang für Industriedesign, das war ein richtiges Privileg. Von den Lehrern her, vom Klassenvorstand und auch von der Praxisnähe her, war das einfach unglaublich gut und praxisnah. Wir haben da viele echte Aufträge von Firmen abwickeln dürfen. Teilweise ist der Direktor in die Deutschstunde geplatzt und hat gesagt: „Du, du und du“ und dann haben wir einen Nachmittag lang für einen Kunden gearbeitet, eine super Erfahrung!

IS: Industriedesign? Nicht gerade das Kerngeschäft eines Modehauses, oder?
Gregor Grüner: In Ferlach habe ich gelernt, wie du aus einer Idee, die du im Kopf hast, über das Konzept, die ersten Entwürfe, den Prototypenbau, bis hin zur industriellen Fertigung kommst. Das bestimmt auch heute noch mein ganzes Berufsfeld. Dazu kamen tolle Praktika, die ich während der Schulzeit absolvieren durfte.

IS: Wo zum Beispiel?
Gregor Grüner: Ich war unter anderem bei BRAUN in Frankfurt in der Produktentwicklung. Direkt beim Industriedesign also, mit Hochsicherheitstüren, drei Chipkarten und allem Pi-Pa-Po. Da hab ich erleben dürfen wie Produkte entstehen, sehr faszinierend! Zwar waren es „nur“ Rasierer und Zahnbürsten, aber das war auch irre. Es gab zum Beispiel einen Japaner – der konnte, per Hand, aus einem Kunststoffstück eine elektrische Zahnbürstenattrappe schnitzen. Einfach so. Du hast keinen Unterschied zu einer echten gesehen, irre!

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IS: Mhm… aha… so etwas fasziniert wohl nur eingefleischte Industriedesign-Nerds…
Gregor Grüner: (lacht) Mag sein. Cool war aber auch mein Praktikum bei TOD’S in Mailand, wo ich als Visual Merchandiser, die Schaufenster, den Innenraum und auch Aktionen an den Kassen, von allen Stores weltweit, designen durfte. Und als guten Benefit hab ich auch gelernt (lacht).

IS: Und dann? Wie ging’s nach der Schule und den ganzen Praktika weiter?
Gregor Grüner: Ich war ca. ein Jahr auf der Angewandten in Wien, aber das war für mich irgendwie zu locker, dieser Unibetrieb (lacht). Ich hab dann für den Innenarchitekten EINWALDER im ersten Bezirk Visualisierungen gemacht und da das Studium eher schleppend lief, hab ich aufgehört und bin nach Mönchengladbach gegangen.

IS: Der Traum vieler junger Leute, das schöne Mönchengladbach?
Gregor Grüner: Ja, genau. Wirklich eine der schönsten Ecken, vor allem, wenn man vom grauslichen Wörthersee kommt (lacht). Nein, dort ist es zwar nicht so schön wie hier im Süden, aber dafür ist es eine echte Hochburg der Textilindustrie. Dort gab es früher weltberühmte Seidenwebereien und heute noch eine tolle Uni zu diesem Thema, wo ich dann auch studiert habe.

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IS: Was genau hast du studiert?
Gregor Grüner: „Textile- and Clothing Management“ nennt sich das Studium und wir haben dort Textilwirtschaft von der Picke auf gelernt. Wir haben auf Strickmaschinen gearbeitet, gehäkelt, sogar ein Hemd per Hand genäht. Plus das ganze Betriebswirtschaftliche eben.

IS: Und dann aber flux wieder an den Wörthersee!
Gregor Grüner: Fast. Davor hatte ich noch die einmalige Gelegenheit für den Osteuropa-Vorstand von PEEK&CLOPPENBURG zu arbeiten und innerhalb recht kurzer Zeit alle Stationen im Unternehmen durchzumachen. Ich bin zum Beispiel als Logistikleiter durch halb Europa getingelt oder hab mit dem Vorstand, der zu meinem Mentor wurde, neue Stores eröffnet… Als mein Mentor das Unternehmen dann verlassen hat, bin ich noch zur P&C Eigenmarke REVIEW gegangen und habe dort zum Beispiel berechnet, wie viele Kleidungsstücke auf einen Präsentationstisch passen und was das für die Lagerhaltung und das Nachbestellen bedeutet. Da hab ich meine beiden Zugänge, als Industriedesigner und als Mode-Mann super vereinen können. Die automatische Lagerhaltung, die ich damals entwickelt hab, wird noch heute verwendet und auch bei uns im Haus versuche ich das so effizient wie möglich zu gestalten.

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IS: Womit wir beim Thema wären. Der Grüner Online-Store ist dein Baby?
Gregor Grüner: Ja, dank meinem sehr großzügigen Vater hatte ich die Chance, das hier aufzuziehen, nachdem ich mich, aus dem Bauch raus, entschieden habe, nach Klafu zurück zu kommen. Aber das ist bei uns in der Familie eigentlich schon fast Tradition. Mein Vater hat zum Beispiel eines der ersten computergestützte Warenwirtschaftssystem in Kärnten aufgebaut, der Computer war damals so groß wie ein eigener Raum (lacht).

IS: Also fast so groß wie dein Grüner OnlineStore hier? Wieso hast du eigentlich einen echten Laden, wo es doch ein Onlinestore ist?
Gregor Grüner: Naja, das kommt natürlich aus der Tradition unseres Modehauses. 1868 wurde es drüben im Stammhaus gegründet, ursprünglich übrigens mit Spielzeug und so genannten „Galanterie-Waren“, also Krägen, Manschetten, Knöpfen usw. Dann hat jede Generation einen eigenen Teil weiterentwickelt und die alte Generation hat investiert. Ich durfte dieses Projekt hier angehen und hab’s innerhalb eines halben Jahres mehr oder weniger auf die Beine gestellt. Ursprünglich noch mit einem eigenen Lager, aber davon sind wir mittlerweile weg.

IS: Und wie funktioniert das Ganze heute im Detail?
Gregor Grüner: Mittlerweile laufen wir sozusagen synchron mit dem Direktverkauf im Stammhaus. Das heißt, ich habe hier eine Mitarbeiterin für die Warenübernahme, die überprüft alle Lieferungen und gibt die Stücke dann ins Fotostudio, wo sie für den Onlinestore fotografiert werden. Dann kommen Sie, entweder ins Lager, oder direkt in eine unserer Filialen.

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IS: Und wenn wir dann unsere Wintergarderobe online bestellen?
Gregor Grüner: Dann wird im System gecheckt, wo die Ware ist, also im Lager oder in einer unserer Filialen, sie wird abgeholt, hier verpackt und versandfrei verschickt. Und dann nimmst du deine neue Winterjacke von z.B. MONCLER einfach aus dem Grüner-Sackerl in deinem Packet und ziehst sie an.

IS: Oder wir kommen sie bei dir abholen…
Gregor Grüner: Genau, das geht natürlich auch. Es kommt auch oft vor, dass Kunden mit dem Handy ins Geschäft kommen und sagen: „Das will ich probieren!“ und dir ein Foto von einem Produkt aus dem Online-Store stolz präsentieren.

IS: …und das ist dann natürlich nicht auf Lager…
Gregor Grüner: Nein, das kann kaum passieren, da wir das Teil sofort aus dem Online-Store nehmen wenn’s über den Ladentisch geht bzw. es aus dem Laden verschwindet wenn es online verkauft wird. Unsere Geschäfte sind also unser Lager, das hat natürlich viele Vorteile!

IS: Und mit dem Online-Store erweitert ihr euren Radius.
Gregor Grüner: Genau. Eh klar, online bist du halt weltweit präsent, während unsere Filialen auf Klagenfurt beschränkt sind. Zum Beispiel gehen 50% unserer Online-Bestellungen nach Deutschland und der erste, der bei uns im Men Online Store bestellt hat, war überhaupt aus Shanghai – da mussten wir auch in der Schneiderei gleich die Hosen kürzen lassen (lacht).

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IS: Also eigentlich perfekt, ein Modehaus im Süden verkauft in die ganze Welt.
Gregor Grüner: Genau. Wir sind auch sehr froh hier in Klagenfurt zu sein und nicht etwa in Wien. Die großen Marken haben da ja eine recht harte Verkaufspolitik. Die machen dir am Graben einen Flagshipstore auf und nehmen zwei von sieben Händlern, die die Marke ursprünglich groß gemacht haben, die Marke wieder weg um selber zu verkaufen. Das kann uns hier nicht passieren.

IS: Na zum Glück! Und wie siehst du die Zukunft? Grüner bis 2068?
Gregor Grüner: Na mindestens (lacht). Ich bin mir sicher, dass der Online-Anteil noch größer werden wird und da sind wir derzeit in unserem Segment sicher einer der wenigen Onlineshops, die so ein exklusives und trotzdem breites Sortiment anbieten können. Das wollen wir weiter ausbauen. Denn im Grunde kommt es darauf an: Egal, ob du das Produkt online oder offline siehst, du musst leicht kaufen können. Egal welches Gerät, welche Zahlungsmethode, welcher Ort, welche Zeit, mach es dem Kunden leicht sein neues Lieblingsteil zu finden und zu kaufen!

IS: Klingt ja gut, dann wünschen wir dir noch ein gutes Weihnachtsgeschäft und klingende Kassen, egal ob off- oder online!
Gregor Grüner: Danke, da fällt mir ein, wir haben über Weihnachten einen GRÜNER-ONLINE-ADVENTKALENDER. Jeden Tag kann man etwas anderes gewinnen, das wär doch was für die Leser von IMSÜDEN.AT, oder?

IS: Ja, klingt gut. Da machen wir mit!

 

pix: Johannes Wouk & TINEFOTO & GRÜNER


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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