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Halbnackt rumflirten: Als Single am (BUSINESS)BEACH

Ein Bikini ist bekanntlich die beste Uniform – zum Arbeiten und natürlich auch zum Flirten. Schließlich schwitzt man selber weniger, andere dafür umso mehr. Und wo ginge das aktuell besser als am BUSINESSBEACH?! Richtig. Nirgends!

Was gibt es Schöneres: es ist Freitag, 14:00 Uhr, das Wetter fällt unter Kitsch, die Temperatur ist in meinem Bereich (30+, und ich sage das nur einmal), die Strandbäder sind gefüllt – und ich arbeite.

Nein, ausnahmsweise ist das kein Sarkasmus meinerseits, sondern purer Ernst. Ich befinde mich nämlich am BUSINESSBEACH. Den Laptop aufgeklappt, brav unterm Schirm, damit mir die Sonne meine Kreativität nicht verheizt. Schließlich bin ich ja nicht zu meinem Privatvergnügen hier. Und ich muss sagen, so lässt es sich wirklich leben! Die perfekte Work-Life-Balance, von der alle immer reden. Statt Blazer trage ich Bikini, statt verzweifelten Versuchen, die Klimaanlage in die Gänge zu bekommen springe ich einfach in den See.

Ich war ja schon immer für außergewöhnliche Arbeitsplätze, da geht wenigstens was weiter. Ich war auch schon immer für außergewöhnliche Arbeitszeiten, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls bin ich heute das zweite Mal in meinem Leben im Strandbad Loretto, und ich muss sagen, es gefällt mir hier. Das Publikum ist ganz gut gemischt, von Familien mit Kindern, Jugendlichen, meine 30+ bis hin zu Leuten im Golden Age ist alles dabei. Sogar eine Entenfamilie tummelt sich immer wieder zwischen Wasser und Wiese herum. Logisch, denen ist auch heiß. Die Entenbabys sind überhaupt so ein bisschen die Attraktion heute; egal wo die herumwatscheln sind alle ganz entzückt. Auch die Mädels vor mir kriegen sich kaum wieder ein. Süße Girls. Ein bisschen woohoo, aber süß.

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Die erinnern mich irgendwie an die Treffen mit meinen Freundinnen: viel lachen, viel Blödsinn reden, viel Ernstes, viel über Männer. Nur sind wir weniger woohoo, das mag aber am Alter liegen. Die Mädels hier sind nämlich gut und gern 10 Jahre jünger als wir. Die Themen sind die gleichen, auch wenn bei uns die jeweilige Intensität variiert. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das jetzt beruhigend oder beängstigend finden sollte, aber egal.

Ein Thema ist heute offenbar besonders aktuell, und zwar ist das der Typ mit der blauen Badeshorts. Groß, dunkel, durchtrainiert, schönes Lächeln…. Die Mädels können froh sein, dass der altersmäßig nicht in mein Schema fällt. Echt ein fescher Kerl. Offensichtlich wartet eines der Mädels darauf, dass er sie endlich anspricht. Was er wiederum nicht macht. Er stolziert indes alle 5 Minuten vorbei, hält brav die Luft an und macht einen auf Rettungsschwimmer, sagen tut er jedoch nix. Also entweder kann er während diesem Posing nicht reden, oder er ist von den Mädels einfach etwas eingeschüchtert. Obwohl ersteres sicher mitspielt – das geht physisch schon nicht anders – wird das zweite todsicher zutreffen. Er schaut sich nämlich auch immer nach ihr um. Aber Hauptsache, die Mädels liegen fast aufeinander, sogar aufs Klo gehen sie zusammen. Himmel, so wird das nie was.

Da fällt mir die neueste Story von meiner Freundin Hanna ein. Hanna ist ja noch nicht so lange Single, aber glücklich seit dem ersten Tag. Deshalb tut sie sich nicht so wirklich schwer, jemanden kennenzulernen. Laut eigener Aussage sind das allerdings lauter Johnnys, die höchstens die No-Go Liste bereichern. Ich weiß auch nicht, was da los ist.

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Whatever. Wir waren unlängst alle gemeinsam am See, da sieht Hanna einen Kerl, der total ihrem Typ entspricht. Ein bisschen so wie der Bursche mit der blauen Badeshorts, bloß älter und mehr bad boy. Liab! Jedenfalls war sie natürlich Feuer und Flamme und wir an diesem Steg praktisch gefangen. Der Wettergott war etwas unentschlossen, ob er uns nun Sonne oder doch ein paar Tropfen bescheren sollte, aber Hanna war nicht zu bewegen

„Na! Mädels, jetzt können wir nicht gehen!“. Also sind wir hängen geblieben und haben darauf gewartet, dass sich da endlich etwas tut. Oder besser gesagt, dass er etwas tut. Hanna ist nämlich der absoluten Überzeugung, dass der Mann die Frau ansprechen muss. Tut er das nicht, wird scharwenzelt und im worst case enttäuscht das Feld geräumt. Die No-Go Liste in allen Ehren, aber so wundert mich nix mehr.

Dann also lieber alle 15 Minuten bei ihm vorbei in Richtung Klo laufen und darauf hoffen, dass er endlich sein Schweigen bricht. Dabei hat sie brav die Luft angehalten, Brust raus, Bauch rein, Hirn aus. Denn dass er denken könnte, sie leide an einer Blasenschwäche oder an sonstigen unsexy Beeinträchtigungen kam ihr gar nicht erst in den Sinn.

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Nach dem gefühlten 25. Toilettengang hat er sie doch tatsächlich angesprochen: „Brauchst du Hilfe?“ Hanna war sichtlich erfreut, dass er endlich was gesagt hat. „Wobei willst du mir denn helfen?“ fragte sie neckisch zurück. „Naja, du gehst so oft auf die Toilette, wir haben uns schon Sorgen gemacht und uns gewundert, was dir denn wohl Schlimmes fehlen mag“. Er schmunzelte, seine Freunde auch. Hanna nicht. Gottseidank befand sich weder Strick noch Stein in ihrer Nähe, sonst hätte sie sich unmittelbar ertränkt.

Normalerweise ist sie nicht auf den Mund gefallen, in dieser Situation wusste sie sich jedoch nicht mehr zu helfen. Sie hat also erstmal ordentlich nach Luft geschnappt und auf Brust raus, Bauch rein vergessen. Zum Glück hat dadurch wohl das Hirn wieder eingesetzt und ihre Scharfzüngigkeit zurückgebracht. Zu verlieren hatte sie in dem Moment eh nix mehr. „Keine Sorge. Ich bin nur auf die Toilette, um mir den Lipgloss nachzustreichen. Das kann ich normalerweise auch im Schlaf, nur wäre ich da nicht an dir vorbeigegangen. Aber freut mich, dass es dir aufgefallen ist.“ Danach wieder Bauch rein, Brust raus und schon ist sie erhobenen Hauptes zu uns zurückgekehrt. „Wir gehen!“ meinte sie und packte eilig ihre Sachen, während sie uns davon berichtete. Wäre sie nicht so aufgeregt und wir so gute Freundinnen gewesen, wären wir vor Lachen in den See gekippt. Jetzt schreibe ich öffentlich darüber, ich weiß. Ich habe mir daher vorher natürlich die Erlaubnis eingeholt.

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Die habe ich bestimmt lediglich deshalb bekommen, weil er doch tatsächlich noch auf sie zu ist, sich vorgestellt und sogar entschuldigt hat. Er wollte sie nicht blamieren, sondern nur einen Schmäh bringen. Und: er war von ihrer offensiven Ansage so angetan, dass er sie auf ein Getränk eingeladen hat…

Ende gut, alles gut. Aber im Vorfeld keinesfalls mal die Initiative ergreifen. Lieber das Risiko eingehen, sich mit solchen Aktionen bis auf die Socken zu blamieren. Deshalb, liebe Mädels: Manchmal sollte frau die hart erkämpfte Emanzipation auch ausleben!

Zurück zu den Girls vor mir: da hat sich in der Zwischenzeit nix getan. Sie geht glücklicherweise auch nicht so oft aufs Klo wie Hanna.

Es scheint allerdings, dass er einen neuen Rettungsschwimmer-Anlauf versucht. Sie geht nämlich gerade alleine ins Wasser. Ich bin gespannt!

Und wenn wir schon von Wasser reden: dorthin begebe ich mich jetzt auch. Der Rettungsschwimmer ist offenbar in Begleitung seines älteren Bruders. Dieser Businessbeach gefällt mir!

Von Wouk

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