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Happy Trainee features keine weißen Unterhosen

Ein Happy Trainee arbeitet nicht nur – nein, er lässt es auch ordentlich krachen. Ob in weiß oder bunt ist ihm da auch egal.

Spritzer

Freitag Nachmittag knistert die Luft, der Chef lässt eine Runde springen, das sozialdienliche Level eines Co-Working-Spaces am Strand klettert streng monoton steigend in ungeahnte Höhen und die besten Events des Weekends stehen zur Diskussion. Meine Pläne sind aber schon fix: Ich geh dorthin, wo die Haute Volée tanzt, Geld keine Rolex spielt und es allen eh nur einen Huster lacostet. (Nein, ich bin leider nicht so eloquent wie ich mich gerade fühle, das ist nur ein Zitat von Rainhard Fendrich). Mein Opfer heißt White Nights und es hat keine Chance zu entkommen. Obwohl der Süden meine zweite Heimat sein könnte, war ich noch nie eine von denen, die donnerstags panisch die Läden plündern, um freitags blendend weiß fett planschen gehen zu können. Aber heuer ist alles anders. Gott sei Dank habe ich noch einen kessen Fetzen erwischt für meine Feldstudie im Süden, inmitten der Partymeute.

Die rauschende Partyrunde trinkt den einen oder anderen Spritzer, nimmt den Zug nach Velden, steigt aus, verlässt den Bahnhof, schwärmt in alle Himmelsrichtungen aus. Wenn überhaupt, dann findet man sich erst Stunden später wieder. Ich war auf der Suche nach der Pointe des Abends und habe mich gleich ins Getümmel geschmissen. Ein bisschen plaudern wollte ich mit dem feiernden Volk, also bin ich durchspaziert durch die herausgeputzte Meute – hatte allerdings wirklich Mühe originelle Antworten zu finden. Zugegebenermaßen haben meine Fragen auch nicht mehr ganz so viel hergegeben. Das einzig Sinnvolle, das ich anhand meiner Voiceaufnahmen und Fotos am Handy im Nachhinein rekonstruieren konnte, war eine Statistik über das, was normalerweise unter der weißen Oberfläche bleibt: die Unterhosen.

Die Frage „Welche Farbe hat eure Unterwäsche?“ hat es mir offensichtlich sehr angetan. Ich weiß jetzt, dass sich unter weißer Kleidung nicht zwingend – also eigentlich kaum – biedere Oma/Opawäsche versteckt. Das weibliche weiße Volk tendiert zu 90 Prozent zu rosaroten, beigen oder cremefarbenen Unterhosen, den BH lassen viele Südländerinnen gleich ganz weg. Naturally nude finden sie besser als irgendwas Hautfarbenes, das in der Hitze des Gefechts des Abends eh nur zu viel Stoff ist. Die Herren der Schöpfung sind bei der Wahl ihrer Unterwäsche schon kreativer: Da sind von lila über dunkelgrün, klein und groß kariert, buntem Bund, dem Zustand entsprechender Farbe (blau), grau oder vor allem schwarz wirklich alle düsteren Farben drin. Wieso weiß ich nicht. Vielleicht haben sie einfach alle dunkle Seelen.

Abende wie diese kommen erst durch ihre Rekonstruktion zur vollen Entfaltung. Also werden am Tag nach dem fröhlichen Fest alle Schäfchen im Strandbad zusammengetrommelt, der verlorene Schlaf in der Sonne nachgeholt und allfällige Erinnerungslücken durch kollegiale Hilfe geschlossen. Die skurrilsten Schicksale finden ihren Weg ans Licht: Irgendwer bleibt im Zug sitzen, fährt bis Villach und wandert über die Felder zu Fuß nach Hause. Irgendwer übernachtet in Velden in einem fremden Auto. Irgendwer schlingert mit dem Rad heim. Und irgendwer hat ziemlich viele Leute gefragt, welche Farbe ihre Unterhosen haben. Wer macht denn sowas?

Mit unsrer Restfettn kann man jedes Fest retten. Ohne Schmäh. So gesehen waren wir voll erfolgreich. Aber das Wochenende ist jetzt vorbei und die Arbeitswoche beginnt, auch für mich. Am BUSINESSBEACH gibt’s für mich weiterhin den besten Arbeitsplatz im Süden, keine weiße Unterwäsche, dafür aber Bikinis und Badehosen. Find‘ ich eh viel besser.

Übrigens: Mein samstäglicher Aufriss? Ein fescher Sonnenbrand. Aber bitte nicht meiner Mama sagen, ich war sonst eh total brav!

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