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Im Haus der Künstlerischen Begegnung

Das Haus der Künstlerischen Begegnung in Villach. Es gibt diese indifferenten Orte, an denen die Zeit irgendwie still zu stehen scheint, nein – sie sind ja, wie wir alle, Veränderung unterworfen – eher Orte, die eine eigene Zeitachse haben, irgendwie langsamer und da, wo du reingegangen bist, bleibst du nicht, eine Zwischenwelt sozusagen…

Wir schwingen uns auf die Räder, Umweltbewusstsein Ahoi! Und außerdem ist es ja wirklich nur ein Katzensprung, oder eben wie in meinem Fall ein Lungenkollaps, bis zum Ziel. Wir, die artigundhuber Kulturagentur, also die Birgit Kronig und die Daniela Lindhuber oder für euch kurz: die IMSÜDEN.villach-Redaktion, wir haben läuten hören, dass sich „do oben“ heute alles versammelt und als Kulturarbeiterinnen folgen wir natürlich dem Ruf der Künstler_innen.

Der Eingang zum Haus der Künstlerischen Begegnung findet sich in St. Martin in Villach. Wo das ist, hab ich mich vor sechs oder sieben Jahren, als ich den Proberaum der neuebuehnevillach gesucht habe, auch gefragt. Findet St. Martin, findet die Kirche, traut euch da einfach hoch zu fahren und gegenüber, oder eben daneben, ist ein altes Haus mit einem völlig verwaldeten Garten davor und einem dunklen Holzportal, durch das man den Wind rauschen hört, und riechen, riechen tut man nicht nur die zahlreichen Wildblumen, sondern auch kühle Kellerluft, die durch den Türspalt zieht.

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Heute, Jahre später, ist da kein Urwald mehr, der Rasen ist gemäht, es duftet nach Heu und das Portal steht weit offen, denn die neuen Künstler_innen des Hauses laden zum Eröffnungsfest: Das Rattern des Bierkühlers dringt durch den Durchgang, Stimmen, alte und junge, und dieser Duft nach frischer Farbe überall. Wir betreten den Innenhof, eine uralte Linde, Girlanden, wuseliges Volk, der Duft von selbst gebackenem Brot, und Kinderlachen. Und da ist sie weg, die Vorstellung einer Außenwelt – vor meinem inneren Auge verschieben sich die Zeitachsen, ich drifte in meine eigene Vergangenheit mit diesem Haus. Während wir uns durch die Ateliers von Larissa Tomassetti, Gernot Fischer-Kondratovitch und Lisa Huber treiben lassen, sehe ich die Geister der Vergangenheit, die sich offenbar auch zum Fest gerichtet haben, sehe das GOTO Atelier mit diesem unverkennbar beißenden Geruch nach ätzenden Flüssigkeiten, höre die Schüler_innen des Schauspiellehrgangs am Konse, wie sie die Musikeinlagen des „Sommernachtstraums“ proben, hoch und tief gurrend ihre Stimmübungen wiederholen.

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„Damals, als es noch das Café Corso in Villach gab, da hab ich den Stutz im Café sitzen g‘sehen und er hat mich rüber g’wunken …“ Mein Damals verblasst, als jenes einer anderen an mein Ohr dringt: „…und dann simma gemeinsam in sein Atelier g’angen und dort hamma was getrunken und seine neuen Werke ang’schaut! Und plötzlich hat’s begonnen zu regnen, wie aus Kübeln, ganz schwarz is‘ draußen worden – da sagt er: >Such da eins aus!< Das hat er generell gern gemacht, seine Bilder herg’schenkt. Aber wir waren ja auch a gute Gruppe – na ja, und ich, ich kann so was ja nit! Hab ich mir halt das kleinste ausg’sucht, des war lila, also ganz untypisch für ihn…“ Ich pirsche mich näher an die kleine Gruppe Junggebliebener heran – wohlwissend, dass ich da eine Anekdote abstauben kann – ohne Ahnung, wer „da Stutz“ war oder ist. „…dann nimmt er mir das Bild aus der Hand und legt’s zur Seite, geht zur Wand und hängt das größte Bild in seinem Atelier ab. Ein wunderschönes, ganz in schwarz, toll hat das ausg‘schaut und beeindruckend. >Werst des nehmen, wennst durch’n Regen ham gehst! Sonst wirst ja nass bis auf die Knochen!< …“

Vor meinen Augen erscheint ein Handy, ich bin wieder im Haus der künstlerischen Begegnung. Der Sturm hat sich gelegt, denke ich, bis ich dann das Bild auf der Fotografie am Handy erkenne: „Ein Bischoffshausen“, brüllt’s in mir, „als Regenschirm!“
„Heute hängt das Bild noch bei uns!“ Wie’s den Regen überlebt hat, frag ich mich. Doch zu überleben, das hat die Kunst so an sich.

altkuenstler

Hans Bischoffshausen war übrigens der erste Künstler im Haus, angefangen hat alles 1972, also eigentlich schon davor, da war es eine Schule, und davor ein Mesnerhaus, aber so richtig begonnen hat’s, als die ehemalige Studiobühne (heute: neuebuehnevillach) aus allen Nähten zu platzen drohte. Umbau, Namensgebung durch’n Stutz: „Haus der künstlerischen Begegung“ sollte es heißen und schon ging’s weiter im fröhlichen Künstlerreigen – Größen wie Cornelius Kolig, H. P. Maya oder Hans Piccottini gaben sich die Atelierklinke in die Hand. (Ausstellung zum Thema in der Galerie Freihausgasse noch bis 6. September)

Die neuebuehnevillach zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, mittlerweile bereichert das Offtheater a.c.m.e,- und der angeheiratete Damensalon die Theaterseele des Hauses – die Jungen sind jetzt da, sehen das Haus der Künstlerischen Begegnung als genau das, als Ort der Begegnung. Ob man einfach vorbeischauen kann? Na, man kann’s zumindest versuchen! Vielleicht führen ja „die Neuen“ die Tradition „der Alten“ weiter und veranstalten hin und wieder einen Jour Fixe – das würde dem Haus sicher auch gut gefallen!

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Bis heute ist das Haus der künstlerischen Begegnung ein Ort für den Exzess und die Abgeschiedenheit und das bisweilen gleichzeitig. Ein Haus, in dem Kunst passiert, weil seine „Bewohner_innen“ nicht nur können, sondern auch müssen, und für jedes Müssen muss es eben auch einen Raum geben.

Pix: artigundhuber Kulturagentur