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„Hier heroben kann es ja schon ganz schön sein!“

Im und um das Wellnesshotel Hochschober auf der Turracher Höhe, zwischen Kärnten und der Steiermark, treffen Orient und Okzident auf die Alpenwelt und wir die „Hochschoberin“ Karin Leeb zum Interview. Weil wir wissen wollen, wie man ein Top-Hotel von den Eltern übernimmt und das dann noch erfolgreicher macht, aber vor allem weil‘s dort oben einfach unwirklich schön ist. Kommt doch einfach mit.

Pfff, schnauf, hust, keuch, 1763 Höhenmeter sind kein Pappenstiel, aber jetzt sind wir ja fast da. Der morgendliche Herbstnebel lichtet sich schnell vor unseren flimmernden Augen und uns liegt der glasklare Turracher-See zu Füßen. An seinen Ufern dichter, sattgrüner Nadelwald, ein chinesischer Tempel, ein Hotel, ein Schwimmbad und… Moment, EIN CHINESISCHER TEMPEL? AUF DER TURRACH? Ja, spinnen wir?

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Nein, kein Witz! Die Hoteliers-Familie Leeb führt „den Hochschober“ seit 85 Jahren und hat eine beheiztes Schwimmbad in den Bergsee gebaut, dazu eine Sauna mit Seeblick, ein orientalisches Hamam und eben einen fernöstlichen „Chinaturm“. Von den individuell und unglaublich gemütlich eingerichteten Zimmern wollen wir jetzt gar nicht zu schwärmen beginnen. Stattdessen setzen wir uns mit der Hotelchefin Karin Leeb ins „Wortreich“ – eine handverlesene Bibliothek für die Gäste dieses etwas anderen Hotels und plaudern mit ihr darüber wie sie Hotelchefin wurde und es noch immer ist.

IMSÜDEN.AT: Hallo, wieso holst du lieber Orient und Okzident in den Süden anstatt selber auszuwandern? Anders gefragt: Warum bist du noch hier am Berg?
Karin Leeb: Lustige Frage, weil ich eigentlich noch gar nicht so lange wieder hier am Berg bin. Meine erste Zeit war ich zwar natürlich hier im Süden bei meinen Eltern am Hochschober, aber dann war ich am Traunsee in einem  sehr strengen Mädcheninternat, das mich auch sehr geprägt hat. Nach einem kurzen Ausflug auf die Uni – das war gar nicht meins – hab ich dann das Kolleg auf der Tourismusfachschule in Villacht gemacht und mir dann auf Wanderschaft meine Sporen verdient und mich noch weiter ausgebildet.

IS: Wie es sich für eine Hotelerbin eben gehört.
Karin Leeb: (lacht) Nein, ich war hier gar nicht für die Übernahme vorgesehen. Das war immer mein Bruder Ralf. Von Kindesbeinen an war klar, der Ralf übernimmt den Hochschober. Nur lustigerweise sind wir später draufgekommen, der Ralf wurde eigentlich gar nie gefragt, ob er das machen will und hat aber auch nie „Nein“ gesagt.

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IS: Also warst du gar nicht als Thronfolgerin vorgesehen?
Karin Leeb: Nein, überhaupt nicht. Die sogenannten „Prinzenrolle“ hatte immer mein Bruder. Wir sind ja vier Geschwister. Drei Brüder und die Karin (lacht). Für mich war es aber sicher ein Vorteil, dass ich eigentlich nicht als Übernehmerin vorgesehen war und so einen viel freieren Blick auf das Unternehmen hatte.

IS: Aha, eher eine Quereinsteigern. Kann man Hotellerie und Gastgewerbe so überhaupt lernen?
Karin Leeb: Meistens sind sogar die Besten als Quereinsteiger gekommen. Denn wenn man nicht immer in der Branche ist und alles  neu lernen muss, dann ist man eben neugieriger und geht mehr auf die  Menschen zu. Die sogenannte „Bestecksprache“ oder die „Weinsprache“ kann man ja schnell lernen. Learning by Doing funktioniert also ganz gut.

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IS: Aber wie ist dir dann der Hochschober tatsächlich passiert? Eine feindliche Übernahme? Den Bruder ausgestochen? Erzähl uns alles schmutzigen Details!
Karin Leeb: (lacht) Ihr habt‘s vielleicht Vorstellungen. Aber natürlich war es ein großer Schock für meine Eltern als meine Bruder gesagt hat, dass er das nicht machen wolle. Das war sicher keine leichte Zeit in der Firmengeschichte, und natürlich auch nicht in der Familiengeschichte. Ich hatte mir in der Zwischenzeit meine Sporen in einem Stadthotel in München verdient, ganz ohne Leeb-Bonus, oder eben -Malus.

IS: Leeb-Bonus oder -Malus?
Karin Leeb: Naja, wenn man im eigenen Betrieb der Nachfolger ist, dann hat man es nicht leicht. Eigentlich kann man nur alles falsch machen. Wenn du die Leute machen lässt und dich ein wenig raus hältst, dann bist du gleich der faule Junior-Chef und wenn du zu viel tust und machst, dann hat auch keiner eine Freud mit dir. Sicher schwierig. War aber zum Glück nie mein Problem.

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IS: Denn du warst ja in München…
Karin Leeb: Ja. Mein erster Mann war in der IT-Branche in Düsseldorf, das war aber nix für mich, also sind wir dann in München zusammengezogen. Das war noch vor der EU und da musste ich mir als Österreicherin natürlich eine Aufenthaltsgenehmigung holen. Kann man sich heute ja kaum noch vorstellen. Jedenfalls war ich dort zwei Jahre lang bei der Österreichwerbung tätig. Insgesamt war ich 10 Jahre in München, zum Schluss eben in dem bereits angesprochenen Hotel.

IS: Gut. Von der Großstadt dann auf den Berg, oder?
Karin Leeb:  Genau, zurück auf den Berg. Ich hab in München meinen jetzigen Mann kennengelernt, der damals im Gesundheits- und Wellnessbereich selbstständig tätig war, mitten im Wellnessboom. Das hat meinen Eltern natürlich gut gepasst (lacht). Jedenfalls haben sie dann die Braut, also den Hochschober, sagen wir mal extra schön gemacht, uns sehr zuvorkommend behandelt und so weiter. Irgendwann sind mein Mann und ich dann drauf gekommen: Ja, eigentlich könnten wir das doch machen!

IS: Also eine freiwillige Meldung!
Karin Leeb: Sozusagen. Wir haben uns mit meinen Eltern an einen Tisch gesetzt und wollten einfach mal in Ruhe darüber reden, mal was andenken, aber meine Eltern haben uns dann ziemlich festgehalten. Am Ende des Gesprächs gab es schon einen sehr straffen und konkreten Übergabeplan. Sieben biblische Jahre hat das dann gedauert (lacht).

IS: Na, wer wird denn da gleich biblisch werden? So schlimm wird‘s doch nicht gewesen sein oder?
Karin Leeb: Naja, einfach ist so etwas wohl nie. Die Erste Zeit war pure Euphorie von den Eltern und von uns. Wir hatten eine Perspektive und die Eltern jemanden, der den Hochschober übernimmt. Da war dann viel zu tun und es war eine so schöne Zeit. So schön, dass die fast schon zu lange gedauert hat. Die ersten Jahre waren wir in der zweiten Reihe, dann ging es in  die Konfrontation und dann wurde mein Vater leider krank. Da war sicher ein Loch für ihn da. Aber wir haben uns in der Übernahmephase auch von einem Wirtschaftspsychologen begleiten lassen, neben dem Notar und dem Steuerberater.

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IS: Führt ihr das Unternehmen jetzt anders als deine Eltern?
Karin Leeb: Sicher, aber auch sicher nicht. Ein gutes Beispiel ist der  Begriff „Nachhaltig“, den wir sehr hoch halten und der mir  zum ersten mal beim Thema CSR (Corporate Social Responsibility) begegnet ist. Natürlich ein Modebegriff. Als das aufgekommen ist, hab ich natürlich geschaut, was ist das schon wieder Neues und was macht das? Bis mir es dann jemand erklärt hat, und ich drauf gekommen bin, dass ist etwas, was wir hier immer schon gemacht haben. Meine Eltern waren schon immer sehr sozial, auch mit den Mitarbeitern und haben ihr öffentliches Umfeld sehr bewusst beeinflusst, egal ob Trachentenkapelle, Feuerwehr, Sponsoring von Dingen für die Schule und so weiter. Ohne Umweltgedanken gibt es hier oben für uns sowieso keine Zukunft, insofern war das hier schon gelebt bevor man dem das Etikett Nachhaltigkeit, oder CSR, oder was auch immer umgehängt hat.

IS: Die Nachfolger sind also auch nicht nachhaltiger?
Karin Leeb: Nein, weil es die Vorgänger doch schon längst waren. Wir thematisieren das jetzt nur bewusst und machen das auch aktiv zum Thema in Prospekten usw., und nicht nur auf Nachfrage. Das ist neu. Wir haben uns auch persönlich auf der Plattform „Verantwortung zeigen“ engagiert. Beispielsweise habe ich eine Woche lang ein Praktikum im SOS-Kinderdorf gemacht, oder unser Direktor, Herr Tschuschnig war bei der Diakonie, mein Mann war bei der Unstetenbetreuung in Klagenfurt. Wir gehen also heraus aus unsrem vertrauten Umfeld und lernen von sozialen Einrichtungen.

IS: Ist das auch eine Art Urlaub vom ständigen Urlaubsgeschäft?
Karin Leeb: Natürlich, der Hochschober ist ja auch unser privates Umfeld, unser Zuhause. Aber natürlich sind wir hier auch in einer Rolle, eben in der Gastgeberrolle. Da sind wir zwar wir selbst, aber natürlich nicht in letzter Konsequenz. Uns will ja hier auch keiner wirklich privat sehen, im angepazten Jogger, oder völlig aufgelöst nach einem Streit (lacht). Daher war es auch für uns ein großes Learning aus den letzten Jahren, dass wir uns jetzt in Seeboden ein zweites Zuhause geschaffen haben. Ein privates Zuhause wenn man so will.

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IS: Wie ist das mit den Mitarbeitern, wie lockt ihr die hier auf den Berg?
Karin Leeb: Wir finden genauso schwer Mitarbeiter wie alle anderen in unserer Branche, weil wir mit dem Image dieser Arbeit zu kämpfen haben. Zum Glück haben wir aber auch das Hochschober-Image, das ein sehr gutes ist und kriegen so noch gute Lehrlinge und Mitarbeiter. Dafür ist die Höhe natürlich ein Malus. Weite Wege, keine Ausgeh- und Einkaufsmöglichkeiten. Wir versuchen den Mitarbeitern daher auch sehr viel in der Weiterbildung und Ausbildung und auch vor Ort zu bieten. Und man darf ja nicht vergessen: Hier heroben kann es ja schon ganz schön sein (lacht).

IS: Wie haben sich die jungen Leute, die du einstellst, verändert?
Karin Leeb: Ach die Jugend. Bis vor zehn Jahren hab ich mich da selber noch dazu gezählt.

IS: Wir auch.
Karin Leeb: Na bitte, dabei seid‘s ihr ja noch jung.

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IS: Na bitte, jetzt nit schleimen anfangen, wir sind älter als wir ausschaun und zum Glück nicht so kindisch wie wir uns benehmen (lacht). Im Ernst, wie ist die Jugend von Heute?
Karin Leeb: Mhm… Schwer zu sagen, vielleicht sind sie materieller? Die wollen einfach Geld haben für‘s neue Smart Phone. Ist ja auch legitim. Sie sind sicher auch selbstbewusster, als wir damals. Das man mitredet und zurück redet und immer mehr weiß als der Vorgesetzte, das ist alles neu. Wir haben jetzt Führungskräfte um die 40 und haben mit 15- bis 20-Jährigen zu tun, deren Werte ganz andere sind. Und da müssma natürlich immer wieder lernen, denn die Jungen sitzen ja am längeren Ast. Ohne die Jugend geht in der Zukunft natürlich nix (lacht).

IS: Gutes Stichwort: Wie ist die Zukunft des Hochschober?
Karin Leeb: Na rosig natürlich (lacht). Nein, die Reise geht ganz klar in Richtung laufender Qualitätsverbesserung. Wir wollen nicht unbedingt wachsen. Jetzt haben wir 110 Zimmer, 120 oder 125 sind dann auch ok, aber im Rahmen der bestehen Ist-Situation wollen wir immer besser werden. Es ist ja schon eine große Herausforderung das Niveau an Preisen, an Qualität usw. zu halten während sich rundherum alles verändert: Die Kostenstruktur, die Bankenlandschaft, die Geldgeber, es wird auch nicht leichter werden Mitarbeiter zu finden. Ich sehe also unsere größte Aufgabe darin, unsere heutige Qualität zu halten und immer besser zu werden, wo es halt geht.

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IS: Wohin entwickelt sich der Tourismus als Ganzes?
Karin Leeb: Naja, Skifahren wird leider zum Luxussport. In den USA noch ärger als bei uns zum Beispiel. Das führt hin zu einer Spezialisierung der Skigebiete, eine für die Reichen, eines für die ganz Reichen, eines für die Boarder, eines für die Tourengeher usw.. Die Turrach ist sicherlich ganz klar als Familienskigebiet positioniert und nicht als Edelskigebiet. Was der Hochschober schon jahrelang lebt sind die Alternativen zum Skisport. Weil wir haben zwar sicher 60% Skifahrer als Gäste, aber es kommen auch viele Nichtschifahrer, die im Winter wandern, die Wellness machen, im Liegestuhl liegen und Schneeschuhwandern gehen. Alles viel günstiger als der Alpinskisport.

IS: Also wird der Hochschober bestehen?
Karin Leeb: Na auf jeden Fall! Es wird auch spannend, da wir auch die  Zukunft der Turracherhöhe mitgestalten werden. Weil wir hier auch viele Immobilien besitzen, die teilweise brach liegen. In 15 Jahren haben wir hundertjähriges Jubiläum, da wünschen wir uns, dass wir wissen wie es weitergeht, werden es unsere Kinder übernehmen, eine Nichte, ein Neffe? Das würden wir dann gern wissen, aber die nächsten zehn Jahre wollen wir schon unbedingt noch Gas geben (lacht).

IS: Da wünschen wir euch viel Erfolg. Danke für das Interview und bitte zeig uns noch schnell den Weg ins Hamam, für den Abstieg fühlen wir uns noch nicht fit genug, so eine „Pasha-Waschung“ wäre jetzt genau das Richtige.

pix: Daniel Pipal & HOCHSCHOBER

Von Wouk