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"Ich hab schon die ein oder andere SCHNAPSIDEE."

Cocktail World Champion Mario Hofferer ist auf der ganzen Welt unterwegs und schenkt den Reichen und Schönen gekonnt, exquisit und vielfach ausgezeichnet, ein. Seine köstlichen Cocktails können wir euch hier leider nicht servieren, dafür aber zumindest ein Interview indem er erklärt wo, warum und wie er die Dinger mixt. Ist doch auch schon was!

Der Klagenfurter Cocktail World Champion 2010, dreifache österreichische Staatsmeister, Leader of the Year & Barman of the Year 2012 und World Finalist der Legacy Weltmeisterschaft in Puerto Rico 2013, ist einer der erfolgreichsten Bartender weltweit und aus der internationalen Barszene kaum bis gar nicht mehr wegzudenken. Mario Hofferer und sein Team beherrschen mit dem „MH Cocktail World Champion Entertainment“ das High-End Segment des internationalen Cocktail Bar Caterings mit Bravur. Wenn der Weltmeister mit seinem Team auftritt, werden nicht nur Cocktails zubereitet, sondern buchstäblich Erlebnisse. Ausgefallene Zubereitungsmethoden, hochwertige Ingredienzien sowie edles Equipment stehen bei ihm auf der Tagesordnung. Hinter der Bar, herrscht geschäftiges Treiben, flinke Hände die mixen, shaken und abschmecken. Dazu Loungemusik. Es riecht nach Rosmarin, nach Lavendel und nach karamelisierten Früchten. Nein, doch nach Zimt und kubanischer Zigarrenrauch. Stopp, vielleicht ist es doch eher Mandelgeruch und der Duft von frischen Melonen? Als ehemaligem Koch fällt es Mario Hofferer natürlich sehr leicht, Küche und Bar erfrischend zu kombinieren, „Liquid Kitchen“ nennt er das. Die Pflanzen aus Omas Kräutergarten und die exotische Ingredienzien werden selbst hergestellt und mit eigens angesetzten Spirituosenkombinationen verknüpft. Ein paar seltene Früchte, fein gemahlener Zuckerrohr, ein zwei Tinkturen und noch ein wenig Zigarrenblattrauch – et voila –  schon hat man eine eigens kreierte Mario Hofferer-Geschmacksexplosion vor sich am Tresen! Na dann: Prost und…

IMSÜDEN.AT: Hallo Mario, schön braun bist du, woher kommst du gerade?
Mario Hofferer: Gerade, extra für die GAST, aus meiner Homebase in Marbella, aber ursprünglich direkt hier aus Klagenfurt City, aus Waidmansdorf um genau zu sein. Ursulinenschule, Bachmann-Gymnasium usw.

IS: Und dann direkt von der Schulbank hinter die Bar, oder wie?
MH: (lacht) So ähnlich. Meine Familie hat mir freigestellt welche Ausbildung ich machen will. Die einzige Bedingung war: „Was angefangen wird, wird fertig gemacht.“ Zuerst wollt ich auf die Tourismusfachschule nach Villach aber die ist ja, auch wegen dem Internat, recht teuer und daher hab ich aus finanziellen Gründen lieber eine Koch & Restaurantfachmann Lehre im Parkhotel Pörtschach gemacht. Das war damals immerhin das „Leading Hotel“ am See, unter sehr strenger Führung. Da wurde noch nach der „alten Schule“ unterrichtet. Mein Jahrgang von damals aus Pörtschach hat einige tolle Karrieren hervorgebracht! Da ich bereits als Lehrling zahlreiche Auszeichnungen eingeheimst hatte, konnte ich die Lehre etwas früher beenden und kam sofort bei der Hotelkette InterContinental in einem Traineeprogramm unter. Nach dieser kurzen aber intensiven Station war ich hungrig nach mehr und wollte auch wieder in die Heimat kommen.

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IS: Da hast du sicher gleich einen Job bekommen…
MH: Im Gegenteil, ich hatte keine Chance in Kärnten. Rund um den See wollte mich keiner einstellen, da damals nirgends an die Jugend und einen anderen Weg geglaubt wurde. Also hab ich mich selbstständig gemacht. Ein Jahr später fuhr ich auch schon zum Weltfinale der Barkeeper nach Saint Vicente. In den darauf folgenden Monaten und Jahren konnte ich viele Siege für Österreich bei tollen internationalen Turnieren eringen, wobei mich der Vergleich mit den besten der Welt unglaublich angespornt hat. Ich war einer der jüngsten im Bar-Zirkus, was eine tolle Herausforderung für mich war. Ich konnte von den Top Stars der Szene unglaublich viel lernen und viele Kontakte knüpfen.

IS: Und wovon hast du damals gelebt?
MH: Ich hatte als junger Selbstständiger viele schwierige Zeiten durchzumachen. Doppelte und dreifache Schichten um Löhne zu sparen standen sehr oft an der Tagesordnung. Ich hatte viele Reisekosten zu den Turnieren und die Sponsorengelder reichten logischerweise vorne und hinten nicht aus. Im Grunde genommen war ich aber glücklich, die Chance zu haben, mich selbst zu verwirklichen. Ein enges, lustiges Leben, wie es junge Menschen eben haben. Ich denke sehr gerne an diese Zeiten zurück, um auch in guten Zeiten immer am Boden der Realität zu bleiben. Dann ging‘s schon los mit den Lokalitäten in Klagenfurt. Ursprünglich war ich mit meiner Cateringfirma viel unterwegs, vor allem im Sommer und hab ich so das Beste in Kärnten versäumt. Daher hab ich mir gedacht, ich konzipiere ein neues Club-Konzept für Klagenfurt und kann somit wieder mehr Zeit in der Heimat verbringen. Und das war dann das Lè Passage, dann kam der Custo Club, das Café am Platz und nebenher noch die Cateringschiene.

IS: Praktisch ein eigenes Imperium…
MH: Naja, eigentlich einfach viel Arbeit. SELBST arbeiten & STÄNDIG da sein. Ich habe in meiner Jugend sehr viel versäumt, da ich mich eher auf meine beruflichen Ziele konzentriert habe. Mit 14 ging ich schon nach Ischgl auf Saison, wodurch der Freundeskreis auch immer kleiner wurde. Durch die folgenden internationalen Auftritte und Auszeichnungen, haben sich dann aber Türen aufgetan und  Chancen ergeben, die ich genützt habe. Auf einmal hatte ich die Chance auf eine TV-Sendung in Italien und die königliche Familie an der Bar in Hong Kong. Es ging hier Schlag auf Schlag und wir konnten mit Qualität & Service überzeugen. Somit sind wir seit heuer fix in Marbella an der Costa del Sol und haben dort unsere Logistikdrehscheibe und das Catering-Headquater aufgezogen. Wenn ich WIR sage, meine ich meine unglaubliche Crew und mich. Wenn jemand etwas geschaffen hat, dann ist dies immer eine Teamleistung.

[zilla_one_half]Mario Hofferer & Team im Schloss 2014-03-27[/zilla_one_half] [zilla_one_half_last]Mario Hofferer & Team im Schloss 2014-03-27[/zilla_one_half_last] [zilla_one_half]Mario Hofferer & Team im Schloss 2014-03-27[/zilla_one_half][zilla_one_half_last]Mario Hofferer & Team im Schloss 2014-03-27[/zilla_one_half_last]

IS: Marbella? Oje, das klingt ja nach einem überaus schrecklichen Arbeitsplatz… *grml*
MH: (lacht) Ja, ist wirklich kaum zum Aushalten dort. 300 Sonnentage im Jahr, 15 Grad im Winter und immer diese milde Meeresbrise im Gesicht (lacht). Aber wir sind nicht wegen des tollen Klimas dort. Marbella ist für mich sowas wie der Hotspot der High Society und wir haben da viele Bookings, schließlich haben dort ja die Prominenten und Adeligen der ganzen Welt ihre Villen. Unter anderem Barack Obama, Flavio Briatore, Kate Moss, Sergio Ramos und sogar ein saudischer Prinz. Es gibt hier viele tolle Events, da haben wir genug zu tun. Mitunter ist die Entscheidung letztendlich auch auf Spanien gefallen, wegen einem meiner längsten Wegbegleiter und besten Freunde Momo Khani. Er leitet hier den besten Beach Club der Welt, den Ocean Club Marbella, mit 140 Mitarbeitern. Seine unglaublich lauten Persischen Lachanfälle sind mir sehr abgegangen (lacht)!

IS: Du hast eine sehr professionelle Bar Crew. Woher hast du deine Mitarbeiter?
MH: Wir scouten direkt in den Schulen, derzeit kommen zum Beispiel viele aus der Klagenfurter WiMo. Ich bin immer auf der Suche nach heimischen Rohdiamanten, nach unverbrauchten Enthusiasten, die „fertigen“ Kellner mit ihren „Kellnerschmähs“ passen nicht in unser Mitarbeiter-Profil. Das Team muss auch als Kollektiv funktionieren. Ich wähle sehr genau aus, aber wer drin ist, kommt gleich mal auf tolle Events, wie unser derzeitiger Nachwuchs, nach Monaco zum Grand Prix, damit sie von Anfang an sehen, wohin es gehen kann. Dann kommt natürlich noch die Ausbildung, er fängt schon ganz unten an, aber er oder sie hat alle Aufstiegsmöglichkeiten und wird täglich gefordert und forciert. Das ist unser Konzept, gut selektiert, sehr talentiert und leistungsorientiert. Das funktioniert (lacht). Ich habe immer geschaut, dass es meinen „Mitunternehmern“ gut geht und sie gesund mit dem Betrieb mitwachsen. Nun stehen sie wie eine Mauer hinter dem Betrieb, da sie sehen, was sie geschaffen haben. Nur gemeinsam können wir so wunderbare Produktionen, für die wir bekannt sind, verwirklichen.

 Mario Hofferer im 151er 2013-01-29  Mario Hofferer im 151er 2013-01-29

IS: Du operierst ja eigentlich in einem sehr sehr speziellen Umfeld, der Markt in Österreich wird ja nicht der größte sein?
MH: In Österreich war der Markt, vor allem der Catering-Markt, schon vor einigen Jahren übersättigt, deshalb haben wir uns auch internationaler positioniert. Wir konnten ja auch, dank unserer vielen Titel im weltweiten Wettbewerb, leichter Fuß fassen. Auch die Qualität des gesamten Bar-Teams ist hier ein unglaublich wichtiger Faktor geworden. Wir stellen aktuell mit Stephanie Sieber die amtierende Vize-Weltmeisterin und konnten in den letzten fünf Jahren gleich viermal den Staatsmeistertitel nach Kärnten holen.  Wir haben aber auch schon früh auf High-End im Catering Bereich gesetzt. Bei uns tragen die Mixologen maßgeschneiderte Anzüge, haben Barwerkzeug aus Gold und verwenden die frischesten Zutaten vom Markt oder aus dem Garten. Auch stellen wir teilweise unsere Sirups, Eiswürfel (22 Sorten) und veredelte Spirituosen selbst her.

IS: Wir merken schon, da kommst du ja richtig ins schwärmen. Wie entstehen eigentlich deine Cocktail-Kreationen?
MH: Naja, ich hab schon die ein oder andere Schnapsidee (lacht). Wir haben da ein kleines Labor, eine Rüstküche sozusagen. Da entstehen die meisten dieser Ideen. Da ist natürlich auch viel Tüftelei dabei. Aber das macht ja auch Spaß. Ich arbeite teilweise auch mit Sterne-Köchen zusammen, wir tauschen uns aus. Oft denke ich stundenlang über einen Drink nach und es kommt nichts raus – dann wiederum habe ich mitten in der Nacht eine Blitzidee. Etliche Kreationen benötigen viel Zeit. Aber das macht am Ende eben auch den Unterschied aus.

IS: Gibt es momentan bestimmte Cocktail-Trends oder Innovationen?
MH: Ständig. Wir verbinden zum Beispiel momentan das Kochen mit dem Mixen und nennen das schlicht und einfach „Liquid Kitchen“. Wir erhitzen Zigarrenblätter mit Cognac im Backrohr, flambieren Piña Coladas usw. Derzeit arbeite ich mit der Crew aber auch an einem fliegenden Cocktail, der mit einem Heliumballon beim Gast landet. Die Idee kam mir für den Lifeball, als ich den offiziellen Lifeball-Drink entworfen habe. 2013 verwirklichte ich meine eigene Gläserlinie, die ich selbst gezeichnet und entworfen habe. Die Gläser bestehen aus handverarbeitetem Bleikristall, werden mit 21 Karat Gold oder Platin verziert und mit aufwendigem und zeitlosem Tiefschliff vollendet.

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IS: Sieht so aus als würde alles was du angreifst zu Gold werden, oder halt Platin…
MH: Naja, momentan läuft‘s gut, aber das war auch schon mal anders. Ich kann mich an Zeiten erinnern, als ich am WIFI unterrichtet hab und meine Schüler sind in die Kantine Mittagessen gegangen, während ich oben im Saal gehungert hab. Ich hatte die fünf Euro für das Mittagessen einfach nicht, weil Kunden nicht gezahlt haben. Aber in schlechten Zeiten muss man eben noch härter arbeiten, dann kommt man auch wieder auf die Beine. Das ist etwas was ich jedem raten würde: „Zieh durch was du machen willst, und gib nicht auf.“ Das mag jetzt sehr platt klingen, aber so ist es nunmal.

IS: Noch irgendwelche Plattitüden, die du der Jugend mit auf den Weg geben willst?
MH: (lacht) Ja, zum Beispiel: „Lasst das Jammern sein und findet einen Weg es besser zu machen.“ oder „Was wir zu schaffen haben, werden wir auch schaffen!“ Reicht‘s (lacht)? Nein, das ist wirklich meine Lebenseinstellung – ich will mir nicht immer Gedanken machen, was nicht geht und warum, ich will es machen und herausfinden wie. Das würde ich mir auch für den Süden wünschen, dass man nicht immer alles tot sudert. Denn ich liebe es hierher zu kommen, zu meiner Familie und zu den vielen Freunden, die ich hier habe. Man weiß ja erst zu schätzen wie schön es hier ist, wenn man viel unterwegs ist. Sogar wenn man in Marbella wohnt. (lacht).

IS: Na, das ist ja mal ein Kompliment für den Süden!

pix: Johannes Wouk, Martin Steinthaler

Von Wouk