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„Im Süden hast du einfach die Ruhe zum Produktentwickeln!“

Christofer Huber und Ernst Molden machen mit SPORTLY eine Plattform, die es Trainern und Sportlern einfacher macht sich zu finden. Wir haben sie auf der WIRTSCHAFTSMISSION nach Berlin kennengelernt und auf der Heimreise interviewt.

Weil uns die Abteilung Außenwirtschaft der Wirtschaftskammer Kärnten mit nach Berlin genommen hat, haben wir viele liebe StartUps kennengelernt. Unter anderem zwei besonders sportliche Herren aus dem Kärntner Oberland. Und weil wir auf dem Rückflug sowieso nebeneinander gesessen sind, haben wir die beiden SPORTLYs Christofer Huber und Ernst Molden doch gleich mal interviewt. Das Ganze hat sich dann etwas gezogen, weil’s im Flieger doch recht laut war. Also haben sie uns auch noch mit in ihr Büro im Lakeside Park genommen, wo ihre Mitarbeiter fleißig gewerkt haben, während die beiden Chefs den deutschen Markt ausloten waren. Aber der Reihe nach…

IMSÜDEN.AT: Also die Herren, woher kommt ihr und was treibt ihr so im Süden?

Christofer Huber: Ich komme ursprünglich aus Sachsenburg, war in der HAK in Spittal, da hab ich Ernst das erste Mal getroffen. Dann haben wir beide auf der Uni Klagenfurt BWL mit Schwerpunkt Entrepreneurship und Innovationsmanagement abgeschlossen und daneben Infomanagement studiert…

Ernst Molden: …da arbeiten wir noch am Abschluss (lacht). Ich bin übrigens aus Spittal-City. Während dem Studium waren wir dann auch in Kolbermoor – in der Nähe von München – in einem Internet-Inkubator…

IMSÜDEN.AT: Oh, das tut uns leid. Aber jetzt seid ihr wieder gesund oder?

Ernst Molden: (lacht) Das ist was für StartUps, wo die ausprobieren können was funktioniert und was nicht. Eine Art geschützter Bereich.

Christofer Huber: Ja, und da haben wir einiges über Speed gelernt…

IMSÜDEN.AT: Stopp. Speed? Inwiefern?

Ernst Molden: Dass dort alles fünfmal so schnell geht wie hier. StartUps wachsen schneller, gehen aber natürlich auch schneller ein.

Christofer Huber: Du findest einfach schneller gut ausgebildete und engagierte Leute, um die Sache voranzutreiben.

Ernst Molden: Und der Markt ist natürlich auch gigantisch.

IMSÜDEN.AT: Das bedeutet also im Süden ist eh alles scheiße?

Ernst Molden: Genau (lacht). Nein, natürlich überhaupt nicht. Deshalb sind wir nach unserem Ausflug nach Kolbermoor ja auch wieder hierher zurück!

Christofer Huber: Ja, denn klar hast du in einer großen Stadt, wie zum Beispiel auch in Berlin, ein größeres Netzwerk und es geht alles ziemlich hurtig dahin, aber hier hast du halt auch die Ruhe zum Produktentwickeln. Auch die braucht man – und dafür sind wir hier ganz dankbar.

Ernst Molden: Genau. Außerdem geht hier in Kärnten mittlerweile StartUp-mäßig ja schon einiges ab. Nicht so wie noch vor fünf Jahren, als wir unser erstes StartUp hatten…

IMSÜDEN.AT: Wie, was? Erstes StartUp, also seid ihr ja gar keine Jungfrauen mehr sondern schon Serien-StartUpper?

Christofer Huber: Naja, gescheiterte Serien-StartUpper vielleicht (lacht). Wir hatten noch während dem Bachelor die Idee für eine recht spezielle Kunsthandelsplattform. Da waren wir aber ein viel größeres Team…

Ernst Molden: … es hat sich herausgestellt: Viel zu großes Team…

Christofer Huber: Genau. Viele Köche verderben echt den Brei. Das haben wir bei diesem Projekt gelernt.

Ernst Molden: Und dann kam unser kleines Social-Network, aus dem leider auch nix wurde. Aus dem wir aber ebenfalls viel gelernt haben.

IMSÜDEN.AT: Ihr lernt also zumindest aus euren Fehlern…

Ernst Moden: Auf jeden Fall. Ein großer Teil des StartUp-Seins besteht eben daraus aus Fehlern zu lernen, denn du machst ja alles zum ersten Mal. Da läuft zwangsweise einiges schief.

Christofer Huber: Wichtig ist es eben, aus den Rückschlägen zu lernen. Man muss vielleicht auch eher die amerikanische Kultur des Scheiterns annehmen, als unsere mitteleuropäische.

IMSÜDEN.AT: Kultur des Scheiterns? Da kennen wir uns zwar ganz gut aus, aber gehört haben wir das trotzdem noch nie…

Christofer Huber: Naja, wenn bei uns eine Idee mal nicht aufgeht, dann sehen sich viele in ihren Annahmen bestätigt, die ohnehin vorher schon wussten, dass das nix wird. In Amerika ist es fast schon umgekehrt. Da werden Investoren eher misstrauisch, wenn du noch nie richtig auf der Schnauze gelandet bist. Weil es einfach nicht der Standard ist, dass alles beim ersten Mal klappt.

Ernst Molden: Wir sind zwar bisher noch nie richtig auf der Schnauze gelandet, aber kleine Ausrutscher tun auch weh und sind wertvolle Learnings, wenn man bereit ist sie zu akzeptieren und etwas daraus mitzunehmen.

IMSÜDEN.AT: Alles klar. Und das nächste Projekt, das jetzt zum Scheitern verurteilt ist, das nennt sich SPORTLY. Was ist das und was macht das?

Christofer Huber: Zuerst mal wird es nicht scheitern (lacht).

Ernst Molden: So ist es. Denn es macht etwas sehr sinnvolles: Sportly vereinfacht die Buchung und die Bezahlung von Sportkursen und unterstützt die Trainer beim Kursmanagement und in der Kommunikation mit den Teilnehmern.

Christofer Huber: Wir nehmen den Trainern einfach viel Organisationsarbeit ab, damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können.

IMSÜDEN.AT: Wie kamt ihr auf die Idee?

Ernst Molden: Wir haben mit SPORTLY einfach zwei unserer Leidenschaften, also Webentwicklung und Sport, verbunden. Entstanden ist die Idee eigentlich, weil wir Tennis Kurse in Klagenfurt gegoogelt haben und hätten uns dann so etwas wie booking.com für Sportkurse gewünscht. Zu unserer Überraschung gab’s so etwas aber noch gar nicht.

Christofer Huber: Gleichzeitig konnte ich mich noch aus meiner Zeit als Nachwuchstrainer – so hab ich mir nämlich teilweise mein Studium finanziert – erinnern, wie nervig es war, wenn ich alle Eltern und Kinder erreichen wollte um den Kurs abzusagen oder an einen anderen Ort zu verlegen. Da musst du jedem eine SMS schreiben, wenn du überhaupt seine Nummer hast, und wenn du mehrere Kurse hast, kennst dich gar nimma aus. Da sahen wir also auch viel Potential.

Ernst Molden: Und dann haben wir das Ding mit Unterstützung unseres ehemaligen Professors Christian Koncilia entwickelt.

IMSÜDEN.AT: Jetzt kommt die Frage, vor der alle StartUps Angst haben: Wie verdient ihr damit Geld?

Christofer Huber: Mittlerweile haben wir unser Geschäftsmodell geändert und schneiden nur noch bei den Buchungen mit. Für den Trainer und die Sportler ist alles kostenlos.

IMSÜDEN.AT: Klingt, als hättet ihr schon wieder was gelernt…

Ernst Molden: (lacht) Ja, genau. Ursprünglich wollten wir es auf Abo-Basis machen, aber die jetzige Regelung ist sicherlich zukunftsweisender.

Christofer Huber: Als StartUp musst du zwar immer dein Ziel vor Augen haben, aber auf dem weg dorthin, musst du auch flexibel sein. Da ist es besser mal sein Geschäftsmodell anzupassen, als das ganze Projekt abzuschießen. Das gehört dazu und macht natürlich auch einen Teil der Faszination aus.

IMSÜDEN.AT: Das mit dem Kursbuchen haben wir ja jetzt verstanden. Aber inwiefern erleichtert SPORTLY die Kommunikation für die Trainer?

Ernst Molden: In zweifacher Weise. Einerseits ist jeder Kurs eine eigene Site im Web, also sharebar über alle sozialen Netze. Das bedeutet, man hat eigentlich eine eigene kleine Homepage für jeden Kurs, den man anbietet. Etwas, was sich die Trainer selten selbst antun oder leisten können. Umgekehrt sieht der Sportler alle seine Kurse auf einen Blick, praktisch ein virtuelles Fitnesscenter.

Christofer Huber: Ja, und der Trainer kann natürlich innerhalb vom Kurs mit allen seinen Teilnehmern kommunizieren. Ein Klick genügt und alle bekommen eine Nachricht.

IMSÜDEN.AT: Ok… das überzeugt! Gutes Ding. Wann ist es fertig?

Christofer Huber: Ist schon fertig.

Ernst Molden: Naja, nicht ganz…

Christofer Huber: Aber es funktioniert schon und jeder kann es benutzen. Ganz fertig ist so etwas ja nie. Wir arbeiten auf Hochtouren um Sachen auszubessern und das Ganze noch komfortabler für alle Seiten zu gestalten. Produktentwicklung eben.

IMSÜDEN.AT: Was sind die nächsten Schritte?

Ernst Molden: Naja, wir haben derzeit knapp 300 Trainer auf SPORTLY, aber allein in Österreich ein Marktpotential von 12.000 Einzeltrainern und Vereinen.

Christofer Huber: Parallel dazu haben wir auch Kooperationspartner im Ausbildungsbereich. Das heißt, die Trainer bekommen SPORTLY schon in der Ausbildung als nützliches Tool vorgeführt, was uns natürlich hilft. Davon suchen wir noch mehr. Und auch unsere „Supertrainerkampagne“, bei der bekannte österreichische Trainer und Sportler mitarbeiten und so unser Produkt verbessern, wollen wir noch ausweiten.

Ernst Molden: Ja, und wir wollen natürlich globaler werden. Erst winkt mal Deutschland, deshalb waren wir auch mit auf der WIRTSCHAFTSMISSION in Berlin.

IMSÜDEN.AT: Womit sich der Kreis wieder schließt. Wir wünschen euch viel Erfolg und uns, dass ihr die SPORTLY-Zentrale immer im Süden habt, auch wenn ihr die ganze Welt erobert.

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