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„Diese EIGENARTIGE Mischung aus Dezenz und Herzlichkeit“

Veranstalter Ingo Krassnitzer holt seit Jahren Österreichs Kabarettgrößen nach Kärnten. Wir haben ihn backstage, gemeinsam mit Kaberettist Alfred Dorfer getroffen und die beiden mal gefragt, warum der eine den anderen immer wieder in den Süden holt und der andere auch immer noch kommt. Die Antworten waren vielfältig, aber hauptsächlich ging es um Ölgeschäfte, Insidergschichten und darum, dass du am Ende doch immer dein Ich bist, oder so ähnlich…

Die Vorstellung geht gleich über die Bühne, aber in den Katakomben des Casino Velden ist Alfred Dorfer in seiner kleinen Garderobe noch recht entspannt. Eigentlich würde er gerne noch schnell eine rauchen gehen, aber „sein“ Veranstalter Ingo Krassnitzer spricht mit ihm noch ein paar Termine am Laptop durch. Scheinbar geht es nicht um einen Auftritt, sondern um was Privates. Etwa ums Kochen? Keine Ahnung, die beiden brauchen nur wenige Worte um sich zu verständigen, verstehen sich einfach gut, sind eingespielt, das merkt man sofort. Trotzdem unterbrechen wir die Herren mal kurz:

IMSÜDEN.AT: Meine Herren, das mit dem Kochen hat doch sicher noch Zeit oder? Viel interessanter ist doch, warum der Ingo den Alfred Dorfer wiederholt in den Süden lockt und warum Alfred Dorfer immer wieder kommt?
Alfred Dorfer: Und wer fängt jetzt an? Ich glaub, Ingo du musst anfangen, weil die erste Frage war ja an dich gerichtet. Also warum machst du das (lacht)?
Ingo Krassnitzer: Oje, wie fast man das in so wenige Sätze…

IS: Fangen wir vielleicht so an: Wie ist deine Firmengeschichte, dein Werdegang?
Ingo Krassnitzer: Angefangen hat alles vor weit über zehn Jahren mit der Unitour von Josef Hader und dann gab‘s noch sowas ähnliches von Stermann & Grissemann. Irgendwann ist mir aufgefallen, das macht richtig Spaß. Da kommen viele Menschen und die haben auch Spaß. In Klagenfurt gab es irgendwie keinen, der Kabarett veranstaltet. Und dann kam die Idee zum ersten Kabarett-Herbst. Mittlerweile eine über zwölfjährige Erfolgsgeschichte.

IS: Also hast du eine Marktlücke gefüllt?
Ingo Krassnitzer: Ja, in Kärnten gab es in dieser Form, Qualität und Regelmäßigkeit, damals noch gar nichts. In Klagenfurt insbesondere nicht. Meistens gingen die Veranstalter nach Villach, wenn es namhaftere Künstler waren.
Alfred Dorfer: Gab‘s da nicht mal solche Uniclub-Veranstaltungen in der Aula der Universität? Ich hab da mal mit „Schlabarett“ gespielt, vor deiner Zeit. Das war meine erste Begegnung mit der Uni in Kärnten. Und dann hat mich aber schon bald der Ingo angefragt und da ich immer gern in Kärnten gespielt habe, weil‘s vom Publikum her sehr gut ist, war das der Beginn einer langen Zusammenarbeit und eines persönlich sehr intensiven Kontakts der freundschaftliche Züge hat.
Ingo Krassnitzer: Ja, man muss auch bedenken, es gab damals in den  Neunzigern ja noch nicht die Infrastruktur wie heute. Es gab zum Beispiel noch keinen Hörsaal A, da wurde einfach nur in der Aula gespielt, ebenerdig, flach bestuhlt. Ein ganz eigenes Flair, bei der geringen Raumhöhe… grindig im positiven Sinn (lacht). Die Uni hat sich damals auch einfach ganz anders angefühlt als heute.

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IS: Und wie fühlt sich das Publikum im Süden an? Sind wir anders?
Alfred Dorfer: Diese Frage ist ja mittlerweile eine Standardfrage geworden: ,Gibt es regionale Unterschiede beim Publikum‘. Ich halt mich da raus. Warum sollen die Kärntner über andere Schmähs lachen wie die Oberösterreicher. Aber gerade was Kärnten betrifft gab es ja mal eine düstere Zeit in der Kollegen von mir, gar nicht mehr hier gespielt haben, wegen des damaligen Landeshauptmanns. Das hab ich immer sehr dumm gefunden, also nicht zu spielen. Ich bin immer sehr gerne hierher gefahren, damals sogar mit noch mehr Freude und das Publikum ist natürlich nicht anders, aber der Platz, also Kärnten ist für mich einfach sehr angenehm zum Spielen. Ich bin da offensichtlich sehr empfindsam für Wohlfühlambiente und der Ingo stellt das her. Es ist mir nämlich überhaupt nicht Wurscht, wer mich veranstaltet. Dazu bin ich ein zu persönliches Tierchen.

IS: Und wie stellt Ingo dieses Wohlfühlambiente her?
Alfred Dorfer: Ich weiß auch nicht, der Ingo hat einfach diese eigenartige Mischung aus Dezenz und Herzlichkeit. Es gibt ja viele sehr herzliche Leute, die nicht besonders dezent sind (lacht), aber leider auch viele Veranstalter, die sehr dezent, dafür aber überhaupt nicht herzlich sind. Der Ingo stellt da eben die Kombination her, die mir scheinbar am meisten zusagt. Und deswegen fühle ich mich hier sehr wohl und bin sogar traurig, wenn ich mal nicht da sein kann, wie zum Beispiel heuer beim Kabarettherbst.

AlfredDorfer_by_HubertMican

IS: Hören wir da eine heimliche Liebe zum Süden heraus?
Alfred Dorfer: Überhaupt nicht heimlich! Für mich war Kärnten auch nie in diesem schiefen Licht wie es medial immer dargestellt wurde. Ich mach seit vielen, vielen Jahren hier Urlaub, immer im Sommer und auch im Winter. Hätt‘s hier eine ausschließlich negative Stimmung gegeben, würd‘ ich ja nicht herkommen. Ich bin ja nicht masochistisch veranlagt.

IS: Apropos Masochismus. Gibt‘s im Kernland des Villacher Faschings überhaupt ernstzunehmenden Kabarettisten-Nachwuchs?
Alfred Dorfer: Also ich bin da der denkbar schlechteste Ansprechpartner, weil ich seh die anderen Kabarettisten ja nie spielen, wir arbeiten ja praktisch parallel und von DVD und sowas halt ich nix, da kann man einen Künstler nicht beurteilen. Was die Trends und Newcomer im Kabarett angeht, so gibts sicher Leute, die sich da weitaus besser auskennen und viel mehr dazu sagen können wie ich. Ich bin ja auch ständig auf Tournee. Der einzige Kärntner Kabarettist  der mir jetzt einfällt, ist der Chef der Grünen, aber ich kenn sein Programm nicht (lacht). Hat er eines?

IS: Bestimmt, aber wir von IMSÜDEN.AT beschäftigen uns mit den Sachen, die gut laufen im Süden und dazu gehörte die Politik noch nie… Gibts aus Veranstaltersicht Newcomer im Süden, Ingo?
Ingo Krassnitzer: Wir merken als Veranstalter generell, dass es eine große Menge an Nachwuchskabarettisten gibt, teilweise leider auch solche, die es noch werden wollen. Ich finde in Kärnten gibt es auch durchaus interessante Nachwuchstalente, aber mir als Kärntner Veranstalter fehlt natürlich die Vergleichsperspektive zu anderen Bundesländern. Keine Ahnung, ob es zum Beispiel in Salzburg gerade einen Boom an Nachwuchskabarettisten gibt. Kann ich nicht beurteilen. In Kärnten gibts zum Beispiel derzeit Winkler & Feistritzer, die total lässig sind und richtig groß werden könnten.

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IS: Und was würdest du den Newcomern raten?
Ingo Krassnitzer: Den Künstlern kann ich gar nichts raten, da bin ich der falsche Ansprechpartner und ich weiß auch der Fredi wird sich davor hüten.
Alfred Dorfer: Allerdings!
Ingo Krassnitzer: Aber für die Veranstalter oder Jungunternehmern wär ,Anpacken‘ vielleicht die einfache, pauschale Formel. ,Anpacken und durchziehen.‘
Alfred Dorfer: Ja,  weil ja von Haus aus schon so viel da ist im Süden.
Ingo Krassnitzer: Ein Ziel setzen und das Ziel dann erreichen. Den richtigen Beruf aussuchen und dann hart arbeiten, denn mit dem richtigen Beruf macht hart arbeiten auch Spaß.

IS: Gut, wenn wir schon beim Spaß sind, was sind eure nächsten Projekte?
Alfred Dorfer: Mein nächstes Projekt mache ich zusammen mit Florian Scheuba. Das heisst „Ballverlust“ und es geht um Fußball im weitesten Sinne. Aber auch im engeren Sinne. Wird aber keine Insidergeschichte wie Briefmarkensammeln oder Europäische-Königshäuser-Mögen, sondern auch was für Leute, die nicht so viel von Fußball verstehen. Das Programm kommt dann im Frühjahr hierher.
Ingo Krassnitzer: Das ist die nächste Geschichte in der Form. Aber das interessante und erfrischende an unserer Zusammenarbeit ist, dass wir auch andere Dinge gemeinsam machen, nicht immer nur Kabarett.
Alfred Dorfer: Zum Beispiel versorgen wir uns gegenseitig mit besonderen Lebensmitteln. (lacht) Das ist besonders wichtig!
Ingo Krassnitzer: (lacht) Ja, das stimmt, da blüht der Schwarzmarkt.

IS: Wie können wir uns den Schwarzmarkt vorstellen?
Alfred Dorfer: Wir kochen beide gern. Er kocht natürlich besser. Aber essen tun wir beide gleich gern und gleich gut.
Ingo Krassnitzer: Ich glaube, wir sollten mal gemeinsam kochen.
Alfred Dorfer: Da bin ich leider zu schlecht, aber wenn wir mal einen Termin finden. Zum Schwarzmarkt: Wir versorgen uns wie gesagt gerne mit speziellen Lebensmitteln, die wir irgendwo finden oder auftun und wo wir meinen, die könnten für den anderen von Interesse sein.

IS: Zum Beispiel?
Alfred Dorfer: Sag du, ich will ja nicht angeben (lacht)!
Ingo Krassnitzer: Alfred ist mittlerweile semi-professioneller Imker und macht wunderbaren Honig von dem ich ein bis zwei Gläser jährlich bekomme…
Alfred Dorfer: Aber nicht weil ich geizig bin, sondern weil ich nur so wenige Stöcke habe, möcht ich dazu sagen (lacht).
Ingo Krassnitzer: Und ich bin letzten Sommer ins Ölgeschäft eingestiegen, Pflanze auf der Terasse eine Miniaturplantage mit Oliven an und hoffe auf eine große Ernte im Herbst. Und dann wird Olivenöl gegen Honig getauscht.
Alfred Dorfer: Und letztens hab ich vom Ingo einen ganz besonderen Pfeffer bekommen, der mir beim Kochen große Freude gemacht hat. Und so geht das hin und her. Man sieht schon, es geht über den Beruf hinaus, weil mit Kabarett haben unsere Kochkünste ja nichts zu tun (lacht).
Ingo Krassnitzer: Und die Tomaten.
Alfred Dorfer: Genau die Paradeiser, die du mir hast zukommen lassen, aber hab ich dir eigentlich schonmal mein Sugo mitgebracht?
Ingo Krassnitzer: Nein.
Alfred Dorfer: Na dann schick ich dir eines.

Dorfer&Band_by_HubertMican

IS: Stopp mein Herren, wir merken, da herrscht reger Austausch, aber bevor wir jetzt endgültig in die Tiefen des Lebensmittelhandels abdriften, noch eine persönliche Frage: Gibt‘s bei euch eigentlich eine Trennung zwischen Leben und Arbeiten?
Ingo Krassnitzer: Es gibt Momente, die können sogar Stunden dauern (lacht), da genieße ich es schon sehr, auch beruflich völlig abzuschalten, zum Beispiel beim Kochen. Da bin ich vom Kopf her in einer völlig anderen Welt und es ist sehr angenehm und sehr regenerativ. Aber natürlich ist es schwierig abzuschalten, wenn man sein Berufsleben in jedem Detail selbst gestaltet hat und praktisch jede Minute in seinem Lebenswerk verbringt. Da ist man dem Beruf natürlich viel näher, mental, seelisch und auch sonst. Aber nichtsdestotrotz hat man auch Freiraum zum Energie tanken usw. das ist auch wichtig!

IS: Wie ist das in der Kunst?
Alfred Dorfer: Naja, das ist schwieriger. Wenn ich in einer Schreibphase bin, was Neues mach, dann ist Berufliches und Privates fast nicht auseinander zu halten. Das klingt ein bisschen wie eine Gefangenschaft, ist es auch zum Teil, auf der anderen Seite ist es dann doch sowas wie der persönliche Ausdruck eines Nicht-Anders-Könnens. Insofern wechselt sich dieses Gefühl von Gefangenschaft und das Ganze als Teil von sich selbst zu akzeptieren, ab. Das mein ich aber überhaupt nicht negativ. Man kann nicht abschalten, weil man einfach viele Dinge als Satiriker sieht und immer wieder darauf zurückfällt. Dann fällt dir wieder was ein, dann schreibst es schnell auf. Dann endlich löst du dich und sitzt und schaust und trinkst und dann siehst wieder was. Das ist ein ständiges sich Verweben dieser Ebenen. Andere sind da natürlich disziplinierter, das weiß ich schon, aber ich bin kein Großmeister der Disziplin.
Ingo Krassnitzer: Das ist interessant, denn ich bin ja, berufsbedingt, sehr viel unter Satirikern und das färbt schon ab. Das kann ich bei mir auch nicht mehr abschalten… das verlässt mich nie, nichtmal beim Kochen. Dieses Ich bleibst immer du.
Alfred Dorfer: Schöner Schlusssatz!

IS: Genau!

pix: Johannes Wouk, Kabarett-Frühling

Von Wouk

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