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Von Johannes Wouk, Fotos: Johannes WoukMartin Steinthaler

„Mein Barbershop ist frauenfreie Zone!“

Johann Glaser war einer der ersten, die sich wieder auf den alten Beruf des Barbiers besonnen haben und damit ist er im Hipster-Zeitalter natürlich vorne dabei. Sein BARBERSHOP GLASER ist männerfreundlich, nicht frauenfeindlich, sagt er.

Weil die IMSÜDEN.AT-Redaktion auf ihre Gesichtsbehaarung Wert legt, zumindest die Teile, die eine haben, sind wir natürlich Stammkunden „beim Glaser“. Aber wir haben ihn noch nie gefragt, warum er eigentlich auf die Männer gesetzt hat, obwohl er sein halbes Berufsleben gutes Geld mit Frauenfrisieren verdient hat. Machen wir das also besser mal:

IMSÜDEN.AT: Hallo Johann, was treibst du so?
Johann Glaser: Ich bin der Barbier des Südens, wenn man so will. Ein Job zu dem man geboren sein muss. Friseur kann man nämlich lernen, aber Barbier muss dir einfach liegen…

IMSÜDEN.AT: Oha, jetzt schreien aber sicherlich grad einige Friseusen auf!
Johann Glaser: Sollen sie doch (lacht). Ich mein’ das so: Wir Barbiere sind die Letzten, die in der Friseurbranche noch Handwerk machen, der Rest macht Mode. Ich hab einen Barbiershop aufgemacht um aus der Abhängigkeit von der Industrie rauszukommen. Die ist beim Frauenfriseur leider extrem groß. Da geht’s nur noch um’s Färben, Pflegen und Stylen… das ist einfach kein Handwerk mehr. Bei den Männern musst noch wirklich schneiden können.

IMSÜDEN.AT: Also hast du praktisch umgesattelt, von Damen auf Herren?
Johann Glaser: Nicht ganz. Ich habe ursprünglich Barbier gelernt und bin jetzt sozusagen back to the roots.

IMSÜDEN.AT: Warum will man Barbier oder Friseur werden?
Johann Glaser: Mein Vater war schon Friseur und Barbier und immer, wenn ich von der Schule nachhause kam, stand er vor seinem Geschäft mit einem Espresso und einem Zigarillo. Dann hat von hinten die Mitarbeiterin gerufen „Herr Chef, bitte kassieren.“ und dann ist er reingegangen und hat kassiert. Da hab im mir gedacht: „Geiler Job!“ (lacht)

IMSÜDEN.AT: Und dann bist du bei deinem Vater in die Lehre gegangen?
Johann Glaser: Ich hab bei einem früher sehr renommierten Salon in Klagenfurt gelernt, nicht in Pörtschach bei meinem Vater. Legendär ist mein erster Arbeitstag (lacht). Da war der Chef eine Zeit lang weg und ich war alleine im Laden. Plötzlich kommt ein Kunde rein, setzt sich auf den Stuhl und bittet um einen Haarschnitt. Ich will den Chef holen, schließlich hatte ich noch nie eine Friseurschere in der Hand, aber der Kunde sagt: „Komm schon Junge, mit irgendwem musst ja anfangen. Dann bin das eben ich.“ (lacht).

IMSÜDEN.AT: Und? Ein Desaster, oder?
Johann Glaser:
(lacht) Desaster ist ein Untertreibung! Den Mann hab ich wirklich hingerichtet… der hat ausg’schaut… das glaubst nicht (lacht). Aber man muss es positiv sehen, zumindest blieb er unverletzt…

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IMSÜDEN.AT: (lacht) Mal ehrlich, wie viele Ohrläppchen hast du auf dem Gewissen in all den Jahren?
Johann Glaser: (lacht) Kein einziges, ein guter Friseur schneidet immer sich selbst, nie den Kunden. Ein paar Finger haben also schon geblutet über die Jahre. Aber sogar der Hingerichtete war dann noch jahrelang meine Kundschaft, auch, wenn der Chef mir fast eine getaucht hätt‘ als er zurück in den Laden kam (lacht).

IMSÜDEN.AT: Wie ging deine Karriere nach diesem kläglichen Start dann weiter?
Johann Glaser: Nach meiner Lehre wollte ich die Welt sehen, also bin ich nach Wien (lacht). Dann aber schon noch weiter nach München und in die Schweiz. Ein kleiner Abstecher nach Graz war auch dabei und in der Wintersaison war ich oft in Kitzbühel usw.

IMSÜDEN.AT: Und du hast bei Wettbewerben mitgemacht.
Johann Glaser: Ja, hauptsächlich Damen und viel auch international in Mailand, Paris, Straßburg, München und in Frankfurt bin ich in den 90ern sogar mal deutscher Vizemeister geworden. Außerdem bin ich der letzte, noch aktive Friseur Österreichs, der bei einer Europameisterschaft teilgenommen hat. Das war 2011 und ich bin damals fünfter geworden. Seither ist kein Österreicher mehr angetreten.

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IMSÜDEN.AT: Wenn du so erfolgreich warst, warum bist du wieder zurück in den Süden?
Johann Glaser: Natürlich wegen der Lebensqualität, weil ich hier aufgewachsen bin, meine Freunde hier sind, ich mich hier wohlfühle und ich das Geschäft meines Vaters in Pörtschach übernehmen konnte. Mir taugt’s im Süden. Ich bin kein Jammerer, ich bin hier zufrieden, die Natur ist super und die Menschen sind toll. Was will man mehr?!

IMSÜDEN.AT: Na, zum Beispiel einen Barbershop
Johann Glaser: Genau so ist es! Deshalb hab’ ich einfach einen gemacht. Mich hat es genervt, dass Männer zu schneiden fast schon eine Nebendienstleistung geworden ist, zwischen den Dauerwellen und Färbereien, die uns die Modeindustrie aufschwatzt. Hier im Barbershop Glaser haben wir Männer uns wieder einen Raum geschaffen, indem wir im Mittelpunkt stehen!

IMSÜDEN.AT: Was ist das Konzept vom Barbershop Glaser?
Johannes Glaser: Als Mann bist du hier die Hauptperson. Ohne Anmeldung kommst du einfach vorbei. Ganz wichtig ist mir, dass wir keine Mode machen. Wir haben sechs Haarschnitte und das war’s. Die machen wir perfekt, alles andere ist Firlefanz. Generell will ich hier alles eher etwas reduzieren. Wir haben kaum Zeitschriften, damit die Leute miteinander reden. Es gibt Kaffee und das Wichtigste ist: Gratis Bier!

IMSÜDEN.AT: Aber dafür haben Frauen keinen Zutritt
Johann Glaser: Nein, Frauen dürfen schon rein, aber nur bis zur Kassa da drüben an der Tür um Gutscheine für ihre Männer zu kaufen (lacht). Im Ernst: Mein Barbershop ist frauenfreie Zone. Wir mussten das einführen, weil die Damen sich in die Frisuren ihrer Männer eingemischt haben und dabei gesessen sind, als wir sie geschnitten haben. Das geht so einfach nicht. Ich meine das ganz und gar nicht frauenfeindlich, nur männerfreundlich (lacht).

IMSÜDEN.AT: Aber so ganz ohne Frauen kommst du dann auch wieder nicht aus, denn schließlich arbeiten hier ja drei Frauen!
Johann Glaser: Ja, stimmt! Und ich bin auch extrem froh, dass ich meine drei Barbierinnen Evelyn, Simone und Julia habe, die sind Weltklasse und es gibt übrigens auch keine gut ausgebildeten männlichen Barbiere. Obwohl die laut Kollektivvertrag besser bezahlt werden als Friseurinnen. Meine Mädels sind die Besten, nicht nur, weil sie Kärntner Meistertitel und österreichische Vizemeistertitel holen, sondern vor allem, weil sie zur guten Stimmung im Barbershop beitragen. Ohne gute Mitarbeiter geht natürlich gar nichts und ich habe die besten.

IMSÜDEN.AT: Und die Kunden?
Johann Glaser: Mir ist wichtig, dass sich hier alle wohlfühlen. Wir haben sogar Kunden aus anderen Bundesländern, die kilometerweit fahren. Zu mir kommen Fürsten und Eishockeyspieler, einfache Arbeiter und Unternehmer, junge Leute und ältere Herren, ganz egal. Wir machen da keinen Unterschied. Jeder zahlt gleich viel und jeder muss warten, wenn gerade viel los ist.

IMSÜDEN.AT: Na, dann läuft doch alles gut. Der Hipsterboom hat euch natürlich in die Karten gespielt… und jetzt?
Johann Glaser: Wir wollen expandieren. Ich würde mich gerne gegenüber im „Haus am Hafen“ ausbreiten und eine vierte Mitarbeiterin einstellen. Da ist der Markt eben leider sehr dünn im Moment, denn das braucht großes handwerkliches Fachwissen…

IMSÜDEN.AT: Wie kriegt man das?
Johann Glaser: Jeder ausgelernte Friseur kann sich weiterbilden. Wir selbst haben auch jedes Jahr Schulungen, um unser Level zu halten. Man muss eben üben. Wir haben auch alle mal angefangen und unsere Fehler gemacht. Aber wenn du dann drei Jahre lang nur Herren schneidest, bist du natürlich gut darin. Aber die Lehrzeit kann man keinem abnehmen.

IMSÜDEN.AT: Was würdest du dir für die Zukunft im Süden wünschen?
Johann Glaser: Für das Lendhafenviertel hier, dass es sich weiterentwickelt, dass sich hier mehr tut und für uns, dass wir Nummer 1 in Österreich werden. Wir sind derzeit sicherlich unter den Top 5. Für die Branche würd‘ ich mir wünschen, dass wir wieder Friseure werden und nicht nur Färber und Haarpfleger. Auch die Frauen sollen wieder Diven werden und nicht Ponys tragen und geglättete Haare!

IMSÜDEN.AT: Na fein. Wir sind gespannt!


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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