Interview
Barbara Abel
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"Ich will meinen Umraum selbst MITGESTALTEN."

Architektin Barbara Abel ist Co-Workerin aus Überzeugung und Alpenpendlerin aus Leidenschaft. Mit ihrem Planungsbüro vermittelt sie Baukultur und Raumbewusstsein wenn sie sich nicht gerade für die Kreativwirtschaft einsetzt. Eine Kreative mit Mission, die allerdings keine Erdbeertorte mag…

Die Gründerin des Planungsbüros Alpenpendler, stellvertretende Vorsitzende der Creativ Wirtschaft Austria (CWA), Mitinitiatorin der Kreativwirtschaft Klagenfurt und Vorständin des Vereins zur Förderung von Baukultur im ländlichen Raum (Landluft) Frau DI Barbara Abel, ist oft schwarz angezogen und strahlt einen gleich völlig offen und entwaffnend an, wenn man sie in „ihrem“ Hafen11 in Klagenfurt besucht. Routiniert bietet sie Kaffee und Kuchen (rosarote Erdbeertorte oder „Mädchennachspeise“ wie sie das nennt und aus diesem Grund auch selbst nicht isst) an, der Smalltalk (über die tatsächliche Mädchenhaftigkeit der Erdbeertorte) läuft ehrlich herzlich und unterhaltsam ab. Irgendwie fühlt man sich bei Barbara gleich gut aufgehoben. Das Networking-Naturtalent ist gesegnet mit einem natürlichen Charme und einem mitreißenden Engagement. Man muss aufpassen, dass man mit ihr nicht gleich das nächste Projekt vom Zaun bricht. Konzentration jetzt, erstmal nur das Interview:

IMSÜDEN.AT: Also Barbara, wie kommst du in den Süden?
Barbara Abel: Ich bin dauernd im Süden. Ich wurde in Waidmansdorf geboren, bin in Viktring zur Schule gegangen, hab dann in Spittal und Dänemark studiert. Heute lebe und arbeite ich in Strengberg im Mostviertel und in Klagenfurt am Wörthersee, pendle also hin und her.

IS: Also bist du Teilzeit-Südländern?
BA: (lacht) Ja, wenn du so willst. Ich habe zwei Büros und zwei Wohnungen. Viele sehen darin eine Art von Untentschlossenheit. Ich nicht – ich hab mich halt für zwei Orte entschieden. Mein Mann Christoph, mit dem ich das Planungsbüro Alpenpendler führe, kommt aus  Strengberg in Niederösterreich. Wir haben uns beim Studium in Spittal kennengelernt und sind seither beruflich und privat ein Team. Wir haben uns bewusst dafür entschieden an beiden Orten zu arbeiten. In Strengberg arbeiten wir eher im ländlichen Raum, in Klagenfurt im städtischen, dazwischen pendeln wir über die Alpen. Zeit, die wir auch nutzen um auf neue Ideen zu kommen. Für uns funktioniert das sehr gut!

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IS: Wie sieht das aus, wenn es gut funktioniert? Wie würdest du deine Arbeit beschreiben?
BA: Wir verstehen uns als Architekturschaffende und Baukulturvermittler. Wir planen von der klassischen Wohnung im Altbau, über Büromöbel, Schulen oder Gewerbebauten praktisch alles. Die Vielfalt macht dabei auch den Reiz aus. Wir wollen uns gar nicht spezialisieren sondern lieber Vieles gut machen. Außerdem ist uns die Gestaltung unseres „Heimatumfelds“, wenn man das so nennen kann, wichtig. Ich finde, wenn man irgendwo Grafiker, Architekt, Designer oder ein anderer Kreativer ist, dann sollte man sein Know-How auch seiner Umgebung zur Verfügung stellen. Ich will meinen Umraum selbst mitgestalten und mich dort engagieren, wo ich lebe und arbeite. Da geht’s dann nicht immer nur um‘s Geld.

IS: Aber ihr verdient schon auch Geld, oder?
BA: Natürlich, wir arbeiten ja auch sehr hart dafür. Aber auch sehr gern, denn wir gestalten unseren Arbeitsalltag möglichst abwechslungsreich. Während Christoph von Baustelle zu Baustelle fährt, sitze ich in einem unserer Büros und zeichne. Dann hab ich wieder „Baustellendienst“ und Christoph muss an den Computer, so wechseln wir uns ab und halten den Laden am Laufen. Am Abend diskutieren wir oft noch weiter über Projekte und Details, aber wir haben mittlerweile auch gelernt, dass wir manchmal einen Schlussstrich unter die Arbeit ziehen müssen und uns nur dem widmen was man „Privatleben“ nennt.

IS: Ok, dann ziehen wir hier auch mal einen Schlussstrich und reden nicht mehr über Architektur sondern über deine Arbeit als Kreativwirtschafts-Lobbyistin. 
BA: Iiiii, Lobbyistin (lacht), das klingt ja heutzutage nicht mehr allzu positiv. Ich halte es einfach nicht aus, wenn Top-Leute eine sehr gute Arbeit machen und trotzdem jedes Monat schauen müssen, wie sie über die Runden kommen. Das liegt vor allem an dem zu geringen „Wert der kreativen Leistung“, der sich in der Gesellschaft gefestigt hat. Wie oft hört man Entscheidungsträger sagen: Das Logo lass´ ich dann von einer Schulklasse zeichnen. Dass das richtige Arbeit ist, für die jemand lange Zeit studieren und lernen musste, muss dringend kommuniziert werden.  Außerdem weiß ich, dass man gemeinsam mehr erreichen kann, daher engagiere ich mich unter anderem bei der Creativ Wirtschaft Austria (CWA), bei der Kreativwirtschaft Klagenfurt und bei Landluft, leiste Aufklärungsarbeit, bin Ansprechpartnerin für Interessierte, mache Netzwerkarbeit, obwohl ich diesen Ausdruck nicht mag, ich bin einfach gern unter Leuten und tausche mich mit ihnen aus. Und ich will immer über das reden, was gut läuft und warum es gut läuft. Gejammert wird ja eh schon genug.

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IS: Das kommt uns jetzt aber sehr bekannt vor!
BA: Ja, das ist auch das was mir an IMSÜDEN.AT so gefällt, ihr wollt ja über‘s Positive hier berichten und davon gibt es ja schon ganz viel, aber es könnte noch viel, viel mehr geben. Das habe ich auch durch das Leben und Arbeiten hier im Lendhafen gelernt. So viele unterschiedliche kreative und erfolgreiche Köpfe, die sich alle in irgendeiner Form für ihr Umfeld engagieren, das inspiriert mich immer wieder neu. So wie damals beim Studium in Dänemark. Da gab es überhaupt kein Konkurrenzdenken, im Gegenteil, wenn einer deinen Entwurf „kopiert“ und weiterentwickelt hat, war das die höchste Auszeichnung. Davon bräuchten wir auch mehr in Kärnten.

IS: Mehr Leute, die kopieren?
BA: Jaja, haha, vielleicht auch das, aber vor allem Leute, die gute Sachen weiterentwickeln, die zusammenarbeiten ohne Konkurrenzdenken und Angst vor Ideenklau oder sowas. Es gibt hier so viele kompetente und talentierte Leute, die sicher tausende gute Ideen haben und diese nicht weitersagen und entwickeln, weil sie Angst haben, dass ihnen was weggenommen wird. Das ist mir völlig unverständlich.

IS: Du bist also eine Verfechterin von Open-Source und Co-Working?
BA: Ja, definitiv. Wir haben ja das Co-Working-Prinzip praktisch nach Kärnten geholt. Es gab zwar auch vorher schon Bürogemeinschaften, die ähnlich wie WGs funktioniert haben, aber wirkliche Co-Working-Spaces bestehen ja aus unabhängig mietbaren Arbeitsplätzen, oft sogar auf Stundenbasis.

IS: Wie bist du als Architektin zu so einem Thema gekommen? Passt doch irgendwie nicht, oder?
BA: Doch das passt perfekt, denn Architektur ist vieles und hat immer etwas damit zu tun einen Raum zu gestalten. Auch den Lebens und Arbeitsraum, nicht nur vor Ort, sondern oft auch im Kopf. Das haben wir schon damals bei unserem Diplomarbeitsprojekt in der Klagenfurter Bahnhofstraße gelernt. Da haben wir acht Monate lang vor Ort in unserem kleinen Diplomstudio gearbeitet und recht schnell erkannt, dass es utopisch ist zu glauben, der Handel würde die massiven Leerstände in der Straße wieder auffüllen. Da mussten einfach flexiblere Konzepte und Modelle her. Wir haben Kunstwerke positioniert, Sitzbänke grün gestrichen und einmal sogar die ganze Straße zur Wiese gemacht. Davon reden die Leute heute noch.

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IS: Stimmt, aber was waren eure Konzepte?
BA: Die Ansiedlung von Kreativwirtschaft ist eines unserer Konzept für Stadtentwicklung. Wir wollten die Leerstände durch Kreativschaffende bevölkern und konnten das später auch andernorts, im Lendhafen verwirklichen.  Mit dem Hafen11 haben wir da 2011 gemeinsam mit der Stadt Klagenfurt Neuland betreten. Bis heute ist das hier der einzige, von der öffentlichen Hand geführte Co-Working-Space Österreichs. Darauf sind wir schon ein wenig stolz, auch weil es so gut funktioniert, dass wir schon „ausbauen“ mussten und 2013 die Anlegestelle ganz in der Nähe eröffnet haben. Einer meiner Träume ist es, den Lendhafen zu einem richtigen Kreativ-Zentrum zu machen, aber ich glaube den Traum teilen wir, oder?

IS: Ja absolut, aber eigentlich stell‘ ich hier die Fragen! Also wo geht das hin mit dem ganzen Co-Working?
BA: Ganz im Sinne des Co-Working-Gedankens helfe ich dir sehr gerne bei deinen Fragen (lacht). Aber im Ernst, das „mit dem ganzen Co-Working“ geht jetzt erstmal aufs Land. Wir arbeiten gerade an einem Projekt in Moosburg und an einem in Strengberg. Da gibt es Leerstände, die wir so umnutzen wollen. Übrigens bedeutet das nicht, dass Co-Working die Antwort auf alle Probleme ist, nur in diesen speziellen Fällen passt es gut. Auch weil Bestand umgenutzt wird, das ist eines unserer größten Anliegen, das weniger Neues gebaut und mehr Altes neu genutzt wird.

IS: Nicht grade gut für euer Geschäft als Architekten oder?
BA: Naja, die Neunutzung von Raum muss ja auch geplant werden und wir haben genug zu tun. Bei uns laufen meistens zehn bis zwölf Projekte gleichzeitig, auch weil Bauprojekte normalerweise sehr lange dauern.  Uns wird so schnell nicht fad…

IS: Scheinbar ist dir aber schon fad, denn du willst ja auch für IMSÜDEN.AT schreiben. Aber was eigentlich?
BA: Ich werde über die Kreativwirtschaft im Süden schreiben, arbeiten wo andere Urlaub machen eben. Man wird ja als junger Mensch oft damit konfrontiert, dass die Leute einen für verrückt halten hier in Kärnten zu bleiben und überhaupt was zu machen. Ich will zeigen, was für tolle Leute es hier gibt und was die für geniale Sachen auf die Beine stellen. Ich werde also Kreativunternehmen porträtieren und gleichzeitig auch die Vorteile des Arbeitens im Süden herzeigen. Es geht dabei auch um Themen, die uns Kreative beschäftigen, Copyrightfragen, Fragen nach dem Wert unserer Arbeit, solche Dinge. Schauen wir mal wie das wird.

IS: Ja, schauen wir mal. Wir freuen uns jedenfalls auf die Zusammenarbeit mit der Co-Workerin schlechthin!

Pix: Johannes Wouk, Gerhard Maurer, Alpenpendler


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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