Interview
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„Einfach, ganz in Ruhe GUT arbeiten.“

Grafikdesigner Benjamin Hösel ist jung, leidenschaftlich und Haptiker aus Überzeugung. Seine Arbeiten sind klar, fein und fühlen sich irgendwie nach Großstadt an. Deshalb ist seine Agentur Lux auch unsere erste Adresse für die Grafik von  IMSÜDEN.AT und deshalb haben wir ihn auch in seinem neuen Refugium besucht und erfahren, warum es noch keine Einweihungsparty gab, er ein Loch im Socken hat und was der Kärntner Werbebranche gut tun würde.

Der junge Chef der Agentur Lux ist schlaksig, blond und meist eher monochrom gekleidet. Nach einer freundlich lächelnden Begrüßung klemmt er sich schnell wieder hinter sein Arbeitsgerät. Wie eine Spinne im Netz greift er sich Maus und Zeichenstift gleichzeitig, beugt sich tief über sein Zeichenbrett und schiebt auf drei Monitoren parallel bunte Fenster durch die Gegend. „Sieht nicht gerade bequem aus“, denken wir uns und schießen gleich mal ein paar Fotos. „He, Moment, Fotos schick ich euch aber selber welche. Die müssen schon genau passen, außerdem hab ich grad bemerkt, dass ich ein Loch im Socken habe, wie schaut denn das aus…“ Das klingt aus Benjamins Mund jetzt aber gar nicht eitel, sondern nur nach dem Perfektionisten, der er nunmal ist.

IMSÜDEN.AT: Laufen die Geschäfte so schlecht, dass du dir nicht mal mehr die Socken stopfen lassen kannst?
BENJAMIN HÖSEL: Was? Ach nein, vergesst die Socke. Die Geschäfte laufen gut. Seit eineinhalb Jahren bin ich mit der Agentur Lux jetzt selbstständig und kann mich nicht beschweren! Mir ist es aber auch eher wichtig schöne Projekte zu machen. Ich will nicht nur abarbeiten und abcashen, sondern einfach ganz in Ruhe gut arbeiten! Das Geld ist dabei nicht die erste Motivation. Mir geht’s um Qualität! Zumindest bei meiner Arbeit, bei den Socken ja scheinbar eher weniger (schmunzelt).

IS: Trotzdem, als 88er Jahrgang muss man dich ja einfach fragen: Warum zum Teufel bist du hier geblieben?
BH: Ich bin in Kärnten aufgewachsen, bin sehr gerne hier. Klar wären Berlin, Wien oder sogar Graz vielleicht spannender, vor allem auch beruflich, aber es hängt immer davon ab wie man sich sein Umfeld gestaltet. Uns dazu hatte ich hier alle Möglichkeiten.

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IS: Und da hast du dich ja auch ganz schön ausgetobt, wenn man sich in deiner Agentur so umsieht. Himmelhohe Holzdecken, ein fetter Billardtisch, eine goldene Pistole unter der Käseglocke, ein blauer Totenschädel, Hirschgeweihe, eine riesiger Buddhastatue – alles da, was man im Büroalltag so braucht oder?
BH: Ihr habt den 3D-Drucker vergessen. Ja, meine Spielzeuge sind mir schon wichtig.

IS: Aber du spielst wohl lieber alleine damit oder? Wie ist es sonst zu erklären, dass du sicher die stylischsten Agentureinrichtung Kärntens, aber trotzdem noch nie eine Einweihungsparty geschmissen hast.
BH: Tja, die Einrichtung war zu teuer (lacht). Nein, ehrlich gesagt hab ich zu viel zu tun. Mein Arbeitstag beginnt meistens um neun mit einem eiskalten Cola — Kaffee trinken oder Frühstücken ist nicht meins — dann check ich mal die Mails und bekomm vormittags meistens viele Anrufe oder hab Kundentermine. Die Mittagspause fällt dann eh aus, ich häng mich dafür lieber voll hinter meine drei Monitore. Am Nachmittag steh ich dann vielleicht auch mal auf und lauf im Büro herum. Platz hab ich ja genug. Dann wird’s hier schön langsam ruhig, aber ich selbst bleib gerne noch länger weil ich kein schlechtes Gewissen haben will, wenn ich heim geh‘ ohne meine Arbeit fertig zu haben. Es ist dann eh sieben oder halb acht Uhr abends, wenn ich die Holztür von draußen zusperre. Zuhause geht’s dann oft auch noch weiter mit der Arbeit, oder ich such im Web nach neuen Ideen, schau mir an was gemacht wird, welche Trends aufkommen und so weiter. Das geht oft bis spät in die Nacht.

IS: Klingt als wärst du ein echter Workaholic…
BH: Blödsinn. Ich seh das ehrlich gesagt gar nicht als Arbeit, das ist einfach mein Leben. Ich mache eigentlich keinen Unterschied zwischen Arbeitszeit und Freizeit, weil ich eben das tu‘, was ich liebe. Selbst im sogenannten Urlaub interessiert mich die Typo der Cocktailkarte mehr als der Drink selbst. So bin ich eben.

IS: Und wie bist du so geworden?
BH: Wahrscheinlich war ich schon immer so. Mir wurde der Zeichenstift ja praktisch in die Wiege gelegt. Bei meinem Vater (Designer Walter Hösel) lagen immer Stift und Papier herum. Ich habe als Kind also ständig gezeichnet. Und dann hab ich logischerweise auch die HTL für Industriedesign in Ferlach besucht. Dort hab ich dann entdeckt, dass mich die Präsentation eines Produkts eigentlich viel mehr interessiert als das Produktdesign selbst. Vielleicht bin ich zu ungeduldig, aber es dauert mir einfach zu lang bis ich einen von mir designten Kuli auch wirklich in der Hand halten kann. Bei der grafischen Arbeit seh‘ ich die Ergebnisse viel schneller und hab gleich was in der Hand. Da fühl ich mich einfach wohler.

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IS: Was ist derzeit dein Lieblingsprojekt?
BH: Ich hab natürlich nur Lieblingsprojekte! Nein im Ernst, weil ich wirklich das mache, was ich gern tue liegt mir jedes Projekt am Herzen. Aber besonders viel Arbeit und Herzblut stecke ich in letzter Zeit in das UMBRUCH Magazin. Ein von mir selbst iniziiertes Printprojekt das mir sehr viel Spaß und Entfaltungsmöglichkeiten bringt.

IS: Ein PRINTMAGAZIN? Das ist ja ganz was Neues. Echt jetzt? Noch so ein Totholzmedium? Wozu das denn, bitte?
BH: Jaja, ihr Onliner müsst das ja sagen, aber da hat man halt wieder mal was in der Hand. Kommt mal weg vom Computer. Nimmt sich Zeit für den Inhalt, für die Ideen. Wir gehen da gemeinsam mit den Kärntner Druckereien ganz neue Wege in der Magazingestaltung — unlängst hatten wir sogar ein Cover, das bei Sonnenlicht die Farbe wechselte. Wir wollen die verschiedensten Kreativen zusammenbringen und so ein Netzwerk schaffen. Architekten, Designer, Grafiker, Schriftsteller, Künstler und andere Gestalter sollen sich zu einem Thema gemeinsam austoben können. Sowas gibt es in Berlin, Wien, Graz natürlich zuhauf, aber hier in Kärnten kaum. Es gibt übrigens auch eine Website zum UMBRUCH!

IS: Echt? Super! Kannst du uns den Link bitte ausdrucken?
BH: JFGI (lacht)

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IS: (lacht nicht) Schon klar. Aber im Ernst, woran glaubst du liegt es, dass es in Kärnten scheinbar an solchen Projekten fehlt?
BH: Hier im Land gibt es viel Auftragsarbeit, Dinge die man abarbeitet, wegschickt und das wars dann. Echte Eigeninitiativen sind leider selten, aber für eine kreative Szene sehr wichtig. Man muss auch mal ohne Auftrag mit Freunden und Kollegen rumspinnen können, am besten mit Profis aus unterschiedlichen Gebieten, vielleicht sogar aus verschiedenen Ländern. Andere Blickwinkel sind wichtig und natürlich die Bereitschaft sein Wissen zu teilen. Nichts macht mich wütender als wenn jemand sein Wissen nicht teilt, so nach dem Motto: „Ich weiß wie es geht, aber ich sag’s keinem anderen, sonst nimmt der mir vielleicht was weg.“ Das ist der Untergang jeder Kreativität und in unserem Land und der Werbebranche leider auch ziemlich verbreitet.

IS: Schlangengrube Werbebranche?
BH: Nein, so schlimm ist es sicher nicht. Ich muss auch sagen, ich persönlich arbeite nur mit Leuten zusammen, die da denken wie ich. Aber man hört von viel Neid und vielleicht ist es auch nur so ein Grundstimmung weil untereinander nicht genug kommuniziert wird. Wird wohl einfach ein Kommunikationsproblem in der Kommunikationsbranche sein (schmunzelt).

IS: Was würdest du dir für die Zukunft wünschen?
BH: Ja, dass zum Beispiel mehr miteinander kommuniziert wird in der Branche, mehr Austausch stattfindet und die Leute offener aufeinander zugehen. So eine Plattform wie IMSÜDEN.AT könnte ja auch ein erster Schritt in diese Richtung sein. Deshalb mach ich ja auch mit bei euch.

IS: Und deshalb sind wir auch froh dich dabei zu haben, alter Schleimer!

Pix: Johannes Wouk, tinefoto, AgenturLux


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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