Interview
Cafe am Platz 2012-09-13
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„Du musst immer hohe Qualität BIETEN und die auch halten!“

Dank den Gastro-Gebrüdern Michael und Thomas hat das Wörtchen JAMMER in KLAGENfurt einen ganz besonderen Beigeschmack. Es schmeckt nach gutem Kaffee, nach edlem Champus und seit neuestem auch nach echtem Hofbräu. Wir waren mal in der Jammer-Kurve und haben „die Buben“ gefragt, wie sie ihr Imperium eigentlich am Laufen halten und dabei trotzdem noch Zeit für Facbook-Blödsinn finden…

Eine kleine Stadt an einem gar nicht so kleinen See im Süden Österreichs hat einen Neuen Platz, um dessen Süd-Ost-Ecke sich eine unfahrbare Kurve windet. Es ist die Jammer-Kurve in Klagenfurt, aber das ist jetzt nicht so traurig wie es sich anhört. Im Gegenteil, zwei recht lustige Brüder bauen dort fleißig an ihrem Gastronomieimperium ohne zu jammern oder zu klagen. Denn Michael und Thomas (Alter vor Schönheit) Jammer sind immer gut drauf, voller Tatendrang und Kreativität, einfach Profis auf ihrem Gebiet. Das „Hofbräu zum Lindwurm“ ist ihre neueste Errungenschaft, das „Café am Platz“ schon lange ihre Homebase und Events wie die „Fetè Noir“ oder der „Juristenball“ ihre Visitenkarten. Wir treffen „die Buben“ in ihrem Cafè am Platz. Thomas begrüßt uns herzlich, bietet gleich Kaffee an, stellt noch schnell die Mittagskarte auf Facebook und entschuldigt sich für seinen Bruder, der ein wenig zu spät dran ist.  Der biegt aber eh schon um die Ecke und nachdem er fast alle Gäste mit Handschlag begrüßt und einige Worte mit ihnen gewechselt hat, findet er auch an den Interview-Tisch um uns Rede und Antwort zu stehen, während sein Handy praktisch durchgehend brummt und bimmelt. Aber er geht nicht ran, nimmt sich Zeit für uns, wir haben jetzt die ganze Aufmerksamkeit beider Jammers, das ist sehr selten. Das nutzen wir gleich mal aus…

IMSÜDEN.AT: Na Jammers, wie schaut‘s aus? Warum liegt die Jammer-Kurve mitten im Süden und nicht zum Beispiel am Nürburgring?
Thomas: Weil sie viel zu scharf wär für die Rennstrecke (lacht).
Michael: Genau, und weil es hier nun mal am Schönsten ist. Ich hab ja in Villach die Hotelfachschule gemacht und war dann lange in der Schweiz, in Hamburg und sechs Jahre in Wien. Wenn du ein wenig rumkommst, dann merkst du einfach, dass die Lebensqualität hier bei uns unschlagbar ist.
Thomas: Ich hab meine Kochlehre im Casino Velden absolviert, damals eine der besten Küchen weit und breit und dann auch lange in Tophotels in Zürs usw. gearbeitet und viel gelernt. Das versuche ich jetzt auch hier umzusetzen. Ich kenne heute noch fast alle Küchenchefs am See, hab da immer noch mein Netzwerk, wir tauschen uns aus, es ist schon ein kleines Paradies hier.

IS: Ist eine gute Ausbildung in eurer Branche besonders wichtig?
Michael: Absolut! Auf der Tourismusfachschule wirst du zum Beispiel total auf den Tourismus hin getrimmt, bist die ersten beiden Jahre verpflichtend im Internat, du hast teilweise bis 18 Uhr Unterricht und Schuluniform…

IS: Klingt ja nach Spaß…
Michael: Keine Sorge, Spaß hatten wir auch genügend (lacht). Aber ich find das schon wichtig, vor allem heute, mit der so genannten „No Future Generation“. Im Moment wollen irgendwie alle alles haben, aber keiner will was dazu tun, die Arbeitseinstellung lässt oft zu wünschen übrig.
Thomas: Viele verlieren ja während der Lehre schon die Liebe zum Beruf, da sind die sogenannten „Ungelernten“ oft besser und engagierter, es kommt eben immer vor allem auf den persönlichen Einsatz an.

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IS: Jungs, seit ihr etwa schon eine andere Generation? „Generation Future“ oder was?
Michael: Vielleicht. Viele meiner alten Schulkollegen sind jetzt auch selbständig, zum Beispiel Christian und Rene vom GIG, Gerd Nussbaumer  vom Leonbeach oder Markus Sumper mit dem Pachernighof. Die haben sich einfach auf die Hinterbeine gestellt und was geschaffen.
Thomas: Wir versuchen ja auch immer was besonderes zu machen. Zum Beispiel ist im Oktober bei uns immer Monat des Kaffees, in dem wir eine spezielle Kaffee-Karte haben, deren Kaffeekreationen zum größten Teil von mir erfunden wurden. Wir nennen das „Fusion Cafe “ weil man verschiedenen Kaffees mit speziellen Aromen und Geschmäckern bekommt! Manchmal gibt‘s aber auch beste Austern und feinsten Champagner, je nachdem was grad gut passt. Die Kreativität spiegelt sich bei uns aber natürlich auch in der Deko…
Michael: Ja, Thomas ist da sehr kreativ, einmal hatten wir sogar einen Pop-Art-Raum hier im Platzl. Er malt und fotografiert ja auch selbst und ist als DJ unterwegs.

IS: Wie ist das Jammer-Imperium eigentlich entstanden? Erzählt mal…
Michael:
Erst war da das Lokal auf der Messe „Jammers Kärntner Schmankerln“ dann die ganze Messegastro. Dann kam der Campingplatz und die Cateringschiene.
Thomas: Dann haben wir das Platzl übernommen. Das „Cafe am Platz“ ist ja das älteste Kaffeehaus in Klagenfurt. Das Gebäude selbst war eines der ersten in der Straße und diente schon als Familienhaus, Krankenhaus, Universität und was hier sonst noch alles geschehen ist, das weiß keiner so genau – aber bereits seit 1743 liegt der Duft von Kaffee in der Luft und seit 2009 treiben wir hier unser Unwesen! Michael: Apropos Unwesen, wir machen ja auch Events. Zum Beispiel die Feté Noir, die eigentlich aus einer meiner Geburtstagspartys heraus entstanden ist und mittlerweile vertreiben wir dafür schon die Europarechte.
Thomas: Vergiss das Hofbräu nicht…
Michael: Ja genau, das Hofbräu ist unser neuester Streich, damit ist die Jammer-Kurve komplett und wir haben einen feinen Biergarten zum Fußball-WM-Schaun im Sommer.

IS: Pfiff… Da verliert man sicher leicht den Überblick, wie managet ihr das alles?
Thomas: Wir sind zeitig auf und trinken fast keinen Alkohol – es gibt schon Ausnahmen im Sommer, wo wir mal Party machen, aber sonst sehen wir zu, dass wir alles im Überblick behalten. Wir sind auch sehr dankbar, dass wir so tolle Mitarbeiter haben, die uns den ganzen Tag aushalten (lacht)!
Michael: Außerdem ist bei uns alles möglichst einfach und gleich aufgebaut. Zum Beispiel ist das Boniersystem in allen unseren Betrieben gleich, ich kann also einen Mitarbeiter aus dem Hofbräuhaus auch an die Kasse im Platzl stellen und er oder sie kennt sich sofort aus. Und natürlich haben wir den Einkauf zentralisiert und bekommen dadurch auch ganz andere Rabatte bei den Lieferanten. Da tut man sich auch leichter je größer man ist.

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IS: Der Plan ist also den ganzen Süden zum Jammer-Süden zu machen?
Michael: Ach, das wird noch etwas dauern. Alles Step by Step…
Thomas: Also spätestens nächstes Jahr (lacht). Im Ernst, ist der Süden für die Gastrobranche ein gutes Pflaster?
Michael: In Wien hast du natürlich ganz andere Dimensionen, aber du kannst dich da finanziell auch völlig ruinieren wenn was schief geht, weil du einfach viel, viel mehr riskieren musst. Hier in Kärnten kannst du dich langsamer entwickeln und in Ruhe mitwachsen. Das war und ist sicher ein großer Vorteil für uns. Potenzial gibt es ja genug, aber du musst halt auch deinen Hintern bewegen und auch mal was setzen um zu gewinnen.

IS: Also doch eher ein Glücksspiel?
Michael: Nein, natürlich nicht. Das Konzept muss immer stimmig sein, du musst immer hohe Qualität bieten und diese vor allem auch halten.
Thomas: Genau, denn wenn du in Wien einen Gast vergraulst, dann sitzt morgen ein anderer da. Wenn bei uns einem was nicht passt, dann bist du den für immer los und er erzählt es auch noch seinen Freunden weiter. So viele Gäste haben wir hier ja nicht – daher darfst du die Einheimischen niemals „verarschen“!
Michael: Du bist praktisch ständig am Arbeiten nur um die Standards zu halten. Das ist echte Knochenarbeit!

Cafe am Platz 2012-09-13
Cafe am Platz 2012-09-13

IS: Was würdet ihr Gastronomen raten, die gerade anfangen?
Michael: Sucht euch einen anderen Job! Du musst jeden Tag 15 Stunden lang am Ball sein, oft in wenigen Minuten finanziell weitreichende Entscheidungen treffen, deine Leute im Griff haben und dich selber voll reinknien, manchmal drei Monate durch, ohne freien Tag.
Thomas: Ja! Und Wochenenden oder Feiertage gibt‘s sowieso keine, auch zu Weihnachten, Silvester und Co. musst du durcharbeiten. Wir sind ja in der Gastronomie aufgewachsen und tuen uns da nicht so schwer. Wir haben sozusagen das Gastrogen.
Michael: In Kärnten passen ja auch die Infrastruktur und  Grundvoraussetzungen – oft happert es auch einfach an der Umsetzung.

IS: Was sind dann die nächsten Umsetzungsschritte für euch?
Michael: Das Imperium schlägt zurück (lacht). Nein, wenn das Hofbräu gut läuft und da haben wir noch viele Ideen aber auch viel Arbeit vor uns, dann wollen wir die Cateringschiene weiter ausbauen und…
Thomas: …zum Beispiel eine eigene Modelinie für unser Mitarbeiter machen, mit Onlineshop und Merchandising und so weiter. Vielleicht machen wir auch mal ein Clubbing auf der Seebühne mitten im See, keine Ahnung was noch kommt. Wir sind da immer offen und ständig am Ideensuchen und am Netzwerken.
Michael: Und je größer die Netzwerke werden, desto mehr verändern sich auch die Perspektiven und alles sieht wieder ganz anders aus.

IS: Na Hauptsache es sieht gut für euch aus!

Pix: Johannes Wouk, Martin Steinthaler


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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