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Kärntner Wein: Der (steinige) Weg vom No Name zur Marke.

© Taggenbrunn

Kärntner Wein:  Der (steinige) Weg vom No Name zur Marke.

Außerhalb der bekannten österreichischen Weinregionen sind alle Bundesländer, in denen noch Wein angebaut wird, unter der Weinbauregion „Bergland“ zusammengefasst. Kärnten hat mit Abstand den größten Anteil daran. Hier stehen auf 170 ha Weingärten bereits an die 500.000 Rebstöcke und 185 Winzer befüllen mehr als 400.000 Flaschen mit Wein. In ein paar Jahren werden es noch viele mehr sein.

Aber wo sind die Weingärten alle? Bis auf jene um Taggenbrunn sieht man kaum welche. Man muss sie schon suchen. Zum Beispiel auf der Seite Wein aus Kärnten. Sie liegen über das halbe Land verstreut, schmiegen sich versteckt an diverse Südhänge bis hinauf zum höchstgelegenen Weingarten Kärntens in 880m Seehöhe.

In den Köpfen der meisten Kärntner Weinliebhaber ist der Wein noch nicht angekommen, oder wird noch nicht richtig ernst genommen. Oft hängt ihm noch ein negatives Image aus den ersten Verkostungen vor mehr als 15 Jahren nach. Die Pioniere von damals hatten es auch besonders schwer, weil es bei uns seit mehr als 100 Jahren keine nennenswerte Weinproduktion mehr gab. Da fehlten einfach Generationen an Erfahrung und Wissen. Aber das hat sich geändert. Aus den Pionieren von damals sind Profis geworden. Viele Weingärten stehen im Vollertrag und die Neueinsteiger lernen von den Besten. Seit mehreren Jahren sind Kärntner Winzer auch ständig im Salon Österreichischer Wein, der strengsten nationalen Auslese, vertreten.

Die einzigen weithin sichtbaren Weingärten Kärntens sind jene der Familie Riedl, rund um Taggenbrunn.
© Taggenbrunn
Den höchstgelegenen Weingarten Kärntens bewirtschaftet Ernestine Berger- Die Grafenbergerin – in 880m Seehöhe, in der Außerfragant, im Mölltal. Der Oktoberschnee konnte ihrem Merlot gottlob nichts anhaben.
© Gerhard Smuck

Individualisten mit Herzblut.

„Die meisten Kärntner Winzer sind Autodidakten“, sagt Horst Wild, selbst Hobbywinzer auf der Seewiese, dem Stadtweingarten von Klagenfurt, und Obmann des Kärntner Weibauverbandes. „Viele produzieren ihre Weine noch im Nebenerwerb aber mit viel Herzblut und Pioniergeist. Wir haben ähnlich kleine Strukturen wie im Burgund, aber leider noch nicht deren besonderes Image, obwohl wir ähnliche klimatische Verhältnisse haben. Viele unserer Winzer setzen auch bei den Rebsorten auf die Burgunderfamilie und keltern äußerst elegante Weine daraus. Die verstreuten Weingärten haben auch den besonderen Vorteil, dass kein normierter Geschmack entsteht. Da herrscht Individualität pur, aber gerade das macht die Weine so spannend. Was die Kärntner Winzer aber eint, ist ihre unglaubliche Leidenschaft mit der sie Weine keltern, die keinen Vergleich zu scheuen brauchen.“

Horst Wild im Weingarten mit Blick auf den Wörthersee
© Johannes Wouk

Ingrid Bachler: „Bei Blindverkostungen lacht heute keiner mehr“.

Ingrid Bachler gehört schon lange zum innersten Zirkel der Weinexpertinnen in Österreich. Mit ihrem Mann Gottfried setzen sie seit Jahrzehnten auf regionale Produkte und sie sind auch die einzigen Gastronomen, auf deren Weinkarte man mehr als 40 Kärntner Weine findet. Sie finden es schade, dass noch so wenige Gastronomen auf regionale Winzer setzen. Dabei sollten sie es schon aus Patriotismus tun, denn ihre Gäste sind ja meist auch aus Kärnten. 

Ingrid Bachler: „Leider, fragen auch die Gäste im Restaurant noch zu wenig danach. Der Erklärungsbedarf ist natürlich etwas höher, aber es macht Spaß und zahlt sich aus. Unlängst habe ich bei einer Blindverkostung von sehr teuren internationalen Weinen einen Weißwein vom Weingut Karnburg dazu geschmuggelt. Den Herrschaften schmeckte der Wein so gut, dass sie den Flaschenpreis auf 200 Euro schätzten. Das hat mich sehr gefreut. Vor Jahren haben sogenannte Experten den Kärntner Wein noch gerne belächelt, aber heute lacht keiner mehr.“

Das Blatt dreht sich ohnehin. Seit Regionalität in ist wie nie zuvor, sind auch die Weinliebhaber zunehmend sensibilisiert. Und davon gibt es auch im Bierland Kärnten mehr, als man glaubt.

Ingrid und Gottfried Bachler, Pioniere der Regionalität und Slow Food Vertreter in Kärnten. Auf ihrer Weinkarte befinden sich mehr als 40 Kärntner Weine. © Gerhard Smuck

Ein Hobby muss Geld kosten.

In den letzten Wochen habe wir von IMSÜDEN.AT, im Auftrag von Horst Wild, 30 Kärntner Winzer und Winzerinnen, vom Granitztal im Osten bis weit hinauf ins Mölltal besucht, um sie über die aktuelle Situation und ihre Zukunftsvisionen zu befragen. Das Ergebnis dieser Befragung ist nahezu ebenso individuell wie die Weine, die wir teilweise verkosten durften. Faszinierend aber waren die wunderbaren Geschichten die uns erzählt wurden. Geschichten von vielen Entbehrungen, Mühen und Investitionen die sich vielleicht nie rechnen werden, weil: „Ein Hobby muss Geld kosten.“ Aber auch Geschichten voller Leidenschaft, mit wunderbaren Erlebnissen, begeisternden Weinen und begeisterten Weinliebhabern.

Kärntner Wein schätzen lernen.

Einige Geschichten wollen wir hier erzählen, Winzer und Winzerinnen vor den digitalen Vorhang holen und sie den vielen Kärntner Weinliebhabern vorstellen. Aber auch Gastronomen begeistern, die besondere Tropfen von überall anbieten, das Naheliegende nicht kennen, oder mangels Erfahrung (noch) nicht genug schätzen. Geschichten sind das sprichwörtliche Salz in der Suppe, sie sollen weitererzählt werden und die Liebe zum Regionalen, zum besonderen Kärntner Wein, wecken und nachhaltig verankern.

Damit die Kärntner Weinkultur zum Kulturgut in Kärnten wird.

Wo schmeckt’s uns so richtig? Wo feiern oder chillen wir am liebsten? Wo kaufen wir unsere coolsten Sachen? Das sind unsere IMSÜDEN.AT Hot Spots: die besten Lokale, einzigartigsten Locations und lässigsten Shops, die wir kennen!

Fehlt da vielleicht was? Findest DU, dass die Leute unbedingt einmal zu DIR kommen sollten? Dann schreib uns doch auf redaktion@imsueden.at, was dich so besonders macht!

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