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„Ich bin im Kopf ziemlich BUNT“

Modedesignerin Katrin Kafka ist selbst so geradlinig, klassisch und gleichzeitig modern wie ihre Kollektion. Sie hat zwar bei Versace in Mailand gelernt, aber zieht ihr Ding trotzdem hier im Süden durch. Irgendwann will sie mal auf die Fitschis, aber vorher muss sie noch die Weltherrschaft erringen und für uns einen Fashion-Blog schreiben. Hoffentlich nicht in dieser Reihenfolge…

„Blond, blaue Augen, nett“ hat Katrin Kafka statt eines Facebookprofilbilds hin geschrieben und sich selbst damit ganz gut getroffen. Wir erkennen sie gleich. Mit sehr blonden Haaren, sehr sehr blauen Augen und auch sehr sehr sehr nett steht sie vorm Pop-Up-Store in der Anlegestelle und trägt, wie die Schaufensterpuppe (ohne Augen und Haare und nicht besonders nett) neben ihr, „katrin kafka (r)“ am schlanken Leib. Freundlich bittet sie uns herein. Viel Zeit hat sie aber eigentlich nicht, denn während wir „die Kafka“ interviewen dürfen, bedient sie Kundinnen und arbeitet schon an ihrem nächsten großen Wurf für irgend so einen Vienna Fashion Award. Feingliedrige Finger schneidern flink und beängstigend präzise, klare Linien in edle Stoffe. Jeder Handgriff sitzt so perfekt wie die Maßmode der „Damenkleidermacherin“. Daneben hat sie auch noch Zeit zu plaudern und uns einen Kaffee anzubieten. Wir sind beeindruckt und haben auch etwas Angst um ihre Finger, aber stellen trotzdem mal ein paar blöde Fragen…

IMSÜDEN.AT: Hier Im Süden starten wir gerne mit einer blöden Frage. Also, Frau Kafka…verwandt oder verschwägert?
KATRIN KAFKA: Haha, ganz was Neues, hab ich ja noch niiiiie gehört. Nein, keinerlei Verwandtschaft mit dem Schriftsteller bekannt. Nächste blöde Frage bitte.

IS: Gut dann hätten wir das geklärt. Aber woher kommst du sonst? Und was treibt dich in den Süden?
KK: Tja, ich bin natürlich hier geboren. Klagenfurt City. Dann war ich hier auch auf der WiMo und habe da mein Talent für‘s Schneidern entdeckt. Als nächstes bin ich nach Italien und hab in Mailand Modedesign und Schnittkonstruktion studiert. Als Jahrgangsbeste bekam ich ein tolles Praktikum beim A.R. Studio Milano und danach war ich im Atelier Gianni Versace und hab am Instituto Callegari Milano meine Ausbildung als Schnittkonstrukteurin vertieft.

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IS: Nicht schlecht, aber warum bist du nach so einer Karriere dann zurück nach Kärnten? Hattest du es satt ständig von den italienischen Casanovas  angebraten zu werden?
KK: (lacht) Ja, erstens das und zweitens wollte ich einfach mein eigenes Ding durchziehen. Bei Versace machst du immer nur dasselbe, entweder du schneiderst nur, oder du entwirfst ständig, da stumpft man ab. Als Selbständige mache ich alles selbst, von der Idee über die ersten Skizzen und das Schnittmuster bis hin zur Anprobe kommt alles aus einer Hand. Aus meiner!

IS: Ok, aber warum gerade in Kärnten? Das hier ist ja nicht gerade das Modemekka… Paris, Mailand, Millstadt…. hab ich noch nie gehört.
KK: (lacht) Nein, aber das können wir ja noch ändern! Im Ernst, hier bin ich mit meinem Angebot einzigartig unter den ganzen Dirndlproduzenten.

IS: Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Du warst also zu feig für Italien und bist deshalb zurück in deinen Süden geflüchtet?
KK: Ja, klar. In Klagenfurt ein Modelabel zu gründen ist ja wirklich extrem feig. Jetzt bleiben wir aber mal am Boden mein Freund (lacht). Ich hatte hier natürlich auch familiäre Unterstützung. Ich durfte mein Atelier im Haus meiner Eltern aufbauen und da schneidere ich noch heute. Die Kundinnen finden das sogar irgendwie intimer und außerdem ist auch immer ein Parkplatz frei.

IS: Deine Kundinnen besuchen dich also zuhause und du schneiderst ihnen dann deine Mode auf den Leib, oder wie können wir uns das vorstellen? 
KK: So ungefähr. Zuerst setzen wir uns zusammen und die Kundin sagt mir ihre Vorstellungen. Dann sag ich ihr was ich glaube was zu ihr passen könnte. Ich bin da durchaus ehrlich. Am Anfang hab ich mir immer gedacht, der Kunde ist König, und ja nix kritisieren, aber mittlerweile sag ich ganz offen: „Diese Farbe wird Ihnen nicht stehen, dieses Muster kann ich mir an Ihnen nicht vorstellen.“

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IS: Und dann verlässt die Kundin das Atelier…
KK: Nein, dann mache ich erstmal einen Entwurf, dann den ersten Schnitt, also das Papier auf dem dann der Stoff geschnitten wird, das ist einfach sowas wie ein Plan und wird in der Produktion am meisten unterschätzt. Das ist fast das Schwierigste, da erkennt man am schnellsten ob jemand wirklich was kann oder nicht. Und dann wird geschneidert, anprobiert, geändert, anprobiert, bis es perfekt passt. Bei Brautkleidern kann sich das manchmal über Monate ziehen.

IS: Und dazu gibt‘s aber auch noch eine richtige Kollektion by katrin kafka oder?
KK: Ja, die gibt es. In geringer Stückzahl und in allen tragbaren Größen. Die geringe Stückzahl kommt natürlich von der Handarbeit, immerhin schaffe ich nur wenige Stücke pro Tag.

IS: Und wer trägt dann deine Sachen? Wer ist die typische Kundin?
KK: Die typische Kundin gibt es eigentlich nicht. Grad gestern war eine 70jährige hier im Pop-Up-Store und hat gesagt, wie gut ihr das gefällt was ich mache: „voll cool“ hat sie gemeint (lacht). Ich trag meine Sachen natürlich auch, aber auch mein Mutter. Ich glaub „katrin kafka„ ist für jede Frau etwas, die gerne etwas modernes trägt und sich von diesem ganzen H&M und Zara-Zeug abheben will. Modern und geradlinig, nicht tussig und für jeden Tag geeignet. So wie ich selbst eben bin.

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IS: Schön gesagt (lacht). Aber kann man davon eigentlich leben?
KK: Ja, man kann. Aber natürlich in einem gewissen Rahmen. Die Fitschis sind derzeit noch nicht drin (lacht). Aber es gibt natürlich auch anderen Lohn als nur monetären. Zum Beispiel wenn einer Braut die Tränen kommen wenn sie ihr Kleid das erste Mal anhat…

IS: Na komm, so schlecht wirst du ja wohl nicht schneidern.
KK: Haha, sehr witzig. Natürlich nur Freudentränen! Oder wenn eine Frau mal sagt, „das ist mal etwas anderes“, „das gefällt mir“ oder einfach wenn jemand deine Sachen angreift und du siehst in seinen Augen, dass es sich gut anfühlt. Dann weiß ich, ich hab was richtig gemacht und das ist dann der wahre Lohn für all die Mühen.

IS: Klingt als wärst du glücklich mit dem was du tust.
KK: Absolut. Aber es war und ist halt auch echt harte Arbeit und geht nicht mit einem Fingerschnippen von heut auf morgen. Man muss eben auch bodenständig bleiben und fleißig und ehrgeizig sein um seine Träume zu verwirklichen. Das würd ich auch allen raten, die ein Modelabel gründen wollen.

IS: Gute Idee! Was hättest du noch für Tipps für „die Jugend“?
KK: Da hab ich einige. Zum Beispiel sollte man sich generell mal etwas mehr Gedanken darüber machen, wo die Sachen die man an hat eigentlich herkommen. Die Leute sollten Regionalität und regionale Produktion mehr schätzen und nicht immer gleich zum Zara laufen. Dafür würde ich gern Bewusstsein schaffen. Aber besonders wichtig: Die jungen Leute sollen sich mal auf die Hinterfüße stellen, sich was getrauen und machen was sie wirklich wollen. Ich glaub, wenn man ein paar Leute mehr motivieren könnt ihr Ding durchzuziehen und ihre Träume zu verwirklichen, dann wird auch die Welt ein Stück besser.

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IS: Aber zuerst muss man Träume haben. Woher holst du dir zum Beispiel deine Inspiration?
KK: Ich glaub ich bin ziemlich bunt im Kopf (lacht). Ich brauche keine Inspirationsbücher oder sowas. Ich hole meine Inspiration aus ganz alltäglichen Situationen und Dingen. Wenn ich alle Ideen verwirklichen würd, die ich hab, müsst der Tag ein paar Stunden mehr haben.

IS: Und wo willst du hin?
KK: Erstmal Welteroberung und dann endlich auf die Fitschis (lacht)! Nein, es muss einfach für mich passen und so lange ich unabhängig von irgendwelchen Chefs bin und mein Ding durchziehen kann, bin ich glücklich. Klar wär‘s gut wenn ich irgendwann mal nicht jede einzelne Naht selbst schneidern müsste, sondern Hilfe hätte – aber das ist sicher Zukunftsmusik, da bleibe ich realistisch.

IS: Was sind deine nächsten Schritte auf dem Weg zur Weltherrschaft?
KK: Zuerst mal bereite ich mich intensiv auf das Finale des „Vienna Award for Fashion and Lifestyle“ vor. Da gibts eine große Galanacht am 24. April und dort werd ich einfach den „STEFFL. Best Newcomer Award“ gewinnen (lacht). Nein, aber das wäre natürlich genial, vor allem auch weil ich da sehr viel Zeit und auch Geld in diesen Wettbewerb investiere. Ich freu mich schon sehr drauf und auch auf die Nachtschichten bis ich alles beisammen habe. Tja und dann sehen wir weiter. Vielleicht schreib ich dann einen kleinen Fashion-Blog für IMSÜDEN.AT…

IS: Gute Idee, aber gewinn erstmal deinen Preis, dann reden wir weiter! Toi toi toi Kafka!

pix: Johannes Wouk, ChrisEcker (model: Viktoria Karner), Stefanie Blank (Titel)

Von Wouk