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Klagenfurt liegt am Lendhafen! Verdammt nochmal!

Ein GASTKOMMENTAR von JOHANNES WOUK :

Das wird jetzt etwas länger, persönlicher und härter als gewohnt. Warum erklär ich später. Jetzt mal zur Sache: Kennt ihr Klagenfurt? Klagenfurt ist eine Hafenstadt im Süden! Wusstet ihr nicht? Tja, wird sie auch nicht mehr lange sein, wenn es nach ein paar Anrainerchen geht.

Mitten im sonnigen Süden Österreichs liegt Klagenfurt am Wörthersee. Eine dreiste Lüge. Der See ist eigentlich ziemlich weit weg von der Innenstadt. In die Stadt holt den See, oder zumindest sein Wasser, nur der Lendkanal und an dessen Ende liegt ein Hafen und dann fängt die Innenstadt erst an. Klagenfurt liegt also genau genommen am Lendhafen. Dass das aber bald nicht mehr so sein könnte, das liegt wiederum an Klagenfurt…

Eine sehr kurze Geschichte des Lendhafens

Zur Einführung erstmal ein kurzer Abriss der Lendhafengeschichte ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Gebaut um den Stadtgraben mit Wasser zu füllen, Waren und vor allem Holz aus den Sümpfen der Ostbucht in die City zu verschiffen, später sehr beliebter Wasserweg für Freizeitausflüge, dann Partylocation und lebendiges Herz der Innenstadt.

Soweit die Eckpunkte bis in die 90er des vorigen Jahrhunderts. Dann kam der Stillstand oder wie es im Lokaljournalismus gerne euphemisiert wurde: „Der Dornröschenschlaf des malerischen Lendhafens.“

2008 kam dann die Fußballeuropameisterschaft nach Klagenfurt (ja, kein Fake: UEFA EURO 2008) und es zog auch wieder Leben in den Lendhafen ein. Kurz darauf wurde dort auf Initiative des, aus dem EURO-Projekt entstandenen Verein lendhauer von der Stadt ein Pavillon, eine WC-Anlage und öffentliche Sitzgelegenheiten erbaut und dem Lendhafencafe zur Bewirtschaftung überlassen. Seither gibt es dort alle Jahre Kunst- und Kulturveranstaltungen mit internationalem Anspruch und freiem Eintritt im öffentlichen Raum! Die Literaturszene des halben DACH-Raums campt während dem Bachmannpreis praktisch im Hafen und viele internationale Künstler haben hier schon Kunstwerke in den öffentlichen Raum gestellt.

Dann kamen die CoWorker mit dem Hafen11 und der Anlegestelle und in jüngster Zeit die Hafenstadt Urban Area mit ihrem vielfältigen Angebot. Im Sommer ist im Hafen einiges los. Studierenden mischen sich mit Kreativarbeitern, alt mit jung und Einheimische mit Touristen. Man sieht also, es geht langsam was weiter im Hafen. Super, oder?

158 Unterschriften gegen das Leben!

Nun ja, mindestens 158 selbsternannte Anrainer finden das weniger geil. Sie hätten lieber „ihre Ruhe“ hier in „ihrem“ Lendhafen und haben daher 158 Unterschriften gesammelt. Das machen sie übrigens jeden zweiten Sommer. 2017 waren es sogar mal rund 253 Unterschriften. Einige werden also klüger oder ziehen weg. Beides kein Fehler für Leute die in der Innenstadt wohnen und „ihre“ Ruhe haben wollen. Wir sehen hier also eine weitere Runde im ewigen Kampf zwischen denen, die ihren Spaß haben wollen und denen die ihren Spaß schon gehabt haben und jetzt keinen mehr verstehen. Und: Wie lächerlich wenig sind bitte 158 Unterschriften in einer 100.000 Einwohnerstadt? 158 Unterschriften bekomme ich für so ziemlich alles: Für den Verkauf des Lindwurms an chinesische Investoren, für den freiwilligen Abstieg des KAC in die unterste Liga, für die Verlegung des Kernkraftwerkes Krško an die Sattnitz oder sogar für die Umbenennung von Klagenfurt in „Klein Villach“.

Ein belebter Lendhafen ist kein Problem, sondern eine Lösung!

Ihr merkt schon, ich rege mich bei diesem Thema ziemlich auf. Und zwar weil ich der Meinung bin, dass die seit rund zehn Jahren zunehmende Belebung des Lendhafens keine Fehlentwicklung ist, wie es die selbsternannten Anrainerchen ungestraft behaupten und es manche Lokalredaktionen unreflektiert wiedergeben, sondern ganz im Gegenteil das ENDE der Fehlentwicklung die der Dornröschenschlaf dieses Stadtjuwels seit den 90ern dargestellt hat. Wir sind also auf dem richtigen Weg! Auf dem Weg des Lebens, in die Zukunft, raus aus dem Dorf, rein in die Stadt, die Großstadt sogar, wenn alles gut geht. Wer diesen Weg nicht mitgehen will oder kann oder generell nicht mehr mitkommt der soll doch einfach freundlich winkend am Wegesrand stehen bleiben anstatt sich mitten reinzustellen und alles zu blockieren. Es ist ohnehin aussichtslos. Das Leben sucht sich seinen Weg!

In Ruhe laut sein!

Außerdem kann man hier zwei Phänomene bei der Arbeit beobachten, die mir schon immer gehörig auf den Sack gehen: Erstens „Wer lauter schreit, kriegt eher recht“ und zweitens das beliebte und sehr österreichische: „Bürokratie schlägt Demokratie“. Wenn also ein Anrainerchen täglich bei Polizei, Politik und Gewerbeamt anruft (oder 158 Unterschriften sammelt) und sich beschwert, warum es in „seinem“ Lendhafen so laut ist und er in „seiner Ruhe“ gestört wird, wird bald reagiert werden. Auch weil die 1.580 Klagenfurterchen die „zu laut“ sind eben nicht bei Polizei, Politik und Gewerbeamt anrufen um zu sagen was für eine schöne Zeit sie haben und wie toll sie den Hafen finden (könnten wir aber auch mal machen). Irgendwann jedenfalls wird es einem Beamten oder einem Politiker zu blöd dauernd von dem Anrainerchen angerufen zu werden und er erlässt ein Alkoholverbot oder räumt die Bänke im Hafen weg, oder installiert ein sündteures Lichtkonzept damit es auch schön hell wird, wenn es schön laut wird… Alles schon gehabt. Jetzt mein naiver Ansatz: In einem demokratischen Staat müsste doch eigentlich die Mehrheit recht bekommen und also „in Ruhe laut sein“ dürfen. In einem bürokratischen Staat, und der liegt in Ö schon immer vor, bekommt aber der recht, der den zuständigen Beamten oder Politiker am besten kennt oder am meisten nervt. Wurscht was der Rest der Bevölkerung will. So funktioniert das Land, die Stadt und leider auch oft der Hafen…

Lassen wir uns unseren Hafen nicht wegnehmen!

Wer daran jetzt die Schuld hat, will ich eigentlich gar nicht sagen. Irgendwie haben eh alle Schuld. Die Anrainerchen die mitten in einer Großstadt (!?) „ihre Ruhe“ haben und im Sommer aber bitte bei offenem Fenster um 21 Uhr einschlafen wollen, die Politiker und Beamten die auf deren Anrufe und Unterschriften regieren und wir, die wir ihnen nicht öfter und lauter sagen wie super wir einen belebten Hafen finden. Wer Schuld hat, ist aber auch egal. Wichtig ist, dass wir alle gemeinsam es nicht zulassen, dass uns unser Hafen weggenommen wird und er wieder in den „Dornröschenschlaf“ fällt aus dem wir ihn gerade so mühevoll wachschmusen. Es wäre nämlich noch so, so vieles zu tun, um den Hafen noch belebter zu machen, noch interessanter für noch viel mehr verschiedenste Menschen. Und das Beste daran ist: Wir können diesen öffentlichen Ort noch selbst mitgestalten und erweitern wie es die vielen Initiativen rundherum ja bereits tun. Das macht übrigens auch viel mehr Spaß als Unterschriften dagegen zu sammeln, die Polizei zu rufen oder grantige Artikel zu schreiben 😉

Zum Autor: Unser ehemaliger Chefredakteur Johannes Wouk ist nicht sonderlich objektiv was den Lendhafen angeht, denn er hat hier als Hafenarbeiter schon einiges, bzw. bei einigem mitgemacht. Als Student und Gründungsmitglied der lendhauer hat er mehr als zehn Jahre in Hafennähe gewohnt, als selbstständiger Kommunikationsberater arbeitet er hier auch heute noch in den CoWorking-Spaces und Cafés rundherum. Auch oft und gerne an Projekte, die den Hafen noch ein Stück weiter bringen. Weniger gerne an grantigen Artikeln.

HIER geht’s zur Petition ✍️

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