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Kaffeehaus kLEINfEIN

Christoph Weitschacher hat ein Kaffeehaus in Villach und seine eigene Einstellung zum Leben, zum Wirtschaften und zu vielem anderen. Unsere Bloggerin Daniela Lindhuber hat ihn in seinem kLEINfEIN besucht, weil er das ist, was sie einen Schräggeist nennt.

Was ist deine Leidenschaft?
Der Mensch und sein Dasein ziehen sich wie ein roter Faden durch das Tätigkeitsspektrum von Christoph Weitschacher. Kommunikation, Zwischenmenschlichkeit und das tägliche Miteinander faszinieren den Künstler und Gastronomen gleichermaßen. Wir befinden uns, so meint Weitschacher, in einer Zeit in der das gegenwärtige Leben, der Moment, immer unwesentlicher wird. Durch das KAFFEE kLEINfEIN gelingt es ihm, einen Ort zu schaffen, der zum Verweilen einlädt, um den Tendenzen der Entfremdung entgegen zu wirken. Gestaltung und Farbe, auf der Leinwand oder in einem Raum, eröffnen Weitschacher die Möglichkeit in Besuchern wortlos Stimmungen zu erzeugen – zurückziehen, anhalten, zur Ruhe kommen, genießen, der Zeit beim Vergehen zusehen.

„Ich liebe es Gastgeber zu sein, nebenbei verkaufe ich auch Getränke.“

Als leidenschaftlicher Künstler beschäftigt sich Weitschacher mit zerrissenen, unrunden Lebensentwürfen und -geschichten – ebensolche wie sie auch sein eigenes Leben zu schreiben pflegt. So befinden sich Fragmente menschlichen Daseins nicht nur als Geschichten in den alten Möbelstücken, als Bilder an den Wänden oder zwischen den Seiten der alten Bücher sondern auch als LPs in den Hüllen der Plattencover, die darauf warten von der Nadel wachgeküsst zu werden.

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Womit verdienst du Geld?
„Mit der Beantwortung der ersten Frage!“ sprach’s und lachte laut. Aber Spaß beiseite: Christoph Weitschacher hat begriffen, dass er Reichtum im wirtschaftlichen Sinne nie erreichen wird und so setzt er sich dies gar nicht erst als Ziel. Das gastronomische Einzelunternehmen bildet lediglich die Basis um sich, auf sicheren Beinen stehend, in alle denkbaren Richtungen entfalten zu können.
Das Kaffeehaus stellt eine Einkommensquelle dar, jedoch ist sein neuestes Projekt primär ein Schaffensraum. Weitschacher pflegt eine eigenen Definition von Wirtschaftlichkeit. Wesentlich ist ihm die dezentrale Rolle des Geldes, „… nicht die Bezahlung steht im Vordergrund, sondern das WIE und MIT WEM der Kaffee getrunken wird und dass dabei gesprochen oder eben mal nicht gesprochen wird.“
„Wirtschaftlich war‘s keine Lawine bisher – also weder in die eine noch in die andere Richtung. Schön war’s trotzdem! Ist es der Sinn während einer Ausstellung, bei der 100 Bilder gezeigt werden, auch 100 zu verkaufen? Das spielt das Leben generell nicht!“ so Weitschacher. Damit einher geht die Erkenntnis, wie wenig es braucht um zufrieden leben zu können. „Durch das Weglassen von Viel, gewinnt man Zeit für Wesentliches, Zeit zum Denken und Genießen.“

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 Warum machst du weiter?
„Weil man nie ans Ziel kommt. Nie fertig wird. Immer wieder ankommt, um weitergehen zu können. Es war ein langer Kampf bis ich verstanden habe, dass dies der Prozess meines Lebens ist.“ Und wie weit blickst du dann in die Zukunft? „Bloß nicht zu weit, das macht nur unsicher und bringt dich vom Jetzt weg – vom Menschen, vom kreativen Denken. Denn Zukunft entsteht erst.“ weiß Weitschacher, dessen gastronomisches Konzept zumindest die nächsten zwei Jahre überspannt.

pix: Thomas Moraus, Daniela Lindhuber

Von Wouk