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Kultur und Wirtschaft – das geht!

Die artigundhuber Kulturagentur ist seit kurzem auch als IMSÜDEN.AT- Villachredaktion im Einsatz. Was sich hinter der „etwas anderen“ Werbeagentur verbirgt, warum man sich artigundhuber Kulturagentur nennt und wie die beiden Geschäftsführerinnen so drauf sind, verraten uns Birgit Kronig (artig) und Daniela Lindhuber (huber) im Selbstinterview.

IM SÜDEN: So, Schnufflpuffl! Ich werde dich jetzt interviewen und du wirst dich selbst und unsere Firma bestmöglich präsentieren, okay?!
artig: Super, bin begeistert. Ich werd’s versuchen. Schieß‘ los!

IS: Wirke selbstbewusst, die sollen glauben, wir sind auch so hipster wie sie!
artig: Wie die Klagenfurtredaktion? Allemal, tss! Aber ich denke, auch ein paar Selbstzweifel zwischendurch sind ganz normal und lassen mich authentisch erscheinen. Vielleicht sogar sympathisch!?

IS: Voll sympathisch!! Vielleicht sind deine Selbstzweifel sogar gerechtfertigt?
artig: Fieses Dani! (lacht) Nein, im Ernst, natürlich sind sie das, denn schließlich bin ich mit meinen 31 Jahren ja noch nicht fertig. Also, nicht im Sinne von völlig erschöpft, bereit zum Einrexen etc., sondern vollentwickelt, meine ich. Und ich bin ja auch nicht von Zweifeln zerfressen, sondern frag mich lediglich manchmal, ob ich alldem gewachsen bin. Ich sehe das positiv und wachse mit meinen Aufgaben!

IS: Okay, klingt vernünftig! Dann sprechen wir über deine Texte! Sie sind klassisch bis unkonventionell …
artig: Ich schreibe sehr gerne originelle Texte, wenn’s mal gefragt ist. Sprachlicher Stil, ein Händchen für korrekte Grammatik und Rechtschreibung wurden mir zum Glück in die Wiege gelegt. Aber sooo einfach ist’s dann oft auch wieder nicht, denn jedes Format, bzw. jeder Kunde hat ganz spezifische Anforderungen an mich, die man erst einmal alle kennen oder kennenlernen muss.

IS: Lektorieren tust du aber am liebsten!?
artig: Oh ja, da kann man so schön die Fehler bei anderen suchen, ohne sich fragen zu müssen, was man selber hätte besser machen können, wie das in zwischenmenschlichen Beziehungen so oft der Fall ist. (schmunzelt) Und man möchte nicht glauben, wie viele Menschen das eine meinen und das andere schreiben und sich dann wundern, wieso ihre Botschaft beim Leser nicht korrekt ankommt. Ich ruf dann oft beim Verfasser an und frage nach, was er uns mit dem einen oder anderen Satz mitteilen wollte. Manchmal ist das eine heikle Angelegenheit, weil sich die Leute durch diese Frage oft vor den Kopf gestoßen fühlen. Aber das kennst du eh!

IS: (Grinst) Ja, deine sadistische Ader ist immer wieder ein Genuss, wenn’s ums Lektorieren meiner Texte geht. Kommen wir lieber zur nächsten Frage: Wo und wie gewinnst du deine Inspiration?
artig: Kann ich dir nicht sagen! Nächste Frage!

IS: Bäh! Okay, anders formuliert: Hast du eine Methode, wie du deine Ideen entwickelst? Ein Ritual?
artig: Auch nicht! Ideen kommen mir meistens außerhalb des Büros, wenn mich die Arbeit bis in die Freizeit verfolgt. Vieles wird auch von Dir angeregt. Das funktioniert natürlich auch andersrum, gell!?

IS: So ist es! Mein Gehirn arbeitet besser, wenn Du neben mir sitzt.
Erzähl einmal, was waren deine größten Projekte bisher?
artig: Oje, wo soll ich anfangen? Am Kärntner Landesarchiv hab ich mehrere Bücher lektoriert. Das dickste hatte um die 3.000 Seiten. Wenn du das acht Stunden täglich, fünf Tage die Woche und über mehrere Wochen hin machst, darfst du nicht zu Depressionen neigen. (lacht)

IS: Und dafür hast du dich täglich frühmorgens in den Nebelmoloch bewegt? Du musst das, was du tust, echt lieben, oder? Sonst noch ein paar masochistische Züge?
artig: Genügend! Für einen Verlag hab ich eine Zeit lang Sachbücher auf jeweils acht Seiten zusammengefasst. Dabei ging’s hauptsächlich um Marketing und Unternehmensführung, also hab ich auch gleich etwas Nützliches gelernt dabei.
Und dann waren da natürlich noch die EU-Projekte rund um das Orchester Purpur. Das hat mit den Förderanträgen, die sehr textintensiv sind, begonnen, ging über die Organisation und laufenden PR-Maßnahmen und endete beim Projektreport, der fast so aufwendig ist wie ein Antrag. Das waren meine Lieblingsprojekte, weil ich dabei so viele interessante Leute kennengelernt habe: Mitglieder der Wiener und Berliner Philharmoniker, das Enfant terrible der Klassikwelt Nigel Kennedy und natürlich ganz viele tolle und liebe Musikerinnen und Musiker, die man jetzt nicht so kennt.

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IS: Erklär den Leuten doch einmal, welche Idee hinter unserer gemeinsamen Firma, der artigundhuber – Kulturagentur, steckt! Hätte mich immer schon einmal interessiert, womit wir nach Jahren gemeinnütziger Kulturarbeit nun endlich unsere Brötchen verdienen wollen! (lacht)
artig: Sehr witzig! Wie du dich vielleicht noch erinnern kannst, hatten wir die Idee, unsere Leistungen in den Bereichen Text und Grafik, bzw. PR und Marketing den Künstlern und Kulturbetrieben anzubieten. Ich sehe darin für beide Seiten große Vorteile: Unsere Kunden können Aufgaben kostengünstig an eine kulturaffine Agentur auslagern und müssen weder teures Personal anstellen noch die Selbstausbeutung in den Vordergrund stellen. Da aufgrund mangelnder finanzieller Mittel und teilweise auch Vorbehalten gegenüber klassischen Werbeagenturen Kulturschaffende primär in Personalunion arbeiten, erhoffen wir uns, durch unser Angebot und die zunehmende Nachfrage auch eine Professionalisierung in der Kulturszene und hier insbesondere auf der Verwaltungsebene zu erreichen.
Und umgekehrt sind wir mit diesem Konzept nicht auf einen einzelnen Arbeitgeber beschränkt, sondern haben viele Auftraggeber, sind also flexibel und unabhängig von einzelnen Kunden.

IS: Trotzdem erwarten wir, dass die Kulturschaffenden Geld in uns investieren, das sie vorher nicht oder anders investiert haben, bzw. gar nicht besitzen.
artig: Find’s sehr lustig, dass du für das Interview eine partielle Amnesie vortäuschst! Aber gut! Wie du weißt, setzen wir da schon ein bisserl ein wirtschaftliches Denken voraus. Werbung kostet nicht nur Geld, sondern bringt dieses auch wieder herein, bestenfalls noch mehr davon. Außerdem bieten wir auch Unterstützung bei Sponsoring- und Förderanträgen an, was zu einer Erhöhung der zur Verfügung stehenden Mittel führen sollte. Klar ist, es kann nicht mehr Geld für alle geben. Deshalb wird in Zukunft die Qualität entscheiden müssen, idealerweise nach klar definierten Förderkriterien.

IS: Ja, jetzt fällt’s mir wieder ein: Wir werden den Antragstellern dabei helfen, diese Kriterien zu erfüllen, stimmt’s!?
artig: So ist es! Auch wenn diese Kriterien noch nicht von allen Förderstellen klar definiert sind, erhöhen ein gutes Konzept und professionelles Ansuchen schon jetzt die Chancen, gefördert zu werden.

So, jetzt bist aber du dran! Rollentausch!

IS: Erzähl den geneigten Leserinnen und Lesern doch einmal, wie wir auf unseren Firmennamen „artigundhuber“ gekommen sind!
huber: Wenn ich mich recht erinnere, war’s Winter draußen und wir sind beide gemütlich auf der Couch gelegen und haben uns FB-Nachrichten geschickt. Ein Vorschlag von mir, ein Vorschlag von dir, viel Blödsinn und dann hast du mir „artigundhuber“ geschickt. Ich war gleich voll begeistert und musste dich dann über Wochen hin von deiner eigenen Idee überzeugen.

IS: Fishing for compliments, nennt man das, glaub ich. (lacht) Und was bedeutet „artigundhuber“?
huber: Na ja, „art“ steht für Kunst, „ig“ ist von Kronig übrig geblieben und „huber“ kommt von Lindhuber. Jetzt bist du artig und ich huber. Klingt irgendwie nach einer Anwalts- oder Steuerberaterkanzlei oder so, also voll Business halt! Wir sind ja auch nicht „nur“ Kulturagentur, sondern können auch als klassische Werbeagentur gebucht werden.

IS: Und dann hast du unser Logo entworfen. Gefällt mir übrigens sehr gut!
huber: Ohhh, danke! Ich hab mich da ein bisschen an Piet Mondrian angelehnt, weil ja unser Motto auch ist: Reduktion auf das Wesentliche – und ich sowieso keine Chichi-Grafikerin bin. Die beiden Farben hab ich passend zu unseren beiden Persönlichkeiten gewählt. Ein paar Wochen nach Fertigstellung ist dann plötzlich die Modewelt nachgezogen und hat alle möglichen Klamotten in türkis und koralle auf den Markt gebracht… aber ich sag’s ja schon lang, die überwachen meinen PC!

IS: Eine Trendsetterin, wie sie im Buche steht!
huber: (lacht) Jedenfalls sind wir dann gleich shoppen gegangen und haben uns für unser Photoshooting mit Detlef Löffler von loefflerpix eingekleidet – im Logostil, versteht sich!

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IS: Ich kann mich dunkel dran erinnern! Wie bist Du überhaupt zum Grafikdesign gekommen? Du hast ja eigentlich Angewandte Kulturwissenschaften studiert!
huber: Kunst und Design haben mich immer schon interessiert. Angefangen hat alles damit, dass ich an die Kunstuni wollte (lacht) … zum Scheitern verurteilt, schon vor Bewerbungsabgabe. Sinnkrise, Technische Chemie, Sinnkrise, Idee: Ich bin Hintergrund! Soll heißen, ich kann organisieren, ich kann das Chaos der anderen in geregelte Bahnen lenken, also warum nicht für die anderen alles bereitstellen, damit sie arbeiten können!? In meinem Fall sind die anderen Künstler und Kreative, das wuselig-chaotische Volk, bei dem ich mich am wohlsten fühle. Als ich dann begonnen habe, in Kulturprojekten mitzuarbeiten, war ich schnell diejenige, die Plakate und Flyer entworfen hat, Sachen sortiert, Konzepte geschrieben, Abläufe definiert und Zahlen jongliert hat. Das war quasi learning by doing und heuer hab ich dann den Diplomlehrgang für Werbegrafik absolviert, um zumindest dem kreativen Anteil in mir einen Namen zu geben, der Rest meiner beruflichen Existenz ist namenloser Self-made-Wahn.

IS: Du hattest ja bis Ende letzten Jahres ein eigenes Café, die Kulturhof:kantine in der Villacher Lederergasse, und bist seit Jänner Obfrau des Vereins kult:villach. Du weißt, ich halte dich deshalb für leicht geistesgestört. Warum tust du dir das alles an, also neben deiner Agenturvollzeitarbeit?
huber: Das Café habe ich aufgegeben, weil es mich zu sehr beansprucht hat. Ich bin ein Tausendsassa und hab irgendwann bemerkt, dass ich nur noch in meinem Café stehe und keine Zeit mehr habe für all die anderen Projekte, die mich interessieren. Etwa zur gleichen Zeit hat Simone Dueller angekündigt, dass sie sich aus dem Verein zurückziehen möchte. Da ich den Kulturhof:keller seit 2011 mitaufgebaut und auch schon die Gastro im Kulturzentrum überhatte, war für mich recht schnell klar, dass ich als neue Obfrau einspringe. Dass das Ganze eine (über)fordernde Aufgabe wird, war mir irgendwie klar, aber in mir steckt dieses Balg, das in solchen Momenten lautstark brüllt: „Ich will das, ich kann das, ich krieg das schon hin, lass mich das machen!!!“

IS: Du bist momentan also Vereinsobfrau, führst die Kellerbar als Gastwirtin und betreibst mit mir gemeinsam eine Werbeagentur. Ist das nicht manchmal etwas viel auf einmal?
huber: Ja, doch, manchmal laufe ich ziemlich im Kreis. Das Gute ist, dass sich der Keller, meine Kellerbar und unser Agenturbüro allesamt im selben Areal, sprich im Kulturhof befinden. Auf diese Weise kann ich schnell hin und her springen, wenn einer der Künstler während den Proben etwas braucht oder eine Getränkelieferung ankommt oder wir wieder einmal Wasser im Keller haben. (lacht) Aber das ist ja nur der Alltag. Schwierig wird’s, wenn die Agentur ein großes Projekt umsetzt und zeitgleich für den Verein Konzepte zu schreiben, Flyer zu gestalten und Buchhaltung zu erledigen wären. Dann dreh ich ein bisschen am Rad, aber das kennst du ja?! (grinst)

IS: Erinnere mich bloß nicht an den überfluteten Keller! Aber sonst hat die Kombination schon ihre Vorteile, oder?
Auf jeden Fall! Viele Agenturkunden, vor allem andere Vereinsleute, Künstlerinnen und Künstler habe ich bei meiner Arbeit im Keller kennengelernt. Andersrum profitiert natürlich auch der Verein von unserer Kulturagentur, da hier schon ganz besondere Kompetenzen in Sachen Grafik, Text und Kulturmarketing vorhanden sind, auf die nicht jeder Verein jederzeit zugreifen kann.

IS: Der Keller hat sich ja mit der Übernahme durch dich schon etwas verändert. Welches Konzept steckt dahinter?
huber: Ähnlich wie bei unserer Kulturagentur fußt auch das Konzept des Kulturhof:kellers auf dem Gedanken, den Kulturvereinen, den Künstlerinnen und Künstlern das Leben zu erleichtern. Für den Keller heißt das, dass wir Veranstaltern günstige und flexibel nutzbare Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Der Verein kult:villach nimmt sich als Veranstalter im Vergleich zu den Vorjahren zurück und macht durchschnittlich nur noch eine Eigenveranstaltung im Monat. Ich hoffe, dass die neuen Strukturen das Zentrum für die nächsten Jahre absichern und auch eine Reduktion der Selbstausbeutung von Vereinsmitgliedern bedeuten!

IS: Und jetzt noch eine Frage zu dir persönlich. Du sprudelst ja nur so vor lauter Kreativität und Lebensfreude, mit dir wird’s irgendwie nie fad. Wen oder was brauchst du im Leben, damit du so positiv sein kannst?
huber: Och, du bist ja lieb! So kenne ich dich ja gar nicht!

IS: Tja, fürs Interview! Also?
huber: Hochs und Tiefs, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt – ich versuche schon mein Leben lang, meine Mitte zu finden, steh‘ ja auch auf Yoga, Buddhismus und etwas alternativere Weltanschauungen und trotzdem reißen mich meine Persönlichkeiten oftmals ziemlich auseinander. Struktur und Kreativität, Organisation und Leidenschaft, Buchhaltung und Schräggeisterinterviewsschreiben schließen sich aus? Nääää (lacht) … nicht, wenn man so großartige Menschen wie dich um sich hat, die einen wieder auf den Boden holen und die schiefe Optik gerade rücken!

IS: Oi, heute können wir’s aber wieder! Danke für das Interview, liebe huber!
huber: Danke auch dir, liebste artig, du!

Pix: artigundhuber Kulturagentur, löfflerpix