Interview
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"Langweile dein Publikum NICHT!"

SR1-Geschäftsführer Philipp Smuck weiß, worauf es beim Werben ankommt, schließlich ist er in einer Agentur aufgewachsen. Heute beschäftigt er sich täglich mit Traktoren, Hühnern und Autoreifen ohne, dass ihm dabei fad wird. Er kontrolliert das Chaos und muss zwischendurch nur noch kurz den Süßwassersüden retten…

In „der Agentur“ geht es drunter und drüber. Leute flitzen von links nach rechts, Papiere rascheln, Tastaturen klappern und die Kaffeemaschine schiebt zischend Doppelschichten. „Ich hab gleich Zeit für dich, ich muss nur noch…“ ruft ein bärtiger junger Mann in modischen Klamotten mitten aus dem Chaos, das er irgendwie zu kontrollieren scheint, dann bricht die Verbindung ab. Stunden später hat er dann wirklich mal Zeit und lässt sich in seinen kunterbunten Brainstorm-Stuhl fallen. Er schnauft mal durch und fragt: „Was wolltest du nochmal? Achja, Interview oder? Geht schon! los.“ Die blauen Augen werden bohrend, volle Aufmerksamkeit, höchstes Interesse: „Langweil‘ mich jetzt bloß nicht“ scheinen sie zu sagen. Na gut!

IMSÜDEN.AT: Was zum Teufel tust du noch im Süden?
PHILIPP SMUCK: Ich bin hier geboren und will meinen Lebensmittelpunkt auch immer hier haben. Schließlich ist das hier ein wunderschöner Ort, der Süßwassersüden, Klagenfornia, was will man mehr. Mich hat der Süden nie losgelassen.

IS: Du bist also ein Eingeborener, der nie weggekommen ist?
PS: Naja, es ist ja nicht so als hätte ich es nicht versucht. Ich war eine zeitlang in Wien und hab auch mal in Graz studiert. Aber wenn man mitten in der Partymeile, und zwar direkt über dem „Kultuskeller“, wohnt und sämtliche Freunde noch dazu als Kellner in diversen Studentenlokalen arbeiten dann… na sagen wir mal so: ich glaub ich hatte BWL inskribiert, oder irgendwas mit Wirtschaft halt. (lacht)

IS: Klingt nach einer lustigen Zeit.
PS: Ja, das war sie auch. Aber sicher keine Dauerlösung. Ich bin dann relativ schnell wieder nach Klagenfurt, hab hier Publizistik studiert, aber mich hauptsächlich im Familienbetrieb hochgearbeitet. Meine Eltern haben ja bereits 1984 die Werbeagentur DIE1NS gegründet.

IS: Von damals ist wohl auch noch die Büroeinrichtung, wenn ich mich hier so umsehe…
PS: Jaja, schon klar, wir sind derzeit noch unfreiwillig retro, aber wir warten einfach bis die Büromöbel Antiquitäten sind, verkaufen sie teuer und besorgen uns dann von dem Geld richtig geile Designermöbel (lacht). Nein, wir hatten während der Neugründung der Agentur noch keine Zeit neu einzurichten.

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IS: Neugründung? Jetzt mal der Reihe nach, wir waren erst bei 1984.
PS: Ok, ich bin 1982 geboren und buchstäblich MIT der Agentur groß geworden, bin in die Werbung und die Kärntner Agenturszene hineingewachsen. Mein Vater (Gerhard Smuck) und meine Mutter (Ingrid Smuck) haben mich immer mit ins Büro genommen und auch zuhause, am Küchentisch war „die Firma“ immer Thema. Kein Wunder, dass ich in die Werbung gegangen bin. Obwohl mein Vater das nie wollte, wahrscheinlich weil er weiß, was für ein Knochenjob das ist.

IS: Ach komm, in der Werbung ist doch eh immer nur Party, lauter Modells, Gratisgetränke und Orgien im VIP-Bereich.
PS: Haha, manche Leute scheinen das wirklich zu glauben. Aber ich komm da irgendwie nie dazu. Mein Arbeitstag beginnt meistens damit, dass ich mit tausend Aufgaben im Kopf in die Agentur komme um dort schlagartig mit tausend ganz anderen Problemen konfrontiert zu werden. Dann check ich erstmal meine Mails, auch wenn meine Projektleiterin mir immer vorwirft, ich würde die Dinger nie lesen. Als Nächstes beschäftige ich mich mit tagesaktuellen Problemlösungen, die mich davon abhalten das zu tun, was ich eigentlich tun wollte. Das Mittagessen lass‘ ich meistens gleich aus, um bis mindestens 18 Uhr zu schauen, dass alle in der Firma wissen, wie sie was zu machen haben. Am Ende sollte ich der Einzige bleiben, der das nicht weiß (lacht). Dann geh ich nach Hause und esse mit meiner jungen Familie zu Abend, verbringe Zeit mit meiner Tochter. Von zehn Uhr abends bis drei Uhr früh, also in der Zeit wo ich eigentlich bei deinen Werbefuzzi-Orgien im VIP-Club sein sollte, mach ich dann meistens das, was ich den ganzen Tag über eigentlich hätte tun sollen.

IS: Oje, das ist ja dann doch ein furchtbarer Job.
PS: Ein fruchtbar herrlicher Job, sag ich immer. Unter extremem Kosten- und Zeitdruck auf höchstem Niveau und am Puls der Zeit markt-, zielgruppen- und kundenorientiert, strategisch kreativ zu sein und vor allem auch zu bleiben ist eine irre Herausforderung, die mir aber auch wahnsinnig viel Spaß macht. Ich könnt gar nicht anders!

IS: Du bist also Vollblut-Kreativer. Aber wieso hast du deine neue Firma dann SR1 genannt? Klingt ja jetzt eher nach dem neuesten Automodell von Honda und nicht nach einer professionellen Kreativschmiede.
PS: Naja, zumindest fragst du dich was SR1 bedeutet oder? Es ist einfach eine Abkürzung. Das steht für SMUCK, ROYER & DIE EINS. Ich, mein Partner Karl Royer und meinen Vater, die ewige Eins, haben aus der seit 30 Jahren bestehenden DIE1NS nun eine GmbH gemacht. Wir wollen darauf aufbauen, was mein Vater geschaffen hat und eine überregionale Werbeagentur sein. Der erste Schritt dazu ist unser Büro in Wien, wo Karl Royer die Kreativabteilung leitet. Klagenfurt bleibt aber die Zentrale!

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IS: Was unterscheidet euch von den tausenden anderen Werbeagenturen in Österreich?
PS: Unsere Arbeit spricht für sich selbst und Eigenlob stinkt ja bekanntlich. Aber wir haben eben einen extrem hohen Anspruch an unsere Kreativität, dazu reichhaltige Erfahrung, nicht nur im regionalen Raum und versuchen immer am Puls der Zeit zu bleiben. Ich denke, das gelingt uns bisher sehr gut. Unser Job ist es, Marken aufzubauen, Geschichten über sie zu erzählen, sie mit Leben zu erfüllen und am Ende des Tages Erfolg für das Unternehmen zu generieren. Dabei ist meiner Ansicht nach, das einzige Gesetz, das in der Werbung wirklich besteht: „Langweile dein Publikum nicht!“. Alle anderen Regeln kann und sollte man auch von Zeit zu Zeit brechen, aber die Leute zu langweilen ist für mich unentschuldbar!

IS: Oh, das klingt ja mehr nach einer Mission als nach einem Geschäftsmodell. Ihr habt aber schon auch „richtige“ Kunden oder?
PS: (Lacht) Ja, wir verdienen schon auch Geld. Wahrscheinlich haben wir in den letzten 30 Jahren wohl so ziemlich jedes Unternehmen in Kärnten mal betreut. Einer unserer langjährigsten Kunden, den wir fast schon familiär betreuen, ist die WECH Geflügel GmbH. Mit SOLCRAFTE haben wir eine höchst innovative Marke der KIOTO-Gruppe im Programm. PLANKENAUER und FAST BOX machen uns viel Spaß und derzeit bauen wir rund um Schladming, dem Heimatort meines Partners, einen eher touristischen Kundenstock auf. Das derzeitige Highlight ist aber sicher STEYR-TRAKTOREN, die wir im Vorjahr gewinnen konnten und nun europaweit betreuen dürfen.

IS: Traktoren, Hühner, Solarenergie und Reifen? Klingt für mich schon wieder etwas öde. Macht dir das wirklich Spaß?
PS: Für mich sind das alles sehr spannende Themen. Außerdem glaube ich, dass es nur einen Weg gibt ein wirklich schlechter Werber zu werden: Indem du glaubst, was dich nicht interessiert, interessiert auch sonst keinen. Es gilt Denjenigen zu verstehen, der das Produkt braucht, der sich dafür interessiert, der es vielleicht sogar liebt und sich dann in ihn hinein zu versetzen.  Zum Beispiel haben Bauern eine ganz eigene Beziehung zu ihren Traktoren, auch eine sehr starke emotionale Bindung. Da setzen wir derzeit sehr humorvolle Sachen um. Das macht richtig Spaß! Der Job ist außerdem irrsinnig abwechslungsreich. Wer kann sich schon mit so vielen unterschiedlichen Themen auseinandersetzen?

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IS: Was ist derzeit dein liebstes Projekt, das coolste was du vorhast? Du weißt, da gibt es jetzt nur eine richtige Antwort.
PS: Schon klar. Natürlich das hier. IMSÜDEN.AT war schon vor langer Zeit meine Idee, ist seither mein Traum und wird jetzt endlich Wirklichkeit. Hat ja auch lang genug gedauert. Ich bin schon unglaublich gespannt wo die Reise hin geht!

IS: Woher kommt die Idee zu IMSÜDEN.AT?
PS: Seit ich in meiner Studienzeit, mit dir gemeinsam, unser kleines CampusBlatt gemacht habe, hat mich die Medienmacherei nicht mehr losgelassen. Sie ist sowas wie mein Hobby, meine heimliche Liebe, wenn du so willst. Inhalte zu generieren, sie zu verbreiten und zu sehen wo das hinführt interessiert mich einfach ungemein. Außerdem wollten wir nicht einfach den tausendsten Agenturblog von links schreiben: „Was unsere neuen Zimmerpflanzen im Büro mit Content-Marketing zu tun haben“ oder irgend so einen gespreizten Blödsinn. Das braucht nun wirklich keiner.

IS: Was macht IMSÜDEN.AT?
PS: Es ist erstmal ein Versuch. Eine BETA-Version. Eine experimentelle Spielweise für Online-Content in den verschiedensten Formen. Ich will’s gar nicht zu sehr in irgendein Schema pressen. Ich will nichts ausgrenzen, außer vielleicht tagesaktuelle Inhalte oder Politisches. Sonst ist uns jedes Thema recht. Wir wollen einfach guten Online-Content machen.

IS: Das könnte man aber auch in Wien machen…
PS: Mag sein, aber wir wollen die Kreativität im Süden fördern. Wir wollen das kreative Umfeld in Kärnten auf ein neues Level heben und in Zukunft auch wieder mehr Jugend ausbilden. Denn im Land gibt es sehr viel Talent, aber leider auch sehr viel abgewandertes Potential. Hier wird so viel gejammert, wir wollen lieber was verändern. Unsere Wurzeln sind hier und es ist ein so schöner Platz mit so vielen spannenden Geschichten, da ist es zumindest den Versuch Wert, finde ich!

IS: Ist ja alles schön und gut, aber was hat die Agentur davon?
PS: Die Agentur zahlt erstmal kräftig drauf (lacht), aber IMSÜDEN.AT ist ein kreatives Labor, wo wir neue Wege für Content und Werbung gehen wollen. Etwas wo wir lernen wollen, Grenzen aufbrechen können. Außerdem glaube ich, dass die Agentur der Zukunft mehr wie eine Redaktion arbeiten muss. Die Kommunikation für die Kunden wird immer tagesaktueller, du musst am Puls der Zeit sein und die Themen aufgreifen, die relevant sind.

IS: Und wenn es nicht funktioniert?
PS: Dann haben wir es wenigstens ordentlich an die Wand gefahren, sind grandios gescheitert und haben dann sicher auch extrem viel gelernt. Achja, und du bist deinen Job los! (lacht)

IS: (Lacht nicht).

Pix: Johannes WoukSeverin Wurnig


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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