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Bewegungsfreiheit im Lieblingsstück

Upcycling im Süden pt.II: „…als Mutter setzt man sich noch mehr damit auseinander, was mit unserer Welt passiert…“, erzählt mir Franziska vom Klagenfurter Kindermoden-Label Lieblingsstück. Bei den kleinen, bunten Hosen, die sie zusammen mit Melanie, herstellt und vertreibt, geht es genau darum: Den eigenen, kleinen Beitrag für eine gesündere, nachhaltigere Zukunft der Welt zu leisten. Die Stücke, die beim Label zum Lieblingsstück werden, sind aus alten Klamotten zusammengestellt –Upcycling also, wie wir es schon bei Marie Lenoble und OttO und AnnA kennenlernen durften.

Upgecyclte Kindermode, davon hat aber nicht nur die Umwelt was: Warum die Lieblingsstücke aus Melanies und Franziskas Hand auch für den Nachwuchs von Vorteil sind und wie es ist, die Rollen der Mama und der Unternehmerin unter einen Hut zu bringen, haben die beiden uns bei geselliger Runde, umgeben von Lieblingsstücken und turnenden Kindern, erzählt.

IMÜSDEN.AT: „Mein Lieblingsstück“ ist seit 1.Juli 2014 als Gewerbe gemeldet: Wie läuft’s an? Seid ihr schon fleißig am verkaufen?
Melanie: Ja gut. Wir haben uns ja einfach gedacht, man muss auch mal eine Idee verwirklichen. Wir probieren wie’s geht, und bis jetzt wachsen wir. So wie’s bisher läuft, sind wir voller Freude dabei. Aber mit zwei und eineinhalb Kindern ist die Zeit doch ziemlich beschränkt.

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IS: Wie funktioniert das, Mama zu sein und gleichzeitig Unternehmerin?
Melanie: Gut, wenn man jemanden hat, der die Kinder nimmt (lacht).
Franziska: Das ist der Aspekt, der am schwierigsten ist: Wie arbeitet man als Mutter? Ehrlich gesagt: meistens arbeiten wir in die Nacht, wenn mindestens ein Kind schläft und das andere Betreuung hat. Am meisten Zeit in Anspruch nimmt das Zuschneiden. Genäht ist schnell. Aber zu schauen, was passt zusammen von der Stoffbeschaffenheit, der Farbe und der Dichte und alles zu einem ganzen Teil zusammen zu fügen, das ist die große Kunst.
Melanie: Dann kommt noch ein bisschen was dazu, zum Beispiel das Etikett, das ist selbstgebastelt. Die Hose muss fotografiert werden, in den Online-Shop kommen… Es steckt also schon viel Arbeit in einem Stück.

IS: Jede Hose sieht anders aus, ihr verwendet auch lauter verschiedene Stoffarten: Wo kriegt ihr die Stoffe her?
Melanie: Zurzeit ist es so, dass wir die Geschichte der Stoffe noch kennen, weil sie von uns selbst oder unserer Familie sind. Der Stoff der Hose hier zum Beispiel kommt aus Indien, den hat die Mama mitgebracht und er war vorher ein Vorhang.
Franziska: Oder Leute bringen was vorbei. Viele sind dankbar, wenn wir Ihnen die alten Kleider abnehmen, die wissen oft gar nicht wohin, mit diesen Bergen an Klamotten. Und es freut die Leute, wenn sie unsere Sachen dann irgendwie sehen.

IS: Welche Stoffe verwendet ihr?
Melanie: Generell verwenden wir alles was ansatzweise Naturmaterialien sind, vor allem viel Baumwolle.
Franziska: Am Anfang haben wir vor allem T-Shirts und Sweatshirts verwendet. Wir kriegen aber natürlich auch andere Sachen und da versuchen wir alles so gut wie möglich zu verwerten und so wenig wie möglich wegzuschmeißen. Wichtig bei Kleidung für Kinder ist außerdem, dass die Stücke schon tausendmal durchgewaschen sind, damit werden sie schadstoffarm.

IS: Es gibt also nichts, was sich nicht verarbeiten lässt?
Melanie: Aktuell arbeiten wir an einem Schnitt für einen Rock, weil dort wieder ein Teil der Stoffe, den wir bisher weggeschmissen haben, Verwendung findet. Und so kommen wir immer auf neue Ideen, was man noch machen kann. Wir wollen so wenig wie möglich wegwerfen.
Franziska: Aus ganz kleinen Stoffresten machen wir Patches auf die Hosen. Das ist ein ganz kleiner Rest, den wir noch verwenden können. Das gefällt mir, wenn der Rest, den man gar nicht verwenden kann, ganz wenig ist. Und nur das trag ich dann zum Müll.

IS: Und die Bündchen, woher kommen die?
Melanie: Die kaufen wir zu. Das sind GOTS-zertifizierte Kleidungsstücke. Uns war es hier wichtig ein rundes Konzept zu haben, ganzheitlich nachhaltig zu sein. GOTS ist eins der strengsten Siegel, das es gibt, wenn es um Biobaumwolle geht.
Franziska: Und auch bei der Produktion haben wir aufs Konzept geachtet: Da passt es, dass wir nicht in China produzieren lassen, sondern hier in Klagenfurt.

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IS: Ihr näht also gar nicht selber?
Melanie: Am Anfang haben wir selber genäht, aber wir sind beide keine Schneiderinnen. So machen wir jetzt alles, bis auf das Nähen. Wir fertigen Prototypen, aber wenn wir zum Verkauf produzieren, geben wir die Stücke zu pro mente. Die haben Angestellte, die dort einen fixen Arbeitsplatz haben, also nicht projektbezogen.

IS: „Die Kleidung wächst mit“, schreibt ihr auf eurer Homepage. Wie ist das zu verstehen?
Melanie: Wenn man die Bündchen umbiegt, verringert das am Korpus und unten, dann werden die Beine kürzer. Wenn man die Bündchen aufklappt werden sie wieder länger. Dadurch haben wir bei der kleinsten Hose erst Größe 56 und wenn sie ganz ausgestülpt ist Größe 74. Das heißt die kleinen Hosen kann man echt ein Jahr tragen. Die Mittlere kann man wahrscheinlich fast zwei Jahr tragen. Die größte Größe sogar mehr als zwei Jahre. Und bei den Erwachsenen sind wir drauf gekommen, dass es einfach super Schwangerschaftshosen sind. (lacht)

IS: Wie seid ihr auf die Idee zu „Mein Lieblingsstück“ gekommen?
Franziska: Wir wickeln beide mit Stoffwindeln und da ist das Windelpaket einfach größer. Da hat man Problem, dass man die Kinder mit Stoffwindeln in diese normalen Hosen überhaupt nicht rein kriegt. Oder sie können sich überhaupt nicht bewegen. Es war sinnlos, das Kind da rein zu pressen. Da kam eben die Idee, selbst etwas zu nähen, etwas, wo man sich gscheit bewegen kann. So haben wir angefangen.
Melanie: Plus – wir haben beide Buben gehabt, und wenn man in die Shops schaut gibt’s da grau, blau und vielleicht noch was Grünes. Das war uns zu fad.

IS: Dann habt ihr selbst Hosen gemacht und die Freundinnen wollten gleich auch oder wie?
Melanie: Ja genau: „Coole Hose hat der an – Machts uns auch solche!“ Seit 1. Juli dieses Jahres gibt’s dann unser Gewerbe.

IS: Was steht bei euch im Vordergrund, das Jungunternehmertum oder die Idee, etwas bewegen zu wollen?
Franziska: Ich glaube als Mutter setzt man sich noch mehr damit auseinander, was mit unserer Welt passiert und was man vielleicht ein bisschen besser machen kann. Man redet viel, man diskutiert viel: Man kann soviel sparen. Ein Kind trägt ein Outfit am Anfang vielleicht einen Monat. Oft nicht einmal. So ist das Ganze entstanden, weil man sich einfach viel damit auseinandersetzt.
Melanie: So wie das Konzept jetzt ist, werden wir sicher nicht reich. Es ist eher ein Hobby und eben der Gedanke, etwas zu bewegen. Wir wollen einfach darauf aufmerksam machen: Was zieht man sich selbst an, was zieht man dem Kind an? Wie geht man mit der Welt um? Wie geht man mit Ressourcen um? Das ist ja auch am Puls der Zeit.
Franziska: Dabei ist die Idee nicht neu: Aus alt mach neu.
Melanie: Das hat meine Großmutter schon gemacht und das macht meine Tante. Früher hat man sicher aus der wirtschaftlichen Not heraus so gehandelt und heutzutage, sollte man vielleicht aus einem gewissen Bewusstsein heraus so handeln.

 

pix: Valerie Woop


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Lucia Schöpfer
  Lucia Schöpfer | Mag ihre bayerische Heimat und dass Kärnten der so ähnlich ist | IMSÜDEN immer da, wo’s was ..
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