Interview
Marcel Mild
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„Immer mehr weg vom sinnlosen Eigentum“

Marcel Mild, so muss ein schneidiger Businessman heißen. Mit Grips und Charme und ganz viel Engagement hat sich Marcel dem Wohnen der Zukunft verschrieben. Mit seinem Living Container Projekt will er den Klagenfurtern das Wohnen in der Community einer Containersiedlung schmackhaft machen. Im hohen Gras zwischen hohen Kränen steht der momentan: Der Prototyp der bewohnbaren 25-Quadratmeter. Hier treffe ich Marcel und freue mich, im schicken Ambiente auf mehr Infos zum Projekt.

IMSÜDEN.AT: Living Container, sowas ‚urbanes‘ kommt aus dem Gailtal?
Marcel Mild: Eigentlich bin ich gebürtiger Steirer, aber die Liebe und jetzt die zwei Kinder haben mich ins Gailtal verschlagen. Dort können wir den Kindern bieten, im Grünen aufzuwachsen. Und natürlich können wir mit unserem Projekt die regionale Wertschöpfung dort aktiv fördern. Das Gailtal ist eine Region, die vom Aussterben bedroht ist. Dort wandern sehr viele junge Leute ab und es kommt wenig nach. Mit unserem Produkt, das wir dort erzeugen, schaffen wir Chancen. Das Handwerk ist das brachliegende Potential und Living Container bauen kann man vermutlich an keinem Ort besser als im Gailtal. Das nutzen wir im positiven Sinne aus und tragen dann das Produkt, also den Container, in die große weite Welt. Erst mal nach Klagenfurt und dann natürlich auch weiter.

IMSÜDEN.AT: Wie kam‘s zur Idee vom Living Container im Gailtal und in Klagenfurt?
Marcel Mild: Ich war länger beruflich tätig in den Häfen von Rotterdam und Amsterdam. Da hat man viel mit Containern zu tun. Ich war schon immer von der Technik dieser Konstrukte begeistert, teilweise hatte ich auch mein Büro da drin. So ein Container bietet alles, was man braucht als Grundgerüst. Dann hab ich ein bisschen getüftelt, sehr viel Zeit in den Containern verbracht und weiter gedacht. Im Gailtal habe ich Partner gefunden, das Konzept ist entstanden, der Prototyp und jetzt eben auch die Umsetzung.

IMSÜDEN.AT: Und nach Klagenfurt? Die große weite Welt ist auch kein Problem: Ist ja ein Container – Mobilität ist da automatisch mit inbegriffen.
Marcel Mild: Mobilität ist auch eine Säule, die wir als Wettbewerbsvorteil nutzen. Wenn wir ein Gebäude errichten aus Containern, egal ob 40 oder 300, kann man die nach 20 Jahren wieder wegbringen. Man kann somit Flächen temporär nutzen. Das ist etwas, was ein normaler Bauträger schwer bis gar nicht wirtschaftlich umsetzen kann. Da haben wir einen großen Vorteil.

IMSÜDEN.AT: Bleiben wir noch kurz beim Container: Wenn ich den von außen sehe, denke ich als erstes an Aussteiger, die in Bauwägen wohnen. Wer zieht in so einen Container ein, außer dem Alternativo?
Marcel Mild: Nimmt man vielleicht an. Aber unsere Anfragen zeigen, dass diese Form des Lebens und Wohnens in der breiten Bevölkerung angekommen ist. Wir haben sehr viele Pensionisten, Studenten, Singles und Pendler. Den Container vom Aussehen her Container sein zu lassen, hat auch folgenden Grund: Wir wollen zeigen, was dahinter ist, die Realität: Das ist ein Container, das ist brachial, aber das wollen wir: Das Schlichte und das Einfache. Das spiegelt sich auch im Konzept wieder: Auf 25 qm alles unterzubringen, was man zum Leben braucht, ist ja auch schlicht, simpel und einfach. Und das ist unsere Einstellung.

IMSÜDEN.AT: Sieht sie so aus, die Zukunft mit einem Lebensstil im Container mit wenig Platz?
Marcel Mild: Ich gehe definitiv davon aus, dass diese Form des Wohnens sicher sehr zukunftsweisend sein wird. Die Plätze, vor allem im urbanen Raum werden immer weniger, Land ist nicht vervielfältigbar. Und, vor allem in der Jugend findet auch ein gesellschaftlicher Wandel in Richtung NUTZEN statt. Es geht nicht mehr um Eigentum. Was bringt mir ein Auto, das fünf Tage die Woche am Parkplatz steht? Wenn man Systeme und Konzepte findet, die es ermöglichen, dass man immer mehr weg vom sinnlosen Eigentum kommt, ist das sicher vorteilhaft. Das Leben im Container hat den Anspruch, dass man weniger besitzt. Wenn ich den Platz nicht habe, dann überlege ich mir dreimal, ob ich das jetzt kaufe: Wo soll ich‘s hinstellen? Aber im Endeffekt geht damit keine Qualität verloren. Ganz im Gegenteil, die Qualität wird sogar gesteigert, weil man einfach ein bisschen bewusster lebt. Man sieht das ja immer häufiger, dass inzwischen das Effiziente der Luxus ist. Sich besinnen und nicht in Massen sondern in Maßen leben.

IMSÜDEN.AT: Ist auch angedacht, dass ein Mehrpersonen-Haushalt mehrere Container bezieht im Wohnkomplex?
Marcel Mild: Die Frage kommt relativ häufig. Rein technisch ist das natürlich möglich, aber vom Konzept her nicht vorgesehen. Es sollen wirklich auf engsten Raum maximal viele Personen Platz finden. Es soll sich eine Gemeinschaft entwickeln. Da ist es nicht vorgesehen, dass man zwei oder drei zusammenschließt.

IMSÜDEN.AT: Aber für meine Skier hätte ich dann einfach keinen Platz hier drinnen. Auf die sollt‘ ich also verzichten?
Marcel Mild: Nein. Im Wohnkomplex haben wir auch berücksichtigt, dass es einen gewissen Prozentsatz an Flächen gibt, die allgemein zugänglich sind: Als Stauraum, als Keller, als Waschraum und als Treffpunkt. Das hat auch mit dem Konzept zu tun. Die Leute sollen ja interagieren, es soll Kommunikation stattfinden. Die Leute sollen sich nicht in ihrem Container einsperren. Es soll bewusst auch so gestaltet sein, dass es erstens die Möglichkeit gibt, Dinge aufzubewahren und zweitens Gemeinschaftsräume geschaffen werden, wo man sich treffen kann, lesen, lernen und reden kann. Auch Urban-Gardening und Grünflächen sind hier angedacht.

IMSÜDEN.AT: Kann ich den Container nur mieten im Wohnkomplex oder kann ich auch darum bitten, den Container in meinen Garten stellen zu lassen?
Marcel Mild: Es hat sich heraus kristallisiert, dass sich viele Leute dafür interessieren, selbst so einen Container zu besitzen, wie du sagst, an jedem x-beliebigen Ort. Das werden wir auch machen. Das ist so ein bisschen ein Geschäftszweig, der sich parallel entwickelt, weil man merkt, dass da ein Markt vorhanden ist. Primär geht’s uns aber ums Pilotprojekt und es ist wichtig, das so rasch wie möglich in Klagenfurt umzusetzen. Am besten auch mit einem Grundstück, das die Stadt Klagenfurt besitzt, 40 Wohneinheiten. Wenn das Projekt angenommen wird, soll es durchaus ausgebaut werden. Und funktioniert‘s nicht, das ist ja auch das Schöne, dann kann ich das wieder abbauen und woanders aufbauen.

IMSÜDEN.AT: Warum habt ihr das Konzept für Klagenfurt geplant? Das klingt alles so urban, da denk ich nicht als erstes an Klagenfurt.
Marcel Mild: Klagenfurt hat eine Universität, Klagenfurt hat mit dem Lakeside Park eine sehr innovative Einrichtung in Österreich. In einer gewissen Größe eignet sich Klagenfurt perfekt für ein Pilotprojekt. Und natürlich wollen wir auch den Bogen spannen vom Gailtal wieder in die Hauptstadt von Kärnten. Einfach um das Produkt, die Wertschöpfung hier zu behalten, im Süden Österreichs, weil das einfach wichtig ist. Es gibt das kreative Potential in Kärnten, und das soll man auch hier betreiben und nicht sofort irgendwo anders hingehen.

IMSÜDEN.AT: Du bist also der Steirer, der sich für Kärnten einsetzt.
Marcel Mild: Ja, weil‘s hier wirklich sehr angenehm ist. Mit den Menschen hier zu arbeiten ist sehr angenehm, alles hat sein eigenes Flair und das ist sehr positiv.


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Lucia Schöpfer
  Lucia Schöpfer | Mag ihre bayerische Heimat und dass Kärnten der so ähnlich ist | IMSÜDEN immer da, wo’s was ..
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