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„Du musst publikumsorientiert arbeiten ohne dich selbst zu verbiegen.“

Matthias Ortner, Mr. MATAKUSTIX ist nicht nur der Star beim kommenden KULTURSPRUNG in Wien, sondern auch beim MASTERS OF DIRT in Klagenfurt. Der Vollblutmusiker experimentiert mit Kärntner Chören und Beatboxing und hätte gerne was mit Heidi Horten (zumindest einen Sponsorvertrag).

Matthias Ortner sieht nicht aus wie ein Volksmusikant, eher wie ein Art-College-Absolvent der grade zum Vorsprechen bei einer hippen Berliner Werbeagentur geht. Ganz entspannt versteht sich. Auch seine Musik klingt nicht wirklich nach dem was man gemeinhin unter Volksmusik verstehen will. Im Gegenteil  MATAKUSTIX kommen eher funky daher, so wie der Mann selbst eben auch. Trotzdem sind die „Quetschen“ und Mundart-Texte immer wieder involviert und vielleicht ist das was er da treibt am Ende das, was unsere Kinder dann unter Volxmusik verstehen werden. Aber stopp, was treibt der Typ eigentlich wirklich?

IMSÜDEN.AT: Hallo Matthias, was treibst du so im Süden?
Matthias Ortner: Ich bin freischaffender Künstler und Musiker und bin aus dem Süden nie weggekommen, warum auch, mir taugt‘s da! (lacht)

IMSÜDEN-AT: Da sind wir uns so früh im Interview schon so einig.  Woher kommst du genau?
Matthias Ortner: Eigentlich von fast überall, in Kärnten. Meine Eltern kommen ursprünglich aus dem Raum Völkermarkt. Ich bin in St. Veit geboren, habe dann 5 Jahre in Althofen verbracht, bis wir dann nach Klagenfurt gezogen sind. Hier bin ich dann auch aufgewachsen. Ursulinen Volksschule, Lerchenfeld Gymnasium, HAK 1, PÄDAK, ganz klassisch eigentlich.

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IMSÜDEN.AT: Lief doch alles prächtig. Warum hast du dann dein Leben weggeworfen und bist Musiker geworden?
Matthias Ortner: (lacht) Keine Ahnung, das kam ganz still und leise (lacht). Ich hab eigentlich immer schon Musik gemacht, schon im Kindergarten, bin dann auch zur Musikschule gegangen und naja, dann kam ich da nicht mehr raus…

IMSÜDEN.AT: Denn dann kam J. O. E. L.?
Matthias Ortner: Ja, die Band haben wir mit meiner Schwester und meinen beiden Cousins schon als 12 oder 13 Jährige gegründet. Derzeit liegt das Projekt allerdings etwas auf Eis, weil meine  Schwester Zwillinge bekommen hat.

IMSÜDEN.AT: Also hattest du mehr Zeit für dein Soloprojekt MATAKUSTIX
Matthias Ortner: Stimmt. Aber MATAKUSTIX ist kein typisches Soloprojekt, denn wir sind ja mehrere. Es gibt uns zu zweit, zu dritt und sogar zu viert. Mit Martin Sadounik, Michael Kraxner und Christian Wrulich, je nachdem wer grad passt und Zeit hat. Nur ich bin die Konstante sozusagen.

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IMSÜDEN.AT: Was ist das Konzept der Band mit dir als Konstanter?
Matthias Ortner: Das Grundkonzept war es wirklich komplett akustische Musik zu machen. Wir haben auch nur akustische Instrumente, Trompete, Ziehharmonika Akustik-Gitarre usw.. Ganz puristisch, eigentlich. Zum Beispiel haben wir keinen Hall-Effekt, sondern nehmen dann eben in einer Kirche oder so auf, wenn wir einen Halleffekt brauchen. Soviel zum Konzept. Aber wir sind dann mit der Zeit draufgekommen, dass solche Musik eben Live nicht so rüber kommt und auch schwer umzusetzen ist. So haben wir dann das Beatboxing dazu genommen.

IMSÜDEN.AT: Klingt wild. Wo kann man sich das anhören?
Matthias Ortner: Naja, wir treten auf (lacht). Recht oft sogar und auch  im Fernsehen. Bei PULS4-Show „Herz von Österreich“  waren wir dabei. Das ist entstanden, weil ich einige Leute vom TV Sender Puls-4 kenne, und die mich fragten. War jedenfalls eine gute Promo für uns!

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IMSÜDEN.AT: Du bist also selbst deine beste Werbung…
Matthias Ortner: Na klar. Als Künstler bin ich ja praktisch ein Ein-Mann-Unternehmen und muss mich um das alles kümmern. Aber mein Ansatz war nie der, dass ich ganz groß werden und auf riesigen Bühnen vor zehntausenden Leuten spielen will. Ich wollte es immer eher klein und übersichtlich halten. Das ist ganz ein anderer Ansatz, als bei vielen jungen Musiker und der funktioniert für mich ganz gut. Das „Große“ ist dann eh von allein gekommen, Frequency-Festival, Donauinselfest und auch im rammelvollen Klagenfurter Stadion haben wir schon mal auftreten dürfen, beim Eishockey-Derby. Allerdings war das eher peinlich, weil wir da Playback spielen mussten. Das nächste Mal wird‘s sicher geiler und live!

IMSÜDEN.AT: Zum Beispiel beim MASTERS OF DIRT im Juni?
Matthias Ortner: Ja, am 06.06.2015 sind wir praktisch der Kick-Off-Headliner bei den Dreckspatzen. Das wird sicher genial! Und mit den Jungs vom Semtainment machen wir dann auch am 17. Oktober die erste MATAKUSTIX-SHOW  in der Messehalle. Das wird „die etwas andere Heimatshow“ werden. Das war immer schon in meinem Kopf, aus den ganzen traditionellen Chorabenden die es im Süden ohnehin gibt was „Alternatives“ zu machen.

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IMSÜDEN.AT: Und beim KULTURSPRUNG am 13. März in Wien, treibt ihr auch euer Unwesen, haben uns die Schritessers erzählt.
Matthias Ortner: Genau. Da machen wir das erste Kärntner-Chor-Experiment. Ich hab mir aus den Kärntner Chören in Wien gewisse Sänger rausgeholt und mit denen machen wir jetzt ganz was Neues.  Außerdem hab ich noch den Richi Klammer und die Unvollendeten dazu geholt. Sowas habt‘s noch nie gehört, da muss man dabei sein!

IMSÜDEN.AT: Und schon wieder herrscht große Einigkeit unter uns. Du hast scheinbar auch genug zu tun. Karrierehoch?
Matthias Ortner: Ja, ich leb einfach gern hier in Kärnten und alles läuft zur zeit voll kamot. Obwohl es Österreichweit leider relativ wenig mediale Unterstützung gibt, vor allem weil man die Medien, grade die Radiosender, an einer Hand abzählen kann. Aber mit MATAKUSTIX haben wir dank YOUTUBE  und FACEBOOK unseren Kanal gefunden. Ich hab also quasi mein eigenes Ö3 gegründet. (lacht)

IMSÜDEN.AT: Das Prinzip kennen wir gut (lacht). Kannst du von deiner Singerei eigentlich leben?
Matthias Ortner: Und ihr von eurer Schreiberei? Nein, Spaß beiseite. Im Moment ist es ganz gut. Aber ich kenn halt auch die andere Seite. Als wir mit J.O.E.L. durch England und Deutschland getourt sind, und buchstäblich für „a Gulasch und a Bier“ g‘spielt haben. Oder als wir im Burgenland einmal vor EINEM zahlenden Gast spielen mussten. (lacht). Ich mach jedenfalls lange genug Musik, dass ich weiß, es läuft nicht immer so rund wie jetzt gerade wo wir praktisch bis Juli ausgebucht sind. Trotzdem bin ich immer auf der Suche nach meiner persönlichen Heidi Horten (lacht). Im Ernst, Sponsoren sind immer willkommen!

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IMSÜDEN.AT: Aus Höflichkeit (gemischt mit Angst vor der Antwort) fragen wir dich jetzt nicht, was du für das Geld von Heide Horten machen, sondern nur was du damit anstellen würdest…
Matthias Ortner:  Ist mir auch lieber so (lacht). Natürlich in die Musik investieren. Ich wollte schon immer mal was mit einer richtig fetten Big Band machen. Oder ein großes Open-Air-Festival im Süden im Matakustix Style etablieren. Oder vielleicht einfach mal so ein richtiges Studioalbum produzieren. Also einfach ins Studio gehen, ohne großen Plan und ewig Zeit haben rum zu probieren. Das wäre genial.

IMSÜDEN.AT: Wie nehmt ihr eure Platten heute auf?
Matthias Ortner: Lustigerweise in Budapest, im Silverhill-Studio bei Arnold Vigh, der mittlerweile ein guter Freund geworden ist. Wir bereiten zu Hause alles vor mit Akkordeon, Gitarre und Trompete und gehen dann mit einem ganz klaren Konzept ins Studio. Das geht dann innerhalb von zwei Wochen, dann ist das Ding im Kasten. Muss auch schnell gehen, denn so ein Studiotag kann 600, tausend oder noch mehr Euros kosten.

IMSÜDEN.AT: Nichts für Anfänger also. Aber was würdest du dem Musikernachwuchs raten, wenn er dich fragen würde?
Matthias Ortner: Ach, das ist schwer. Aber im Grunde ist es wichtig, sein Handwerk von der Pike auf zu lernen und nicht erst in irgendwelchen Casting-Shows. Die ist zwar gute Promo, aber kein Ort wo du was lernen kannst. Man sollte immer die Musik machen die man machen will, aber nicht auf die vergessen, die sie sich anhören wollen, oder wollen sollen. Du musst also einfach publikumsorientiert arbeiten ohne dich selbst zu verbiegen.

IMSÜDEN.AT: Na das klingt ja einfach! Danke dir!

 

Pix: Johannes Wouk & MATAKUSTIX bzw. Benjamin Klempin

Von Wouk

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