Interview
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„Da lernst a neue Sprach, als Kärntner“

Michael Kuglitsch ist Schauspieler. Das war schon immer sein Traum. Um sich den zu verwirklichen hat er so ziemlich jeden Job gemacht. Heute steht er am Stadttheater Klagenfurt auf der Bühne, tourt mit einem Alkohol-Präventionsstück durch die Klassenzimmer des Südens und gibt am Wochenende den Joker auf diversen Events und wurde jüngst, im Rahmen des Kärntner Landeskulturpreises, mit einem Förderpreis für darstellende Kunst bedacht. Wohl nicht weil er ein guter Joker ist, oder?

Auf der Bühne ist er ein Tier, ein Clown oder der berüchtigte Joker: Laut, mit ausladenden Gesten, intensiv und extrem. Abgeschminkt sitzt uns Michael Kuglitsch in der Theater-Kantine aber ganz ruhig und ausgeglichen gegenüber. Er kommt direkt aus der Garderobe, musste sich noch schnell duschen, zwei Vorstellungen hinter einander schlauchen ganz schön. Michael, nimmt einen kräftigen Schluck von seinem Getränk und fragt, noch immer etwas außer Atem: „Also, was willst du wissen?“

IMSÜDEN.AT: Na erstmal woher du kommst…
Michael Kuglitsch: Na aus der Dusche (lacht). Nein, ich bin eine echtes Lindwurmkind, obwohl ich, väterlicherseits, auch Wurzeln im wunderschönen Gailtal habe, das ich auch sehr liebe. Geboren bin ich übrigens am 10. Oktober, also ein kleiner Abwehrkämpfer (lacht).

IS: Na fein. Aber trotzdem zur Schule gegangen oder?
Michael Kuglitsch: Ja, so weit wie ich ich eben wollte (lachte). Dann hab ich Einzelhandelskaufmann beim Niedermeyer am Alten Platz in Klagenfurt gelernt, den gibt’s ja leider gar nicht mehr, aber im Grunde  wollte ich schon immer auf die Bühne, das war mein Traum.

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IS: Und wann bist du das erste mal auf einer Bühne gestanden?
Michael Kuglitsch: Sicher schon als Kind, aber bezahlt wurde ich dafür erstmals, als ich Animateur in einigen Hotels war. Ein knallharter Knochenjob, wo wir jede Saison acht bis neuen Stücke einstudiert haben, und für das, was wir leisten mussten, eigentlich schlecht bezahlt wurden. Das arge als Animateur ist ja, dass den Gästen natürlich völlig Wurscht ist wie es dir persönlich geht, die wollen Spaß haben und du musst mit ihnen Spaß haben, egal ob du innerlich grad einen Dreck am Laufen hast oder nicht. Dafür hab ich aber auch Steppen gelernt und hatte mit richtig guten Regisseuren zu tun, da konnte ich viel mitnehmen.

IS: Und dann vom Club-Animateur gleich zum Stadttheater Kalgenfurt?
Michael Kuglitsch: Fast (lacht). Es hat in Wahrheit sehr sehr lange gedauert bis ich sowas wie einen „Durchbruch“ hatte. Ich hab nebenher so ziemlich jeden Job der Welt gemacht um zu überleben. Ich war Dachdecker, Kellner, Banden-Aufbauer im Stadion, hab Schwimmbadüberdachungen zusammengebaut und natürlich war ich auch Tellerwäscher…

IS: Für den Lebenslauf, versteht sich.
Michael Kugltisch: Versteht sich (lacht). In meiner Freizeit habe ich mit meinem besten Freund David Hofer so kleine Videofilme gedreht…

IS: Ja, sowas kommt vor. Du warst eben jung und brauchtest das Geld…
Michael Kuglitsch: Jaja, Haha… Jedenfalls war das ein großer Spaß, damals noch mit einem Camcorder, von JVC glaub ich, und ganz ohne Schnittprogramme am Computer, wir haben uns auf Baustellen rumgetrieben, wilde Geschichten erzählt und dann alles auf der Cam geschnitten. David ist ja heute erfolgreicher Regisseur, Cutter und auch Schauspieler, zum Beispiel in Flo Lackner PLANET USA wo er die Hauptrolle spielt, oder er hat Gerald Salminas Film über die „STREIF! one hell of a ride“ geschnitten, der seit 25. 12. 2014 in den österreichischen Kinos läuft! Irre Geschichte!

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IS: Apropos irre Geschichte, wir wissen immer noch nicht wie du hierher ins Stadttheater gekommen bist…
Michael Kuglitsch: Achja. Naja, das erste Mal durfte ich als Statist die Bretter, die die Welt bedeuten, betreten und zwar in der wunderschönen Oper Turandot – dafür hatte ich damals meinen Job als Kellner natürlich sofort gekündigt. Jahre später durfte ich noch mit 28 eine Schauspielausbildung beginnen, eigentlich war das Höchstalter 26, aber ich hab den Dozenten überredet. Früher wollte ich nie auf eine Schauspielschule gehen, weil ich Angst hatte, dass das meine Karriere verhindern könnte. Wenn die zum Beispiel gesagt hätten: „Das wird nix mehr bei dir!“ Im Nachhinein natürlich völliger Blödsinn, so eine Angst. Meine Erlebnisse vor der Ausbildung helfen mir extrem bei der Findung verschiedenster Figuren. Das war eben einfach mein Weg in die Professionalität.

IS: Was würdest du jemandem raten, der den selben Traum verwirklichen will wie du?
Michael Kuglitsch: Sowas ist natürlich immer schwer, da klingt man leicht oberg’scheit, wie man im Süden sagt. Erstmal ein Herz, das für die Schauspielerei brennt, die Leidenschaft und für mich besteht die Schauspielerei aus zwei Berufen: Auf der einen Seite bist du dein eigener Manager, musst dich verkaufen können, und auf der anderen Seite bist du natürlich dein eigenes Produkt, das sich verkaufen muss. An beidem musst du als Schauspieler arbeiten. Und du brauchst Durchhaltevermögen und dicke Haut – das lernt man auf keiner Schauspielschule, es wird einem zwar gesagt, aber lernen kann man es immer nur durch Erfahrung.

IS: Ist das dein Lebenmotto: Durchhalten?
Michael Kuglitsch: Nein, aber eines, das für mich stimmt, lautet „You get what you give!“ Und Mark Twain hat mal gesagt: „Es gibt zwei wichtige Momente im Leben, der erste ist, wenn du geboren wirst und der zweite ist der, wenn du rausfindest warum.“ Das gefällt mir sehr gut, auch weil es viel mit dem Schauspielberuf zu tun hat.

IS: Noch was?
Michael Kuglitsch: Du musst für dich selber wissen, was du willst und dieses Ziel verfolgen – es wird niemand an deine Türe klopfen, du musst ständig an dir selbst arbeiten. Und du darfst die Dinge, die dir gesagt werden, nicht  immer ganz erst nehmen (lacht). Das ist besser für’s Seelenheil.

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IS: Warum bis du im Süden geblieben?
Michael Kuglitsch: Naja, geblieben kann man eigentlich nicht sagen. Ich war ja auch zwischenzeitlich in Wien und als Schauspieler sind deine Koffer natürlich immer gepackt. Wenn der Anruf kommt, dann geh ich auch nach Shanghai um zu spielen. Das ist eben mein Traum. Aber natürlich bin ich auch sehr sehr gerne hier, geh gern Klettern, bin von zuhause in fünf Minuten am See und in eineinhalb Stunden am Meer. Das ist unbezahlbar. Aber der wichtigste Grund im Süden zu bleiben sind natürlich meine Frau, die Personal Trainerin ist und unsere beiden Kinder.

IS: Was war die größte Herausforderung deiner Karriere?
Michael Kuglitsch: Da gibt’s viele, aber den Kärntner rauszubekommen war richtig hart. Jeden Tag lautes Lesen und mit Korken sprechen um deutlicher zu artikulieren und so weiter. Wichtig war auch, dass ich Profis hinzuziehen konnte, Trainer die einfach Fehler hören, die du selbst gar nicht hören kannst, weil du deine Stimme ja gewohnt bist. Es war wie eine Fremdsprache zu lernen. Da lernst du das erste mal richtig Deutsch, als Kärntner (lacht).

IS: Mhm… wäre uns zu anstrengend. Was fasziniert dich eigentlich so am Schauspielberuf?
Michael Kuglitsch: Es ist nicht nur Faszination, es ist Liebe! Die Magie des Theaters hat mich voll erwischt. Auf so einer großen Bühne ist alles einfach überzeichnet, alles ist größer. Im Film hingegen spielst du alles viel reduzierter, mehr über die Augen, auch sehr reizvoll. Dort hast du auch viele Versuche für die Perfektion, was natürlich auch ermüdend sein kann (lacht). Im Theater hast du nur ein Chance, alles ist live, das ist ganz ein eigener Kick, der süchtig macht. Und du kannst auf Publikum eingehen, das liegt mir…

IS: Weil du nebenher auch noch den irren Clown bei Events gibst?
Michael Kuglitsch: Ja, hehe, das hilft natürlich (lacht). Ich darf ja für Eventagenturen, wie zum Beispiel für bigbang, beim Bal du Cirque Fantastique oder beim Bacardi Beach Circus auftreten und der Meute einheizen! Das macht viel Spaß, auch weil ich die Charaktere die ich da verkörpere, teilweise natürlich selbst entwickle. Ich kreiere sozusagen den Unterhaltungsmoment für die Gäste und verstehe mich auch als künstlerischer Leiter der ganzen Truppe. Ich organisiere, caste die Schauspieler, Stelle die Kostüme zusammen, führe Regie, usw..

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IS: Und sonst so? Abseits der Clownerien,was beschäftigt dich gerade?
Michael Kuglitsch: Derzeit vor allem „DAS MÄRCHEN VON DEN WILDEN SCHWÄNEN“, ein wunderschönes Märchen von Hans Christian Andersen in einer Bearbeitung von Cesare Lievi. Da spielen Johannes Flaschberger, Marcel Klein und ich drei Mäuse bzw. Kröten und „betreuen“ Elisa, Sandra Lipp die Hauptfigur mit unseren Faxen. In dem Stück spielen alles tolle Kollegen mit und auch viele Kinder, was ich sehr schön finde und das Märchen noch magischer macht. Ein wunderbares Stück für die ganze Familie von 6 bis 99 Jahren, sag ich immer.

IS: Aber durchgebrochen bist du damals eigentlich mit deiner Rolle im „FREISCHÜTZ“, nicht wahr?
Michael Kuglitsch: Durchbruch würd ich nicht sagen, aber es fand eine entscheidende Änderung statt, die mich ziemlich weiterbrachte und für die ich auch sehr sehr dankbar bin! Das war sicher die Produktion bei der ich, als Samiel, das erste Mal wirklich große Aufmerksamkeit erfahren durfte. Eine Rolle, die eigentlich gar nicht vorgesehen war, sich dann aber zu einer tragenden Figur in der Oper gemausert hat. Und das alle mit nur sieben Worten im ganzen Stück. Also auch sehr körperlich, was mir natürlich entgegen kam. Da hab ich auch sehr gute Kritiken bekommen und seither werde ich immer wieder zu Vorsprechen eingeladen und durfte hier am Stadttheater auch schon im „Peter Pan“, im „Kalten Herz“ und eben jetzt in den „Wilden Schwänen“ spielen. Dafür bin ich auch sehr dankbar, aber ich schulde auch der neuen Bühne Villach und Gerhard Lehner mit dem Klagenfurter Ensemble großen Dank, die mir erlaubt haben, die ersten Schritte auf die Theaterbühnen zu machen.

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IS: Was steht als nächstes am Programm?
Michael Kuglitsch: Ganz was spannendes! Johannes Flaschbeger und ich arbeiten gerade an einem Klassenzimmerstück für das Stadttheater Klagenfurt, das sich um das Thema Alkoholprävention dreht. Wir werden damit in Schulen in ganz Kärnten auftreten und versuchen die Kids über Alkoholmissbrauch aufzuklären, aber nicht so oberlehrerhaft, sondern mit einer Geschichten aus dem Leben. Dazu haben wir auch viel mit Streetworkern gesprochen und bei der Alkoholpräventionsstelle recherchiert. Premiere wird der 12. Jänner sein.

IS: Klingt eher trocken, sonst noch was in Arbeit?
Michael Kuglitsch: Haha, schlechter Gag, aber dafür bist du mittlerweile ja bekannt, wenn man die Interviews hier so liest (lacht). Mit David Hofer hab ich einen Film gedreht der „Valossn“ heißt und grade für diverse Festivals eingereicht wird. Wir haben das ganze mit eigenen Mitteln umgesetzt und mit einer ganz tollen Crew: Katrin Pischounig, Flo Lackner, Manfred Plessl, Johannes Stelzl, Anna Zora, Karim Shafik, David Meier, Seppi Dabringer, Heli Sommer, Dieter Frank, Birgit Tschebull, Andreas Reisenbauer, Kathrin Mikula Kevin Schlesinger, Michael Thomas, Heinrich Baumgartner, Sandra Pascal, Oliver Vollmann, Nadine Zeintl, Michael Klinik und Manfred Mayer.

IS: Pfff, na das wird ja dann wohl reichen. Wir freuen uns auf den Streifen!

 

PIX: Martin Steinthaler, Arnold Pöschl, Johannes Wouk


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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