Interview
Arnold Pöschl (*1981)
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„Mir ist der Zugang zu den Leuten WICHTIG.“

Fotograf Arnold Pöschl arbeitet für A1, das Servus-Magazin und die Kärnten Werbung, macht Bücher über vegetarisches Essen und Fleischhacker, dazwischen reist er gerne viel und fotografiert dabei vermummte Gestalten in Istanbul und andere Berufsgruppen auf der ganzen Welt. Am Ende kehrt er aber immer in seinen Süden zurück. Warum, hat er uns erzählt!

Arnold Pöschl besucht man nicht in seinem Büro, man trifft ihn irgendwo anders, und zwar meistens bei der Arbeit. Wenn er nicht gerade für seine Fotoprojekte durch die Welt reist oder in Wien weilt, hat man aber manchmal doch das Glück ihn im CoWorking-Space Hafen11 in Klagenfurt zu erwischen. Dann sitzt da ein entspannt lächelnder und für Feber fast schon unanständig gut gebräunter Mann an seinem Laptop im Großraumbüro und macht sich mal einen „Bürotag“, nachdem er aus Tirana von seiner letzten Ausstellung zurückgekehrt ist. Massiv beneidenswert zu sein und dabei trotzdem absolut sympathisch zu bleiben, ist eines der vielen Kunststücke die Arni beherrscht.

IMSÜDEN.AT: Hallo Arni. Und? Wie kommst DU in den Süden?
Arnold Pöschl: Ich wurde in Klagenfurt geboren und bin in Krumpendorf aufgewachsen. Ich bin also ein richtiges Wörtherseekind. Nach der Matura bin ich nach Graz um Geschichte zu studieren, dann bald ein Jahr nach Bologna, schließlich bin ich in Wien gelandet und hab dort auf der „Graphischen“ Fotografie studiert. Das mit der Fotografie hat aber eigentlich schon hier im Süden angefangen als ich Assistent beim Kärntner Topfotografen Ferdinand Neumüller sein durfte. Der hat gemeint: „Stative tragen kann ich selber“, und mir sofort einen echten Auftrag gegeben.

IS: Wow, also hat er dich so richtig ins kalte Wasser geworfen?
AP: Ja, mitten rein. Aber so kalt war es dann auch wieder nicht und ich hab recht schnell Schwimmen gelernt, wie es sich für ein Seekind eben gehört. (grinst). Ich hab daraus einfach mein erstes eigenes Projekt gemacht und Künstler wie Richi Klammer oder Bela Ban fotografiert, das „andere Kärnten“ abgebildet, wie man das damals nannte, und auch gleich in der Galerie 3 ausgestellt.

IS: Du machst auch heute noch viele Kunstprojekte oder?
AP: Kunst soll im Auge des Betrachters stattfinden und ich will mich selber nicht Künstler nennen. Die Eitelkeit habe ich nicht. Ich nenne es lieber meine freien Projekte. Ich mach viele kommerzielle Aufträge. Die genieße ich aber auch sehr, mit guten Leuten an Werbejobs zu arbeiten mag ich. Ich vertrau einfach gerne auf gute Leuten und deren Arbeit.

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IS: Wer sind da deine Hauptkunden zur Zeit?
AP: Ich mach im Buchverlagsbereich mit dem 910 Verlag in Berlin Veggie-Kochbücher hab mit dem Wiener Metro-Verlag ein Buch über Fleischhauer und das Augarten-Porzellan in Wien fotografiert. Im Magazinbereich arbeite ich unter anderem für den Falter-Verlag, für den Wiener und für das Servus-Magazin. Werbefotos mach ich seit Neuestem für A1 und schon länger für die Kärnten Werbung und Kollitsch Bau. Ich bin auch der Agentur „Frischzellen“ in Klagenfurt sehr dankbar, die mir schon Aufträge gegeben hat als mich noch niemand kannte. Das war auch schwer am Anfang, da musste ich mir jeden Auftrag selber krallen, aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass gute Arbeit sich auszahlt und und ich schon oft weiter empfohlen werde.

IS: Du scheinst ja genug zu tun zu haben. Trotzdem schaut‘s auf Facebook so aus als wärst du dauernd auf Urlaub. Wie machst du das? Photoshop?
AP: (Lacht) Nein, um Gottes willen! Ich hab eigentlich nie Urlaub. Ohne Kamera würde ich mich in einem fremden Land nicht wohl fühlen. Ich Reise einfach gerne und so viel wie möglich. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich diese Leidenschaft endlich mit meinem Beruf verbinden kann. Das war immer ein Ziel von mir. Auf den Reisen bin ich um meine eigenen Projekte zu realisieren. Businesstrips also. Ich halte Reisen für sehr, sehr wichtig. Aber es ist auch wichtig Schaffenspausen zu machen. So sehr ich die Fotografie liebe, aber hin und wieder muss man die Kamera einfach liegen lassen. Abschalten von allem kann ich beim Wellenreiten, vor allem als semi-guter Surfer der dann in den Wellen schon mal mit Überleben beschäftig ist (lacht).

IS: Man sieht auf deinen Fotos oft vermummte Gestalten, tote Tiere und dazwischen mal einen indischen Zahnarzt? Was geht da ab?
AP: Der indische Zahnarzt ist Teil meines langjährigen Fotobandprojekts „Work. What We Do.“, dass einfach Menschen und ihre Berufe in den verschiedensten Ländern zeigt. Bauarbeiter in Albanien, Ein Kardiologe in Klagenfurt, der Zahnarzt in Indien, demnächst gehts nach New York. Aber heuer will ich das Projekt fotografisch abschließen und den Fotoband nächstes Jahr produzieren.

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Surfcoach
Mortician
Musician

IS: Und die Vermummten?
AP: Das sind Demonstranten im Gezi-Park in Instanbul. Ein Projekt mit mit meinem guten Freund und super Fotografen Hans Hochstöger, wir kennen uns seit wir zusammen die Graphische gemacht haben. Wir wollen solche Bewegungen wie die im Gezi-Park oder die Occupy-Bewegung in New York, die Revolutionäre in Tunesien und die Opposition in der Ukraine abbilden. Aber uns interessiert dabei nicht die platte Nachricht, das Offensichtliche sondern die Menschen hinter den Protesten. Ich bin kein Kriegsfotograf, der sich mitten in die Demo wirft. Es geht mehr um sowas wie Slow Journalism. Daraus soll dann auch ein Bildband werden, einige Ausstellungen hatten wir ja schon, gerade in Tirana und davor in Klagenfurt in der Artlane. Es geht uns auch einfach darum als Fotografen zusammenzuarbeiten.

IS: Klingt irgendwie nicht so als hättest du überhaupt so etwas wie einen typischen Arbeitstag. Ist jeder Tag anders?
AP: Naja, ich hab zumindest zwei Typen von typischen Tagen. Ein Fototag beginnt sehr sehr Früh, da am Morgen das Licht natürlich super ist. Also Aufstehen im Morgengrauen, das Fotozeug pack ich schon am Vorabend, und ab in die Wildnis. Gerade zum Beispiel bin ich in Mittelkärnten unterwegs und mach für Melanie Sass und ihr Team dort Fotos von Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen. Das macht immer viel Spaß mit einem netten engagierten Team! Dabei ist es mir wichtig, dass der Tag nicht zu voll gepackt ist. Dann neige ich nämlich dazu, das zu schnell abzuarbeiten. Mehr Ruhe ist besser für die Qualität der Arbeit. Wenn ich dann wieder zuhause bin sichere ich die Fotos, schau kurz mal drüber, aber die Endauswahl mach ich lieber ein bis zwei Tage später. Das muss immer erst etwas sacken.

IS: Und der zweite Typ von typischem Tag?
AP: Das ist dann der „Bürotag“, zum Beispiel im Hafen11 in Kalgenfurt oder wo ich eben gerade bin, wo mein Laptop ist, ist mein Büro! An solchen Tagen wähle ich dann zum Beispiel Fotos aus, bearbeite sie und schick sie weg. Außerdem schreibe ich da die Rechnungen, mach die Buchhaltung und kümmere mich um die Neukunden-Aquise. Darauf leg ich besonders viel Wert! Das hab ich mir angewöhnt. Der Rest des Tages vergeht dann auch mit Projektmanagement für meine eigenen Projekte. Auch meine Bürotage beginnen früh, vor allem weil ich sie schnell hinter mich bringen will (schmunzelt). Am liebsten ist es mir ich muss von meiner Mittagspause beim „Rudi“ am Klagenfurter Benediktinermarkt gar nicht mehr ins Büro sondern kann spazieren gehen, oder im Sommer zum See. Aber natürlich immer mit der Kamera, denn eigentlich mach ich keinen Unterschied zwischen Arbeit und Freizeit, da gibt es keine strickte Trennung bei mir. So wie bei allen die lieben was sie tun oder umgekehrt.

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IS: Dein Job scheint dich ja glücklich zu machen, aber machst du auch andere mit deinem Job glücklich? Bist du ein guter Fotograf?
AP: Naja, einige scheinen dieser Ansicht zu sein, sonst hätte ich ja keine Aufträge, aber das müssen natürlich andere beurteilen. Ich liebe meine Beruf jedenfalls. Schon bei der Assistenz bei Ferdinand Neumüller hat es mich beeindruckt wie glücklich und in sich ruhend er bei der Arbeit rüber gekommen ist. Da will ich auch hin. Immer schaff ich‘s noch nicht, aber ich bin schon viel ruhiger als am Anfang.

IS: Wie unterscheidest du dich von anderen Fotografen?
AP: Naja, mir ist der Zugang zu den Leuten wichtig, ich will den Menschen mit denen ich arbeite, die ich fotografiere vermitteln, dass es Spaß machen kann, ist ja keine Herzoperation, es soll angenehm sein. Für mich hat Fotografie auch eine stark Psychologische Komponente. Darauf lege ich auch viel Wert in meiner Arbeit mit Menschen.

IS: Was ist das Schönste an deinem Beruf?
AP:
 Das Schöne ist, dass die Fotgrafie eine irrsinnig gute Art is auf Leute zuzugehen. Es ist nie nur oberflächlich sondern immer was ganz Persönliches, fast magisches. Sie öffnet mir Leute, und natürlich auch so manche Tür. Jetzt nicht zu irgendwelchen Events, sondern eher zu interessanten Orten. Unlängst bin ich in Istanbul mal in einem völlig konservativen Viertel rumgestolpert, Erdogan-Kernland sozusagen. Da gab es ein so genanntes „Opferfest“, eine Viehmarkt bei dem Tiere auf einem Platz geschlachtet und verkauft wurden, mitten in der Stadt, echt gruselig. Ich hab begonnen zu fotografieren und die Leute waren sofort total offen dafür.

IS: Was ist das Schlimmste?
AP:
 Wenn man meine Fotos über den Falz druckt. Vor allem bei Protraits. Das tut weh!

IS: Na, das wird dir bei IMSÜDEN.AT ja nicht passieren, online gibts zum Glück keinen Falz! Machst du deshalb mit?
AP:
 Ja, (lacht). Aber ich will hier auch eigene Projekte umsetzen. Ich liebe den Süden. Ihr könnt also gespannt sein!

IS: Das sind wir!

Pix: Johannes Wouk, Arnold Pöschl


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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