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Off-Theater im Süden

„Mehr Licht, bitte! Ich brauche dringend mehr Licht auf unseren Protagonisten!!!“ Alles klar, kommt sofort! Birgit Kronig von der artigundhuber Kulturagentur richtet ihren journalistischen Scheinwerfer heute einmal auf die Off-Theaterszene im Süden. Aber was heißt hier eigentlich Off-Theater?

Wikipedia hat die Antwort, vermeintlich! Unter Off-Theater oder auch freiem Theater versteht man nämlich „ein Theater am Rande des etablierten Theaterbetriebes, das sich unkonventioneller Methoden bedient und mit wesentlich geringerem Budget auskommt“. Ob unsere Off-Theatermenschen hier im Süden das wohl auch so sehen? Ich starte gleich einmal quer über den Villacher Kulturhof und rauf in die Künstlerwohnung des Vereins kult:villach, wo die Theaterwissenschaftlerin, Theater a.c.m.e,- Regisseurin und Schauspielerin Paula Perschke gerade dabei ist, für sich und ihre Schauspielkollegin Amrei Baumgartl faschierte „Labalan“ zuzubereiten. (Die Ostdeutsche spricht zwar von Buletten, aber Augen und Nase sagen mir: Eindeutig faschierte „Labalan“!) Ich lese ihr also meine soeben recherchierte Wikipedia-Definition vor und frage neben rauchenden Pfannen und dampfenden Töpfen, ob sie dem denn zustimmen kann.

Antwort1: Ja! … Kannst du mir den Satz noch einmal vorlesen?
Selbstverständlich.
Antwort2: Na ja, so einfach ist das vielleicht doch nicht!

Und dann erklärt mir Paula, den Pfanneninhalt mehrmals wendend, ihre Sichtweise aufs Off-Theater: Die Professionalität der Akteure ist keine Definitionskriterium. Die meisten Off-Theatergruppen bestehen ausschließlich aus Vollprofis, also Leuten mit abgeschlossener Ausbildung im Theaterbereich, andere Gruppen wiederum aus Studierenden und Autodidakten. Und dann gibt es da noch jene, die Schauspiel als Hobby betreiben und eigentlich einen anderen Beruf ausüben – die sind wohl auch zum Off-Theater zu zählen. Je nachdem, wie sich die Produktionsteams zusammensetzen, ergeben sich natürlich ganz unterschiedliche Ansprüche, was die künstlerische Qualität der Produktionen und in weiterer Folge natürlich auch deren Finanzierung anbelangt. Soll heißen: Off-Theater kommt nicht per se freiwillig „mit wesentlich geringerem Budget aus“. Im Gegensatz zu Laiendarsteller_innen müssen professionelle Schauspieler_innen, Regisseur_innen etc. vom Theater leben und das heißt, dass sie auf dementsprechende Honorare angewiesen sind. Und möchte man sich diese in der Off-Theaterszene auszahlen, so heißt’s öffentliche und private Gelder auftreiben und an anderer Stelle einsparen. Da wird schon einmal das Bühnenbild reduziert oder lieber ein selbstgeschriebenes Drehbuch verwendet, anstatt teure Tantiemen an Verlage zu zahlen. Paula sagt, da werde schon darauf geachtet, dass die beteiligten Personen wie Schauspieler_innen, Kostümbildner_innen, Techniker_innen etc. fair entlohnt werden, was im Schichtbetrieb der großen Theaterhäuser nicht immer der Fall ist.

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die glasglocke. in scherben. von Theater a.c.m.e,- und Damensalon

Fazit: Wer Theater nicht als Hobby betreibt und den ganz großen Durchbruch (noch) nicht geschafft hat, würde sich über höhere Förderungen, bzw. Honorare schon sehr freuen – egal ob im etablierten oder im Off-Theaterbereich. Familiäres Klima, Mitspracherecht, individuelle Entfaltung und höhere Flexibilität innerhalb der relativ kleinen Theatergruppen nennt Paula als Vorteile des Off-Theaters, bevor sie die dampfenden Teller serviert. Ich bedanke mich also für den Einblick in Paulas Theaterwelt und wünsche einen guten Appetit. Im Hinausgehen ruft sie mir noch hinterher, ich solle doch auch noch die anderen Theatermenschen befragen – Simone und Martin Dueller oder den Stefan Ebner oder den Andi Thaler – und heute Abend zur Lesung „die glasglocke. noch mehr scherben.“ (eine Koproduktion von Theater a.c.m.e,- und Damensalon) in den Kulturhof:keller kommen. Danke, beides hatte ich ohnehin vor!

Doch bevor ich meinen nächsten Überfall auf einen weiteren Schauspieler, Regisseur oder Autor begehe, will ich mir einmal ansehen, was demnächst so auf dem Off-Theaterprogramm steht. Und auch hier muss ich nicht in die Ferne schweifen, denn das gute Stück „Der Herr der Ring-Parabel“ der Theatergruppe KopFiNdeRwaNd feiert am 26. Februar im Kulturhof:keller Premiere. Der mit dem Kärntner Kulturpreis 2014 ausgezeichnete Michael Kuglitsch steht als einziger Schauspieler auf der Bühne. Text (sehr frei nach Tolkien und Lessing) und Regie des „Klassenzimmertheaters“ kommen von Stefan Ebner, dem KopF(iNdeRwaNd) des VereinkünstlerischenAusdrucks. Das trifft sich ja hervorragend, denn ihn treffe ich demnächst zur Kulturhof:Sommer-Besprechung, ein Sommertheaterprojekt, das im Juli und August vom Verein Theater-Rakete im Kulturhof veranstaltet wird.

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Karoshi in Treatment und Mein Leben als Kapital von Theater a.c.m.e,-

Wir treffen uns im Kaffee Kleinfein und selbstverständlich ist auch Vereinsmitglied und Schauspielerin Sabine Kranzelbinder mit dabei. Sie leitet auch das Theater in den Kammerlichtspielen Klagenfurt. Dann sind da noch Autor Andi Thaler und Kostümbildnerin Anja Zehetgruber – also viele Fliegen mit einer Klappe! Ich werfe wieder meine Wikipedia-Definition in die Runde und versuche, das umfangreiche Feedback gänzlich aufzunehmen: Der Begriff Off-Theater in seiner ursprünglichen Bedeutung meint autonomes Theater, das nicht an ein fixes Theaterhaus gebunden ist, sondern selbst Räume und Möglichkeiten sucht, erklärt mir Stefan Ebner. Das heißt auch, dass es keinem konkreten Bildungsauftrag folgt und von Gemeinde, Land und Bund zwar subventioniert, von diesen aber weder künstlerisch noch administrativ beeinflusst wird. Und wie Paula meint auch er, dass das geringe Budget eher als Beschreibung des unliebsamen Status Quo zu verstehen ist, also Off-Theater nur unfreiwillig definiert. Das wenige Geld ist Fluch und Segen zugleich, sagt mir Anja, die Kostümbildnerin, denn wenig Budget bringt zumeist einige Herausforderungen mit sich, die besonders kreative und originelle Lösungsansätze durch das kleine Team erfordern. Dass sich die verantwortlichen Personen so intensiv mit der Produktion und etwaigen Problemen beschäftigen und sich gegenseitig auch Mitspracherecht in den verschiedenen Fachbereichen einräumen, wirkt dann noch zusätzlich qualitätssteigernd und häufig spürt das Publikum einfach, wie viel Herzblut in eine Produktion geflossen ist. Das zählt oft mehr als ein Bühnenbild um 10.000 Euro, sage ich und erhalte energisches Kopfnicken von mehreren Seiten. Andererseits, meint Sabine, dürfe das Budget aber auch nicht so gering sein, dass sich die Mitwirkenden kein Honorar mehr auszahlen können. Denn dann müssten wir uns andere Jobs suchen und könnten Theater nur mehr als Hobby betreiben, was natürlich die Qualität mindern und die Schauspielschulen ad absurdum führen würde. Sabine würde Laientheater auch nicht zum Off-Theater zählen. Und was sagt der Andi Thaler dazu, der in der Kärntner Off-Theaterszene ja äußerst umtriebig ist? Mit einer eigenen Kunstform haben wir es hier zu tun, sagt er, denn sie macht künstlerisch so einiges möglich, was sich auf großen Bühnen aus unterschiedlichsten Gründen nicht umsetzen lässt. Off-Theater ist also viel mehr als Low Budget!

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Juri, Gretchen 89ff und Waisen im Kulturhof:Sommer von Theater-Rakete

Nach allem, was ich im theatralen Bereich bisher erleben durfte, kann ich da nur zustimmen. Leider kann ich nicht alle Off-Theatergruppen im Süden in einen Artikel packen und schon gar nicht auf alle anstehenden Produktionen eingehen, doch ein bisschen Off-Theaterflair kann ich verbreiten mit einem Homepage-Zitat der Gruppe Vada rund um den in Klagenfurt geborenen Schauspieler Felix Strasser: „Hauptpreis beim großen Publikums-Wettbewerb:
 Wer dem Vortrag von Anfang bis Ende folgen kann, darf – trotz Entrichtung des vollen Eintrittsgeldes – früher nach Hause gehen.“

Die nächste Aufführung von „Fahren Sie niemals Untergrundbahn“ findet am 19. Februar im Jazz-Club Kammerlichtspiele in Klagenfurt statt.

 

Pix: Theater a.c.m.e,-, Theater-Rakete


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Birgit Kronig
Birgit Kronig ist eine bessere Hälfte der artigundhuber Kulturagentur: „Zur Zeit sind Daniela Lindhuber und ich nur zu zweit. 2009 absolvierten wir beide erfolgreich ..
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