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„Wir funktionieren nur, wenn wir sein können wie wir sind.“

Andreas & Stefan Schrittesser haben in ihrer Kärntner Kneipe den besten Speck von Wien, einen Kasnudelversand, eine eigene T-Shirtlinie und einen Kultursprung am Start. Was das soll und wie das geht haben sie uns mal schnell erzählt.

Wir treffen die Schrittessers in Klagenfurt, denn die Exilkärntner aus Wien sind auf Heimaturlaub, schließlich „hat heut’ die Mama Geburtstag! Alles Gute, Mama“. Andreas Schrittesser will diese Geburtstagswünsche unbedingt loswerden, auch wenn das Interview erst zwei Wochen später erscheint. Na gut, was will man machen. Jedenfalls schlendern wir mit den beiden Metnitztalern durch den Kulturbezirk der Landeshauptstadt. Vorbei am Stadttheater und am Kopf der alten Ingeborg hin zum Architektur Haus. Die Brüder sind zu allerlei Faxen aufgelegt und scheinen voller Tatendrang, immer auf dem Sprung sozusagen. Gutes Stichwort: Sprung!

IMSÜDEN.AT: Was soll das meine Herren? Warum habt ihr den sonnigen Süden verlassen und das widrige Wien heimgesucht? Warum habt ihr diesen Kultursprung gewagt?
Stefan Schrittesser: (lacht) Naja, ich hab dort studiert. Nachdem ich in Metnitz-City aufgewachsen und in Treibach die HAK besucht habe wollt ich nach Wien und hab eine FH für Immobilienwirtschaft absolviert. Nach fünf Jahren in dem Geschäft hatte ich allerdings genug von den ganzen Lügen und Intrigen in der Baubranche.
Andreas Schrittesser: Tja, und da bin dann ich nach Wien gekommen. Ich wollt’ eigentlich auch studieren. Hat aber zuerst nicht so funktioniert (lacht), weil wir eigentlich gleich unser Lokal aufgemacht haben. Dafür versuch’ ich es jetzt wieder und studier’ Wirtschaftspsychologie.

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IMSÜDEN.AT: Euer Lokal, dort „wo der Speck an Wahnsinn grenzt“ hört man…
Stefan Schrittesser: Ja genau, das „schrittesser“, gleich hinter der Hauptuni in der Reichsstraße 11. Da hat sich damals 2010 das Lokal, also die Immobilie, praktisch ergeben. Und da wir die Lokalidee eh schon im Hinterkopf hatten, hat das perfekt gepasst.
Andreas Schrittesser: Man hört ja in Wien immer die Beschwerden über die „Servicewüste“ und, dass alle so unfreundlich sind und auch noch schlecht kellnern. Außerdem hat ja jeder schon mal überlegt ein Lokal aufzumachen und dann alles ganz anders und viel besser zu machen, oder? Wir haben uns eben getraut.

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IMSÜDEN.AT: Ja, reife Leistung! Wer nichts wird, wird Wirt, sagt man doch oder?
Andreas Schrittesser: Und „Wer gratis säuft und frisst, ist sicher Journalist!“ oder?

IMSÜDEN.AT: Wir distanzieren uns zwar von dieser Aussage, aber sagen trotzdem Danke, wenn ihr uns auf eine Jausen bei euch einladets, sollten wir mal in Wien sein. Die soll ja ganz gut sein, die Jausen im schrittesser…
Stefan Schrittesser: Ja, die ist ganz gut! Wir haben am Anfang versucht in Wien einen guten Speck und andere Kärntner Produkte zu bekommen, das war gar nicht so leicht. Der Speck zum Beispiel, hat den falschen Reifegrad. Der ist noch viel zu „nass“, weil die meisten nach Gewicht verkaufen, und da ist viel Wasser natürlich besser. Ich brauch’ für die Jausen aber einen Speck der „trockener“ is’, der reifer is’ und deshalb auch intensiver. Wir wollten einfach bei unserem Hauptprodukt wissen, wo es herkommt, wie es gemacht wird, was drinnen ist und lassen dem Fleisch im Vergleich zur konventionellen Produktion auch seine Zeit zur Reifung – 5-8 Monate im Verhältnis zu 1-2 Monaten, die es maximal in Schnelltrockenkammern hat.
Andreas Schrittesser: Tja, und da haben wir eben Zuhause bei Mama und Papa gefragt, ob sie ihre Speckproduktion nicht etwas ausweiten können. Denn Speck haben die Schrittessers schon immer gemacht, nur halt für den Eigenbedarf und ein paar Freunde. Jetzt haben sie ganz schön zu tun Zuhause, weil der Speck is’ der Renner bei uns im Lokal (lacht).

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IMSÜDEN.AT: Ihr habt also den Wienern erstmal gezeigt was ein richtiger Kärntner Speck ist?
Andreas Schrittesser: Naja, so arg is’ es auch wieder nit. Aber wir versuchen eben regionale Spezialitäten von Kleinbetrieben in Kärnten in der Hauptstadt anzubieten. Da haben wir am Anfang sogar in einer Zeitschrift für die Kärntner Bauern inseriert, damit wir den besten „Glundanan“, den besten Most usw. finden. War gar nit so leicht. Aber jetzt rennt‘s.
Stefan Schrittesser: Ja, unsere drei Säulen im schrittesser sind: das gemütliche Ambiente, der super Service mit der freundlichen Ansprache und die beste Produktqualität. Die pflegen wir und bauen sie aus.

IMSÜDEN.AT: Und was ist mit Kasnudl?
Andreas Schrittesser: Eh klar! Wir haben sogar einen kleinen „Heimatnotdienst“ eingerichtet und liefern via kärntnernudl.at Kasnudl innerhalb von 48 Stunden nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz. Die Teile kommen von einer ganz kleinen Nudelmanufaktur in Friesach, von der Caroline.
Stefan Schrittesser: Und sie sind a Traum!

IMSÜDEN.AT: Davon gehen wir aus. Aber euch war dann fad und ihr habts noch eine Modelinie gegründet?
Stefan Schrittesser: Naja, Modelinie ist übertrieben. Wir haben halt immer wieder Kleidung für’s Lokal gebraucht, also hab ich da was entworfen. Im Grunde sind es einfach T-Shirts mit lustigen Sprüchen und die vertreiben wir auf sunseitn.at. Kommt ganz gut an.

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IMSÜDEN.AT: Und jetzt ist Party angesagt? Kultursprung heißt eure neueste Erfindung. Was ist das und was macht das?
Andreas Schrittesser: Ja, es geht natürlich wieder um’s Kärnten-Thema. Man kommt einfach nicht davon los. (lacht) Zum Glück! Wir haben uns umgeschaut und es gibt leider keine g’scheide Kärntner Veranstaltung in Wien. Es gibt zwar den Kärntner Ball, aber der is’ ziemlich klein und auch nicht grad modern…
Stefan Schrittesser: Ja, aber auch nicht schlecht. Deshalb wollen wir auch keine Konkurrenzveranstaltung zum Kärntner Ball machen sondern wollen einen Sprung wagen und was ganz anderes machen!

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IMSÜDEN.AT: Aha, und wie macht man so einen Kultursprung?
Stefan Schrittesser: Na ganz einfach: Man muss sich trauen! Und dann setzt man sich mit den Kärntner Vereinen in Wien zusammen und baldowert was aus. Es kochen ja in Wien viele Kärntner Kochtöpfe ihr eigenes Süppchen und da haben wir gesagt: Machen wir ein Fest zusammen, wir übernehmen die Organisation!
Andreas Schrittesser: Ja, das Alte mit dem Neuen verbinden, ein Gemeinschaftsprojekt der Kärntner in Wien. Irgendwie ist die Idee auch entstanden und gewachsen als wir den Matthias vom Matakustix kennengelernt haben. Da war klar wohin die Reise geht. Er entwickelt jetzt mit den Kärntner Chören in Wien das Chorexperiment.
Stefan Schrittesser: Das war irre zu beobachten bei den ersten Proben. Der Matt hat sich hingesetzt und begonnen mit der Gitarre zu klimpern…
Andreas Schrittesser: … „Ich weiß jetzt nicht was das wird.“, hat er gesagt…
Stefan Schrittesser: … und zehn Minuten später haben die zusammen musiziert. Verrückt! Genial!
Andreas Schrittesser: Genau!

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IMSÜDEN.AT: (lacht) Wer springt sonst noch in die Hauptstadt? Wer tritt noch auf?
Stefan Schrittesser: Für die Moderation sorgen die Radeschnig-Zwillinge, die habt ihr eh schon mal interviewt und es gibt eine Trachtenmodenschau vom Max Strohmaier.
Andreas Schrittesser: Die Unvollendeten und der Richi Klammer werden auch musizieren und dann natürlich das Chorexperiment und Matakustix. Danach gibt‘s Barry Bahia und DJane Nina Love.  Da wird die Party abgehen.

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IMSÜDEN.AT: Und wo geht die Party ab?
Stefan Schrittesser: Mitten im Museumquartier am 13. 03. ab 19 Uhr.

IMSÜDEN.AT: Und wer soll kommen?
Andreas Schrittesser: Na, alle natürlich! (lacht). Die Hauptzielgruppe sind sicher Kärntner in Wien, Kärnten Fans, aber auch Kärnten-Skeptiker. Wir sagen einfach: Komm vorbei und schau‘s da an!
Stefan Schrittesser: Vielleicht wird daraus auch eine kleine Plattform für Kärnten in Wien. Das wär doch schön, wenn sich sowas etabliert.

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IMSÜDEN.AT: Versteht ihr euch eigentlich als Botschafter Kärntens in Wien?
Andreas Schrittesser: Das ist sicher zu viel gesagt. Aber natürlich muss man sich als Kärntner in Wien oft rechtfertigen. Das ist sicher lästig, aber auch eine Chance. So ernst sollte man das alles aber auch nicht nehmen.
Stefan Schrittesser: Genau. Wir beide funktionieren ohnehin nur, wenn wir sein können wie wir sind. Wir müssen uns ja nicht verstellen, wir machen bei uns im Lokal keine Haubenküche, aber wir haben ein geiles Kärntner Produkt drin und wemma amal an Grand haben, dann sag ma auch: Loß mi onglahnt!

IMSÜDEN.AT: In diesem Sinne wünschen wir euch frohes „Hupfen“!

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Pix: Johannes Wouk & KULTURSPRUNG bzw. Christina Berzaczy, Benjamin Klempin (Matakustix), Airborne Motion Picture (Die Unvollendeten)

Von Wouk

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