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„Wir wollen die Dinge des alltäglichen Lebens selbst herstellen"

Die Seiferei Weiss. Seit einiger Zeit werden in einer jahrelang leergestandenen Bäckerei im Rosentaler Kleinod Suetschach/ Sveče Laugen und ätherische Öle verrührt. Die Schwestern Ivana und Katja Weiss haben das alte Wirtschaftsgebäude reaktiviert, indem sie ihre Seifenproduktion aus naturreinen Ölen und Kräutern aus eigenem Anbau dorthin verlagert haben.

Noch bevor ich die Schwingtür zu dem klinisch sauber wirkenden Produktionsraum betrete, strömt mir ein Gemisch aus Zitronengras und Rosenduft entgegen. Wäre Sauberkeit eine Duftnote, röche sie vermutlich so. In dem kleinen Ort Suetschach/Sveče im Rosental muss man nicht lange suchen, um die alte Bäckerei, deren Aufschrift wie am ersten Tag glänzt, zu finden. Tatsächlich werden dort seit Jahren keine Brote mehr gebacken. Neuerdings wird das leerstehende Gebäude aber mit Laugen, Fetten, ätherischen Ölen und Kräutern neu belebt. Aus Unzufriedenheit über gängige Seifen und Waschmittel, begannen die beiden Schwestern Katja und Ivana Weiss selbst, Seifen herzustellen. Sie haben ein Gewerbe angemeldet, sich mit den EU-Zertifikaten beschäftigt und stellen nun in der ehemaligen Bäckerei Seifen mit verschiedensten Nuancen und Duftnoten her. Ivana Weiss, die im Hauptberuf Kindergartenpädagogin ist, hat schon Vorarbeit geleistet: Einige Emulsionen, Flüssigkeiten und Gemische stehen in kleinen, pastellfarbenen Plastikschüsselchen bereit. In einem schlichten Holzregal sind Glasgefäße mit getrockneten Kräutern aufgestellt. Aus einer Hintertür blinzelt eine neugierig blickende ältere Frau. Ivana Weiss stellt sie im nächsten Augenblick vor: „Das ist meine Schwiegermutter, sie hat sich am meisten gefreut, dass in der Bäckerei wieder was passiert.“  Sie erzählt mir, dass sie anfangs in den eigenen Küchen Seifen herstellten – hier wäre es aber praktischer weil man nicht alles wieder verräumen müsse. Der ganze Ort Suetschach/Sveče, der ohnedies durch die Internationale Malerwoche im Sommer als weltoffenes Dorf gilt, sei begeistert von der Reaktivierung der Bäckerei.

Leihgaben aus anderen „Zünften“
Wiederbelebt werden aber auch Gebrauchsgegenstände aus anderen Zünften: Zum Zerschneiden der getrockneten Seifenblöcke spannt sie die in Holzformen gegossenen Seifen in eine Zwinge aus der Tischlerei ihres Mannes. Der Draht, mit dem die Seifenstücke akribisch vom Ganzen geschnitten werden, ist eine Leihgabe aus der Fischerei und zudem an zwei Knöpfen aus der Schneiderei ihres Vaters befestigt. Die Küchengeräte stammen aus dem eigenen Fundus. Während Ivana Weiss behutsam naturreines Öl und Kokosfett unter leichter Hitze zusammenrührt, erzählt sie, dass es manchmal viel Skepsis gibt: „Vor allem die Herren muss man manchmal regelrecht überreden. Wenn sie dann aber überzeugt sind, hat man das Match gewonnen“ berichtet sie und weist dabei auf die spezielle Rasierseife hin.

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Momentan werden in der Seiferei Weiss sieben zertifizierte Seifen hergestellt. Das Zertifikat sei wichtig, weil das Seifenmachen seit einiger Zeit kein freies Gewerbe mehr sei und die EU ein strenges Reglement eingeführt hätte: „Ich muss über alles genau Buch führen: Ablaufdatum, Ort der Herstellung, Zutaten – alles muss nachvollziehbar sein. “ erzählt Weiss und führt ihr dicht beschriebenes Seifen-Logbuch vor. Dort sind alle Rezepturen peinlich genau aufgezeichnet. Das nütze ihnen aber auch selbst, gesteht sie im selben Augenblick ein. Vor allem dann, wenn Neues ausprobiert wird. Zum ständigen Sortiment kommen wechselnde Testseifen wie die Peelingseife mit Kaffee oder die Schafmilchseife, die heute extra als Vorführstück angefertigt wird.

„Hand“-Arbeit als Ausgleich zum Schreibtisch-Job
Beim Blick auf das Geschriebene holt Weiss aus: „Wir verwenden hauptsächlich Fette und Öle in Lebensmittelqualität und versetzen sie dann mit Auszügen oder Kräutern, die vorwiegend aus eigenem Anbau stammen.“ Sie betont, dass einfach die Freude am Handwerk überwiege. „Für meine Schwester Katja, die in Wien im Projektmanagement arbeitet, ist es ganz wichtig, dass sie neben ihrem Job etwas mit den Händen machen kann.“ legt Weiss nach.

Langsam und bedacht rührt sie währenddessen die Lauge in das Fettgemisch und bemerkt dabei: „Uns ist es einfach wichtig – und das war in unserer Familie schon immer so – dass wir die Dinge des alltäglichen Lebens selbst herstellen können“.

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Nachdem auch Schafmilch untergerührt wurde, kommen die aromatischen Duftträger in Form von ätherischem Öl in das zähflüssige Gemenge. Nicht nur wegen des Ambientes erinnert der Vorgang an das Zubereiten eines exquisiten Backwerks. “Trotzdem“, wirft die Kleinunternehmerin ein, „ es soll eine Seife bleiben.“ Alle Seifen kosten gleich viel – fünf Euro pro Stück. „Damit kommt man locker zwei Monate aus.“ ergänzt sie und weist auf die Langlebigkeit eines Seifenstücks hin. Momentan kann man die Seifen über die Homepage, auf saisonalen Kunsthandwerksmärkten und in der Schneiderei Weiss ihrer Schwester in der Klagenfurter Innenstadt kaufen. Seifen sind als alltäglicher Gebrauchsgegenstand etwas, das jeder Mensch braucht, laut Ivana Weiss ersetzen sie selbst das Duschgel. Sie und ihre Schwester hätten beide empfindliche Haut, die mit den eigens produzierten Waschstücken am besten zurechtkäme. Unter dem robusten Tisch in der Mitte des Raumes warten fertige Seifen darauf, zum Einsatz kommen zu dürfen. Erst nach circa vier Wochen Reifezeit, ist der PH-Wert der Seifen nicht mehr alkalisch und kann an die Haut gelassen werden. Manche ihrer Seifen ruhen bis zu acht Wochen ehe sie die Bäckerei verlassen und in den Handel kommen.

„Es ist immer wieder spannend, was dabei herauskommt.“ bemerkt die Seifenherstellerin. Zwar wäre noch nie etwas total misslungen, aber in Konsistenz, Farbe und Duftintensität unterliegen die Seifen, wie jedes andere Naturprodukt, Schwankungen. Geduld und Neugier sind beim Seifenherstellen also durchaus kompatible und nicht zu unterschätzende Tugenden. In der Hinsicht ist es dem journalistischen Handwerk ausgesprochen ähnlich.

www.seifereiweiss.at

pix:  Regina Orter & Micka Opetnik

Von Wouk

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