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„Wir bringen die PS auch auf die Straße…“

Die Brüder Michael und Thomas Semmler checken mehr als 150 Thermen und Hotels im Jahr, „semtainen“ den halben Süden, bauen gerade ein neues Office, würden gerne das Wörthersee-Stadion beleben und den Großen Preis von Moosburg gewinnen. Wir haben die rasanten Jungs vom Lackieren ihrer Seifenkiste abgehalten und sie gefragt, wie sie das überhaupt alles so entspannt hinkriegen? Als Bonus haben wir dann noch eine Lektion über Wellnessbusiness und Businesswellness erhalten.

Angenehmer Weise haben die Gebrüder Semmler ihr Büro gleich über dem von Benjamin Hösel, der ja für das Design von IMSÜDEN.AT verantwortlich zeichnet. Also müssen wir, während einer unserer stundenlangen Grafiksessions aka. Billardturniere, auch nur ein paar Stufen in den ersten Stock der WORKSTATION überwinden, um die Jungs in Flagranti beim Anprobieren ihrer Rennanzüge zu erwischen. Ihr fragt euch jetzt bestimmt, warum wir Billard spielen anstatt zu arbeiten – das verraten wir euch aber nicht, dafür aber, warum zwei Typen mit einer Web-Plattform und einer Entertaiment-Firma, einen Rennanzug brauchen….

IMSÜDEN.AT: Hallo Semmlers, was treibt ihr da? Ihr seit zwar geschäftlich ziemlich rasant unterwegs, aber für die Formel 1 wird‘s wohl noch nicht reichen. Wozu also die Rennanzüge?
Thomas Semmler: Die sind für den „Großen Preis von Moosbug“, den Pot müssen wir als zukünftige Mossburger natürlich holen (lacht).
Michael Semmler: Ist ein Seifenkistenrennen. Nicht grad der Red-Bull-Ring, aber immerhin. Übrigens Thomas, wir müssen noch den Boliden grundieren, damit er trocknen kann…
Thomas Semmler: Ja, stimmt. Was willst du eigentlich?

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IS: Euch fragen warum ihr nach Mossburg zieht…
Thomas Semmler: Moosburg macht eben munter (lacht). Nein, wir haben da ein schönes Grundstück gefunden und uns von SPADO ARCHITECTS ein wunderbares Wohn-, bzw. Arbeitshaus für unsere zwei Familien planen lassen. Bald legen wir mit dem Bau los und ziehen hier dann aus.

IS: Genug von Klagenfurt? Oder expandiert ihr?
Michael Semmler: Beides. Oben in Moosburg wurden wir eben von einem engagierten Bürgermeister empfangen und haben uns sofort wohl gefühlt. Wir haben drei Grundstücke besichtigt und dann eins gekauft. Außerdem können wir in unserem neuen Domizil dort leben ,wo wir arbeiten und umgekehrt.
Thomas Semmler: Das wird fast wie früher, als die Großfamilien alle am Bauernhof wohnten und bei der Arbeit zusammen halfen. Damals ging‘s um die Ernte, heute geht‘s halt ums Web, Facebook und Entertainment. Is eh lustiger (lacht).

IS: Stimmt. Kommt ihr etwa vom Bauernhof?
Michael Semmler: Nein, ursprünglich aus dem Gemeindebau im Lavanttal. Geboren und aufgewachsen sind wir in St. Paul. Ich bin dann zum BWL-Studieren nach Klagenfurt, noch im letzten Jahrtausend…
Thomas Semmler: …und ich hab auf Karriere mit Lehre gesetzt. Ich arbeite also praktisch seit ich 15 bin. Im Marketingbereich hab ich früher bei Radio Harmonie und Krone Hit gearbeitet, bis das mit der Selbstständigkeit los ging.

IS: Gutes Stichwort. Wie ging das mit der Selbstständigkeit los?
Michael Semmler: Mit unserem ersten Produkt „Thermencheck.com“ haben wir es anfangs einfach neben der Arbeit ausprobiert. Wir hatten eine OEG und haben es einfach versucht.
Thomas Semmler: Ja, das war ein hartes erstes Jahr, praktisch mit zwei Berufen. Aber wir hatten von Anfang an tolles Feedback, sowohl von den Usern, als auch von den Thermen und Hotels selbst.

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IS: Ganz blöde Frage, was macht Thermencheck.com eigentlich?
Thomas Semmler: rate mal….
Michael Semmler: Der Ideengeber war sicher das Portal Holidaycheck. Wir sind draufgekommen, dass es da eine Lücke gibt…
Thomas Semmler: Eben den sogenannten Wellnessbereich. Die Thermen in Österreich und in weiterer Folge auch in den Nachbarländern, Slowenien. Deutschland und so weiter.
Michael Semmeler: Aber da haben wir erst später hin expandiert, weil es in Österreich selbst, eben gar nicht so viele Thermen gibt. Da haben wir uns einfach den ganzen Süden dazu genommen (lacht).

IS: Wie habt ihr das angestellt?
Thomas Semmler: Naja, am Anfang waren wir eine professionelle Klinkenputzerei, sind mit unserem alten Renault quer durchs Land getingelt, haben im Auto geschlafen oder sind Nächte lang durchgefahren.
Michael Semmler: Uns war es wichtig, die Thermen-Manager und Hoteliers persönlich zu sprechen und kennenzulernen. Man möcht‘s nicht glauben, aber das war damals fast schon ein radikaler Ansatz (lacht). Die anderen Webportale haben einfach Formulare geschickt. Wir sind bei denen auf der Matte gestanden und auf sie zugegangen.
Thomas Semmler: Da hieß es dann immer: „Ah, die Kärntner schon wieder, kummts eina Burschen!“

IS: Ok, also habt ihr die Herzen der Kunden gewonnen, aber wie vertreibt ihr euer Produkt?
Thomas Semmler: Klassisches WEB 2.0. – über Facebook und weitere neue Medien, hauptsächlich. Wir waren im Wellness-Segment ja die ersten in Österreich und hatten bald fast alle 40 Österreichischen Thermen unter Vertrag. Dafür gibt‘s natürlich Nachfrage. Heute haben wir mit 150 Thermen und Hotels in deren Nähe, die größte Auswahl.
Michael Semmler: Und, abgesehen vom Onlinevertrieb und der Werbung, die wir dort auf der Seite verkaufen, gibt es auch noch unsere WELLCARD, eine Gutscheinkarte, die sich besonders als Geschenk eignet. Die lädt man einfach auf und kann der Mama oder der Freundin eine Freude machen. Mit der WELLCARD haben wir ein riesieges Vertriebsnetz, sind in kanpp 2.000 Tankstellen und an Supermarktkassen bei Spar, Interspar, Eurospar, Libro und Merkur. Fast 4.000 Betriebe verkaufen das Ding jetzt schon und beim Spar sind wir bereits die drittstärkste österreichische Gutscheinkarte. Den Billa wollen wir noch knacken, dann reicht‘s aber in Österreich (lacht).
Thomas Semmler: Damit generieren wir auch direkte Umsätze für unsere Thermen, das spüren sie und das taugt ihnen natürlich! Schließlich kann das Ding ja in 100 Thermen und Hotels eingelöst werden.

IS: Also kommt die Kohle von den Thermen und Hotels, die ihr unter Vertrag habt und den Kunden, die eure Gutscheinkarten kaufen.
Thomas Semmler: Genau. Die Thermen und Hotels buchen uns immer für ein Jahr – da haben wir bereits einen planbaren Grundumsatz und damit ein Budget mit dem wir sicher arbeiten können. Und beim Gutschein verdienen wir mit.

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IS: Na perfekt, jetzt verstehen wir, warum ihr euch zurücklehnen  und eure Zeit nur noch im Seifenkistenrennzirkus tot schlagen könnt.
Michael Semmler: (lacht) Nein, zurücklehnen wär nix für uns.
Thomas Semmler: Wir haben das WEB-2.0-Marketing für die Thermen natürlich ausgebaut, perfektioniert und weitere Features ins Leben gerufen, wie zum Beispiel unser Wellradio, das erste Wellnessradio Österreichs, oder den Aquarius-Thermenguide. Irgendwann haben die Kunden dann auch gesagt, ihr macht‘s das so toll, wollt‘s nit noch mehr machen?

IS: Also habt ihr mehr gemacht.
Thomas Semmler: Genau. Wir sind etwas in Richtung Eventmarketing  gegangen und haben zum Beispiel heuer schon die zehnte Thermen-Party-Reise am Start. Die Slowenen wollten mehr Österreichische Besucher – wir haben sie ihnen gebracht und dazu das entsprechende Rahmenprogramm.
Michael Semmler: Genauso wie bei der Thermencheck-Sommertour oder beim Unplugged, die eher für die jüngere Zielgruppe ausgelegt sind. Heuer waren zum Beispiel Matakustix dabei, DJs, Animation und so weiter.

IS: Also wandert ihr immer mehr vom Online zum Offlinegeschäft.
Michael Semmler: Würd ich so nicht sagen. Eines ergibt einfach ganz natürlich das andere. Zum Beispiel haben wir über unsere gute Social-Media-Arbeit für Thermencheck, diverse Stars kennengelernt und machen mittlerweile deren ganzen Facebookauftritt. So kamen wir dann auch mit  Top-Veranstaltern in Kontakt, deren Events wir jetzt digital vermarkten.
Thomas Semmler: Mittlerweile haben wir da ein richtig großes Booking-Netzwerk aufgebaut und haben beste Verbindungen mit der Berliner Musikszene, Universal-Records, 313-Music, DSDS und so weiter. Jetzt veranstalten wir also auch selber Konzerte und Events.

IS: Achja,  ihr wolltet ja die Wurst ins Stadion holen oder?
Thomas Semmler: Jaja, die Semmlers und die Wurst, das ist eine ganz eigene Geschichte…

IS: Die Wurst-Semmlers haha (lacht, prustet los, packts nimma, bricht weg…)
Michael Semmler: Jaja, krieg dich wieder ein, der ist auch schon alt (lacht). Nein, wir sind eben auch im Entertainmentgeschäft und wollen nächsten Mai einen Großevent im Klagenfurter Stadion machen, weil das gehört ja belebt. Was genau geraten wir aber noch nicht.
Thomas Semmler: Ja, und da gab es, sagen wir mal die ein oder andere Terminüberschneidung mit einer gewissen Europäischen Musikveranstaltung die manche, Namen wollen wir keine nennen, gerne im Stadion gesehen hätten. Das die Conchita Wurst das Ding nach Österreich geholt hat, finden wir natürlich auch grandios, aber das ganze im Stadion zu veranstalten, war natürlich utopisch.

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IS: Wie schafft ihr das eigentlich alles: Thermenchecken, semtainen und Stadion beleben, gute Arbeitsteilung?
Thomas Semmler: Sicherlich. Den Verkauf für Thermencheck.com haben wir beide über. Michi macht Deutschland und den Norden von Österreich, ich bin dafür mehr im Süden.
Michael Semmler: Die Eventschiene liegt sicherlich auch mehr beim Thomas, denn er kommt ja aus der Richtung. Dafür kümmer ich mich ums Kaufmännische und Finanzielle.

IS: Klingt aber trotzdem nach mehr Stress als Wellness.
Michael Semmler: Der nächste alte Schmäh (lacht). Sicher ist es oft stressig, aber es macht uns auch viel Spaß. Zum Glück sind wir nicht nur Brüder sondern auch beste Freunde. Wir geben beide immer hundert Prozent – das honorieren unsere Kunden auch.
Thomas Semmler: Bei uns wird nicht immer nur geredet, sondern getan. Wir bringen die PS auf die Straße, das ist unser Motto!

IS: Na dann, wo geht die Reise hin mit all den PS?
Thomas Semmler: Für 2014 haben wir uns vorgenommen nur noch Sachen zu machen, die uns auch Spaß machen. Wir haben uns deshalb  auch von einigen Kunden und Projekte getrennt. Das können wir uns mittlerweile leisten.
Michael Semmler: Wir haben sehr viel Know-How angesammelt sowohl online, als auch offline. Thomas coacht ja auch in diesem Bereich. Da macht uns so schnell keiner mehr was vor.

IS: Jungs, bitte konkreter….
Michael Semmler: Na meinetwegen. Das Stadionding wird sicher groß, unser Office wird der Hammer und ich bin grad zum zweiten Mal Vater geworden, also genügend Projekte in der Pipeline…
Thomas Semmler: Naja, ein konkreter Event wäre noch ein Musik-Festival, das wir für September 2015 in Planung haben. Mit einer interessanten Mischung aus Volksmusik und Hard-Rock-Bands. Im Oktober holen wir außerdem noch die Comedy-Hirten ins Klagenfurter Konzerthaus.
Michael Semmler: Ja, und mit Thermencheck noch Ungarn und Italien abdecken, aber dafür brauchen wir neue Mitarbeiter. Wir sind ja derzeit nur zu sechst. Also: Wir suchen dringend Leute für den Vertrieb, meldet euch, bitte!

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IS: Wie schafft man das, was ihr geschaffen habt und immer noch schafft?
Michael Semmler: Ganz wichtig ist es sicher, aufs Bauchgfühl zu hören. Wir wussten am Anfang auch nicht, ob es weitergeht, ob das ganze funktioniert. Du musst die Signale der Kunden wahrnehmen, 60 Stunden arbeiten und trotz vieler Rückschläge, an dich und deine Idee glauben.
Thomas Semmler: Ich würde sagen, entweder machst du es ganz oder gar nicht: Richtig durchstarten kannst du nur, wenn richtig dahinter stehst. Aber das heißt nicht, dass du deinen Weg immer nur stur verfolgen musst. Manchmal muss man auch Umwege gehen und neue Chancen erkennen.

IS: Gähn, sonst noch Binsenweisheiten auf Lager?
Thomas Semmler: Ja, die Zeit richtig einteilen. Wir müssen jetzt unsere Seifenkiste lackieren gehen, also danke für das Interview (lacht).

IS: Wir sagen Danke. Und viel Erfolg beim Großen Preis von Mossburg! (Anmerkung: Bei Redaktionsschluss lagen die Semmlers noch ganz gut im Rennen…)

pix: Johannes Wouk, Thermencheck.com

Von Wouk