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„Wir machen das Schneiderhandwerk wieder zukunftstauglich.“

Markus Brunner (27) hat das „Stoffstudio“ seiner Mutter in Wolfsberg übernommen, und nebenher SUITCON – YOUR MOBILE TAILOR gegründet. Damit bringt er nun den Schneider zum Kunden, und verkauft Herrenmaßkonfektionskleidung übers Internet. 

Hallo Markus, was macht SUITCON genau?
SUITCON ist „Your mobile Tailor“, also dein mobiler Schneider. Und das ist genau was wir machen. Wir bringen den Schneider zum Kunden.

Weil der Kunde nicht mehr zum Schneider gehen will?
Weil der Kunde Besseres verdient hat! Aber ja, im Grunde spielt die Idee natürlich mit dem ZALANDO-Gedanken – nur, dass wir nicht die Massenware an die Kunden verschicken, sondern einen Profi, der ihnen die Kleidung ganz persönlich auf den Leib schneidert.

Wie läuft das genau ab?
Ganz einfach, du gehst auf unsere Website www.suitcon.at oder unser App und bestellst dir in Wien, Graz und Klagenfurt deinen persönlichen Schneider ins Haus, oder ins Büro. Der berät dich in Sachen Stoffqualität, Muster, Knöpfen, Schnitt, usw. und misst dich anschließend aus. Vier Wochen später kommt er wieder, und du darfst deinen Anzug probieren. Erst wenn er perfekt passt, kaufst du dir das Teil. Genäht wird von Schneidern aus der Alpen-Adria-Region. Die Stoffe kommen von namhaften Webereien aus England und Italien.

Wie bist du auf diese Idee gekommen, bzw. was war der Auslöser für deine Selbstständigkeit?
Ich hab in Graz BWL studiert und machte ein Praktikum bei einer Bank in Frankfurt. Dort hatte eine Kollege einen gut geschnittenen Anzug. Also hab ich ihn gefragt, woher er den hat und er meint: „Aus Bankok um 100 Euro“. Das hat erstmal mein Interesse geweckt. Dann habe ich mich im Studium auch auf Entrepreneurship spezialisiert, und währenddessen bereits für Freunde und Studienkollegen Anzüge machen lassen. Während dem Studium war es mehr ein Hobby, aber ich hab schon gemerkt, die Nachfrage ist da.

Du bist also selbst kein Schneider, sondern eher Entrepreneur?
Ja, ich bin zwar in „Hermi’s Stoffstudio“ aufgewachsen, und habe hier auch gearbeitet, aber ich habe nie eine Lehre absolviert. Daher auch der Firmenname: „SUITCON“ kommt von Suit-CONSULTANT, und als solcher verstehe ich mich auch. Was du in dem Job brauchst, ist ein Gespür für Fashion und Style und eine Leidenschaft für Anzüge. Geschneidert werden die Produkte ja von erfahrenen Profis, bei uns im Wolfsberger Laden machen wir nur den letzten Schliff und kleine Änderungen.

Also geht es auch um Handwerkskunst?
Natürlich. Viele Konkurrenzprodukte im Internet funktionieren halt nicht, weil keine Handwerkskunst drinnen ist. Wenn sich jeder selbst abmisst, und dann in Asien massenhaft geschneidert wird, dann gibt es natürlich viele Fehlerquellen und viele Rücksendungen, die dir das Geschäft kaputt machen – von der Kundenzufriedenheit gar nicht zu reden. Daher die Idee, den Schneider zu bestellen, und nicht das Produkt. Das macht auch das Schneiderhandwerk wieder zukunftstauglicher.

Ist das eine Marktlücke? 
Ja, auf jeden Fall. Wir bewegen uns mit unseren Produkten ja in der Mittelklasse. Da gibt es eigentlich kein mir bekanntes „Homeservice“. Auf der einen Seite gibt es teure Maßanzüge, die bei 3.000 Euro beginnen, und auf der anderen Seite die billige Konfektionsware in den Kaufhäusern, die keinem richtig passt. Dazwischen stehen wir. Wir machen Maßkonfektion. Das bedeutet, die Schnitte bestehen bereits, wir passen sie aber ganz genau auf unsere Kunden an. Und bei uns gibt’s einen Anzug schon ab 690 Euro.

Das klingt vernünftig. Aber zurück zu deiner Firmengründung. Wo hast du dich informiert, als klar wurde, dass du dich selbstständig machen wirst?
Naja, ich hatte natürlich einen gewissen Wissensvorsprung durch mein Studium, aber ich muss sagen, das Gründerservice hier in der Wirtschaftskammer Wolfsberg war extrem hilfreich. War wirklich eine super Beratung und es ging auch alles glatt.

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Hast du einen Businessplan für SUITCON gemacht?
Nein, ich halte nichts davon, ewig im stillen Kämmerchen zu sitzen und zu planen. Das Wichtigste bei einer Firmengründung ist, dass es echte Nachfrage nach deinem Produkt oder deiner Dienstleistung gibt.

Was meinst du mit „echte“ Nachfrage?
Zuerst musst du mal rausgehen zu Freunden und Bekannte, ihnen von deiner Idee erzählen und sie fragen, ob sie das kaufen würden, was du verkaufen willst. Im Falle wenn Sie die Zielgruppen wären und dann sagen: „Ich find das eine super Idee, aber ich persönlich würd’s nicht unbedingt kaufen.“, dann solltest du dir schon einmal Gedanken machen. Wenn sie das aber gleich bestellen wollen, dann bist du auf dem richtigen Weg.

So wie du mit SUITCON?
Genau! Ich hab ja während dem Studium, mehr aus Leidenschaft und für gute Freunde, begonnen. Als die dann ihre ersten Anzüge hatten, hat sich das rumgesprochen. Erst als ich merkte, da kommen schon Anfragen von Leuten, die von anderen Leuten gehört hatten, dass es da jemanden gibt, der Anzüge für jemanden gemacht hat, hab ich daran gedacht daraus ein Geschäft zu machen.

Was hast du dann gemacht?
Zuerst dachte ich ehrlich gesagt daran, das so ähnlich aufzuziehen wie andere „Internetschneidereien“, also die Anzüge in Asien schneidern zu lassen. Ich war dann auch in Bangkok, und hatte recht schnell ein paar Geschäftspartner. Aber es hat sich dann auch recht schnell gezeigt, dass man da ein großes Qualitätsproblem bekommt. Also bin ich davon wieder abgekommen, und heute lassen wir nur noch in Italien, Slowenien und Deutschland nähen. Da stimmt die Qualität!

Aber du hast doch sicherlich irgendeinen Plan, ein Modell, wo es hingehen soll?
Das Modell, also die Idealvorstellung, ist es, in jeder Stadt fixe Suitconsultants zu haben und dazu gleich die jeweilige Partnerschneiderei. Das wär das Ziel. So sind die Kompetenzen gut aufgeteilt. Auf der einen Seite die Profi-Verkäufe und Styleexperten, und auf der anderen die erfahrenen Handwerker.

Ok, und der Zeitplan?
Also grundsätzlich würde ich sagen, man muss jedes Geschäftsmodell mal mindestens drei Jahre ausprobieren. Im ersten Jahr baust du ja erst auf, und bis du wirklich ein „G’schäft“ machst, dauert das. Dann siehst du, ob’s weiterläuft, und kannst dir eine Kundenbasis aufbauen. Für SUITCON ist natürlich der erste Anzug, mit der Abnahme der Maße und den Erstgesprächen, am aufwändigsten. Wir fangen erst an wirklich was zu verdienen, wenn der Kunde nachbestellt. Denn dann haben wir die Maße schon, und können leichter und schneller produzieren. Auch ein Vorteil für den Kunden!

Du machst dem Kunden also mit dem ersten Anzug eine Freude, und mit dem zweiten machst du dann dein Geschäft.
Wir sind immer bemüht den Kunden eine Freude zu machen! SUITCON soll sich auch nicht über den Preis, sondern über unseren Service definieren. Kundenzufriedenheit ist mir das Wichtigste. Und das funktioniert auch – denn von unseren 250 Kunden, haben circa ein Drittel nachbestellt.

Wie hast du deine erste Gründerberatung erlebt, was hat es dir gebracht?
Das war wirklich super, hier bei der Wirtschaftskammer in Wolfsberg. Alles war sehr verständlich erklärt und ohne viel blabla, kurz und bündig. Ich finde das extrem wichtig, dass es da eine gratis Beratungsstelle gibt. Gerade am Anfang hat man ja kein Geld als Gründer, da ist dieser Service der WIrtschaftskammer Gold wert!

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Na Markus, du warst ja sehr angetan von deiner Gründerberatung in Wolfsberg. War die tatsächliche Firmengründung dann wirklich so einfach?
Ja, war wirklich absolut reibungslos und auch unspektakulär.

Welches Gewerbe hast du angemeldet?
Kleidermacher. Das ist die korrekte Berufsbezeichnung für Schneider. Aber da das ein geschütztes Gewerbe ist, habe ich eine gewerbliche Geschäftsführerin eingesetzt. Gleichzeitig habe ich Hermi’s Stoffstudio, den Betrieb meiner Mutter übernommen, und auch das lief wie am Schnürchen. Ich glaube es war alles innerhalb von 3-4 Tagen über die Bühne gebracht, keine Rede von Behördenmarathon, alles super easy!

Und dann gab es sicherlich eine große Eröffnungsparty?
Nein, eigentlich gar nicht. Wenn man so will, dann habe ich bei meiner Sponsionsfeier damals offiziell verkündet, dass das jetzt mein Ernst ist, und da gab’s dann eine „g’scheide“ Party. Aber das war’s auch schon, für die Firma an sich war keine Party notwendig. Damals gab’s auch noch nicht sehr viel zu feieren. (lacht)

Wir war das Gefühl beim Gründen?
Eigentlich recht emotionslos. Meine Mutter ist ja auch Unternehmerin, ich bin so aufgewachsen, für mich ist Selbstständigkeit selbstverständlich. Da hat man wahrscheinlich weniger „Ängste“ vor einer Gründung. Außerdem sind bei mir ja auch keine großen Investitionskosten angefallen, also war die Finanzierung nicht so ein Riesenthema. Zum Glück!

Hattest du nie Angst, dass deine Geschäftsidee doch nicht einschlägt?
Nein, denn das es einen Markt gibt, hab ich ja schon im Vorhinein ausgetestet. Aber natürlich hat man, wenn man etwas Neues macht, immer wieder mal Unsicherheiten bzw. Respekt vor den Herausforderungen, die auf einen zukommen. Allerdings geht es mit SUITCON seit vier Jahren stetig bergauf und wir sind heute schon in Klagenfurt, Graz und Wien aktiv. Wenn ich früher gewusst hätte, wie professionell wir heute schon arbeiten, hätte ich weniger Bedenken gehabt. Aber als Unternehmer muss ich mir natürlich auch Sorgen machen.

Welche Sorgen machst du dir als nächstes?
Jetzt wird es Zeit, das Klagenfurt, Graz und Wien selbstständig zu Laufen beginnen, und dann träumt man als Modeentrepreneur natürlich davon nach Paris, London und Mailand zu gehen. Da bist du dann im Nabel der Modewelt und dann kann natürlich alles passieren. Aber alles soll Schritt für Schritt und wohlüberlegt passieren.

Hast du einen Rat für andere Gründer?
Naja, Rat ist vielleicht viel gesagt da ich selber noch recht jung bin, aber ich halte, wie gesagt nicht so viel von großen Plänen. Viel wichtiger ist es, rauszugehen und zu schauen, ob die Menschen mein Produkt oder meine Dienstleistung überhaupt kaufen würden! Da reicht kein „coole Idee“ oder „ja, das müsste man machen“, sondern es wird nur funktionieren, wenn deine zukünftigen Kunden sagen: „Ja, genau das brauch ich, wo kann ich es kaufen, jetzt sofort“!

Von Wouk

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