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Emotionale Tauchkurse mit Theresa Pewal

Ich spare mir heut’ ein langes Vorwort, denn mit Theresa Pewal (22) zu sprechen, ist wie drei verschiedene Künstlerinnen auf einmal zu interviewen. Dementsprechend eine herzliche Entschuldigung für den Muskelkater in euren Scrollfingern und viel Vergnügen mit dieser einmaligen Frau, in die ich mich jedes Mal, wenn ich sie sehe oder ihr zuhöre, auf’s Neue verliebe!

Du stehst ja schon lange auf meiner Liste derer, die ich gerne einmal bei einem Kaffee ausfratscheln würde, primär, weil ich endlich wissen will, was machst du eigentlich alles?

Da gibt’s mehrere Punkte! Als erstes muss die Musik erwähnt werden. Alte Musik treibt mich schon lange an. Seit ich 17 bin, ist die Alte Musik einfach mein’s. Mit sechs habe ich mit Blockflötespielen begonnen, die große Faszination Alte Musik kam dann erst unter anderem durch die Trigonale dazu. Sie berührt mich tief im Inneren! Ein sehr großer Teil meines Wesens findet in diesem Bereich seinen Ausdruck.

WTF ist alte Musik? Ich weiß ja, du spielst Blöckflöte – wie auch immer du von diesem Früherziehungstrauma verschont geblieben bist – ich hab den quäckenden Klang meiner Spielversuche heute noch im Ohr!

(lacht) Ich hatte viele Hobbies. Dann war’s halt irgendwann an der Zeit, sich für eines zu entscheiden. Damals hieß es für mich Tauchkurs oder Blockflöte. Tauchausbildung in Villach ist halt nicht so … daher die Blockflöte.

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Von der Plastikversion zur Profiliga sozusagen?!

(lacht schon wieder – so lustig bin ich eigentlich gar nicht) Ich hatte echt eine gute Lehrerin, war komplett begeistert vom Instrument und der Musik selbst und bin somit auch über die schwierige Phase der Pubertät hinweggetaucht! (jetzt lache ich)
Seitdem ich sechs bin, spiele ich. Irgendwann kamen dann Wettbewerbe, bei denen ich gut abschnitt, vor allem dafür, dass ich nichts – na ja, sagen wir „wenig“ – geübt hatte! Mama meinte dann, ich soll mal bei dem Meisterkurs der Trigonale mitmachen. Dort hab ich dann richtig professionelle Spieler_innen erlebt – die haben Sachen vom Blatt gespielt, die ich im Traum noch nicht konnte. Da hat‘s mich dann richtig gefangen – die ganzen Leute … es hat mich so gerührt, dass so viele Musiker_innen die gleiche Passion teilten. Dann kam die Matura, meine Abschlussprüfung in der Musikschule und bevor’s nach Wien ging, hab ich noch ein Jahr in Klagenfurt, unter anderem zur Vorbereitung studiert.

Seitdem sammelst du Auszeichnungen! Grad vor kurzem hast du doch eine Urkunde „Extraordinary Music Talent“ eingeheimst, oder?

Ja, bei der Austrian Barock Akademie hab ich mit 50, 60 anderen Teilnehmer_innen einen Meisterkurs gemacht – das war eine tolle Sache und da gab’s eben auch Awards und tja, da hab ich auch einen abgestaubt. Ach, es ist einfach schön zu sehen, dass dieser Bereich nicht leidet, obwohl ich so viele Hobbies habe.

Ich fasse zusammen, ufftza, du spielst Blockflöte und das gekrönt von diversen Auszeichnungen und Weiterbildungsmaßnahmen deinerseits, du bist Fotografin – dazu kommen wir ja noch – und ich weiß, du singst ja auch noch…

Hihi, ja, das war auch Zufall, dass ich da drauf gekommen bin. Ich war irgendwann im Schulchor, „zwecks da Gaude“. Ich wusste ja nicht, dass ich singen kann. Dann gab’s da einmal einen Klosterausflug, die Chorleiterin zwang uns zum Solosingen und da dachte ich mir, hö, meine Stimme klingt ja gar nicht so schlecht. Ich hab dann gleich meinen Papa bei der Heimfahrt beglückt und alle paar Minuten aufgeschrien: „Hey, das hört sich ja gut an, Papa, ich kann singen!“
Tja, dann kam auch irgenwann Gesangsunterricht, die erste Band, so mit 14, und auch die erste große Liebe, der Bassist, und damit auch die Inspiration und das erste Lied, das ich geschrieben habe.

Ja, genau, schreiben tut sie ja auch noch!

Ja, das war einfach herrlich, meine Gedanken auf Papier zu bringen.

Die erste große Liebe hat dann auch noch die Poesie in dir zum Vorschein gebracht.

Ja, das erste Lied war zum Teil kopiert, aber es war mein erstes und meine erste Liebe. Ich bin ja doch ein recht emotional verwirrter Mensch und so war’s dann eben auch bald wieder aus. Das war sehr dramatisch! Zwei Jahre hat’s gedauert, bis ich drüber weg war. In der Zeit sind auch weitere 30 Lieder entstanden. Nebenbei hab ich mir noch das Gitarrespielen beigebracht – geht ja gar nicht anders, wenn man komponieren will.

Stimmt, mit der Blockflöte im Mund ist ja auch schwer singen!

(lacht – ihr dürft gerne mitlachen) Klingt „a bissle“ komisch, wohl wahr! Tja, dann kamen auch die ersten Auftritte daher – damals im Bluesiana – Gudrun Kofler hat mir sozusagen den Weg in diese Welt geebnet. Das war schon etwas Besonderes, denn auf dieser Bühne stehen normalerweise Mitglieder der Rolling Stones, Richie Kotzen und so weiter und dann ist da plötzlich die kleine Thesi mit ihren ersten eigenen Nummern. Das war irgendwie ein gutes Gefühl. All meine Freunde und Freundinnen waren da, das machte die Sache noch schöner.

Das mache ich auch heute noch! Zwischendurch irgendwo auftreten, immer mit anderen Musiker_innen, diverse Projekte auf die Beine stellen. Das ist die andere Seite der Musik, die mich ausmacht und prägt.

Und irgendwann fiel dir dann plötzlich auch noch eine Kamera in die Hand?

Genau! Ich glaube, es war ein Geburtstagsgeschenk, mit 13 oder so. Eine kleine Digitalkamera mit Makrofunktion. Gott sei Dank kam dann die Pubertätsmelancholie und ich wollte viel allein sein. Da war die Kamera ein guter Begleiter, nicht nur, weil sie schweigsam ist, sondern weil ich mit ihr alle Momente, die mich im Innersten berührt hatten, festhalten konnte. Damals machte ich lange Spaziergänge durch den Wald, habe Blumen und Steine fotografiert – das war eine tolle Zeit, die mir viel gegeben hat… Eines Tages meinte mein Vater: „Hey, du machst ja tolle Bilder!“ Mit 15 gab’s dann die nächste Kamera zum Geburtstag – mit der hab ich viel gemacht. Damals hab ich mich auf einer Fotocommunity-Plattform angemeldet. Das Feedback von anderen war und ist nach wie vor enorm wichtig für mich.

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Dann kam die Bayer Austria und wollte ein Bild von mir haben für eine Kampagne. Und ich, vor lauter Freude, hab nicht einmal Geld dafür verlangt, aber an meiner Einstellung hat sich damit etwas geändert, denn wenn DIE mein Bild als gut genug für ihre Kampagne empfinden, dann kann ich so schlecht ja nicht sein, hab ich mir gedacht. Dann bin ich draufgekommen, dass ich kurzsichtig bin. Brille auf die Nase und mein Blickfeld hat sich damit voll erweitert, ich habe tiefe Landschaften wahrgenommen, Perspektiven …. Und dann kam Dory, meine erste richtige Spiegelreflexkamera.

Ist das eine Marke, die man kennen muss?

(lacht – ja, ja, lach du nur!) Nein, das ist der verrückte Fisch aus „Findet Nemo“.

Die Dooooorrrryyyy???!!! (Hörbeispiel folgt, sobald IMSÜDEN.AT auch auf akustisch macht.) Mit der hat man mich damals verglichen! Lassen wir das, wie ging’s weiter?

Tja, ich hab jemanden kennengelernt, einen Hobbyfotografen, der Fotowalks gemacht hat, auch bei einer Community dabei war, und das hat dann drei Jahre gedauert. Wir haben einander gepuscht, kritisiert, sind aneinander gewachsen. Wir haben auch darüber gesprochen, ein Business zu starten, und Aufträge gegen Geld angenommen. Doch dann bin ich nach Wien gegangen, um Blockflöte zu studieren, und dann war halt auch dieses Leben vorbei.

Thesi, sag einmal, wie bist du jetzt eigentlich Berufsfotografin geworden, oder besser gesagt, warum hast du eigentlich gerade die Fotografie zum Beruf gemacht?

Na ja, ich bin im musikalischen Bereich nach wie vor in Ausbildung. Und da hat die Professionalisierung einfach noch keinen Platz. Ich lerne das ja noch (lacht), auch wenn ich immer wieder Engagements habe und kleine Auftritte in Villach. Für mich ist die Musik in mir noch nicht ausgereift genug, um sie zu beziffern. Da gibt’s noch so viele Bessere als mich!

Bei der Fotografie weiß ich, dass ich meinen Stil gefunden habe. Ich weiß, was ich will, wie meine Bilder der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen und das kann mir niemand anderes mehr schlecht machen, denn das ist mein’s.

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In Sachen Selbstreflexion bist du echt gut. Ich meine, was du alles kannst und trotzdem hebst du nicht ab, sondern differenzierst deine Leidenschaften klar, stellst dich selbst in Verhältnis zu den vielen Menschen, die dir begegnen, mit denen du zusammenarbeitest, und reflektierst deine Entwicklung und dein aktuelles Standing sehr genau!

Es ist mir einfach wichtig, authentisch zu bleiben. Klar schwankt mein Selbstbewusstsein: Ich habe Tage, da denk ich mir, ich bin total klein und kann nichts, und dann kommen wieder Tage, an denen ich aufwache und mir denke: „Ja! Heut ist mein Tag und heut mach ich gute Fotos und bin begeistert von meinem Können!“ Ich finde das wichtig, denn das macht Menschlichkeit aus! Solche Prozesse muss man einfach zulassen, einfach einmal in die Verzweiflung reindriften, um durchzuschreiten und mit erhobenem Kopf am Ende wieder rauszukommen, gestärkt, erfahrener…

Du bist dramatisch, du bist emotional, du bist nachdenklich und stark – und das alles versteckst du nicht vor deinem Gegenüber. Ich sehe in dir eine Künstlerin, die das Gefühl durch sich durchströmen lässt, anderen Emotionen mitgibt. Du profitierst aber auch von der Energie anderer… frech gefragt: Hast du Musen?

Ertappt! (grinst) Ich brauche den Umgang mit Menschen und die daraus resultierenden Hochs und Tiefs. Natürlich kann’s manchmal auch zu viel sein, dann brauch ich wieder Abstand und gehe viel alleine spazieren. Aber meine kreativsten Momente, jene, in denen ich die meisten Songs schreibe oder tolle Bilder entstehen, gehen oftmals auch einher mit meinen schlimmsten Lebensabschnitten. Ich brauche definitiv all diese Einflüsse.

Ich lasse es zu oder baue Wände auf, eine Muse ist nicht nur etwas Positives, sie kann dich auch innerlich zerreißen. Momentan sind meine Kanäle offen, denn ich arbeite gerade viel mit Schauspielern und Schauspielerinnen, und während einer Fotosession kommen da so viele Emotionen daher, so viel Zwischenmenschliches, so viel Energie, die mir laufend Gänsehaut bescheren.

Okay, jetzt hätten wir einmal alles, was du so machst, erfasst. Aber jetzt einmal Tacheles gesprochen, du verdienst damit Kohle, oder?

Ja, mittlerweile seit März. Ich hab zuerst gar nicht daran gedacht, mich selbständig zu machen, doch dann sind immer mehr Auftragsanfragen hereingetrudelt, auch für Hochzeiten, und da stand für mich fest: Ich mache mich selbständig! Die Fotografie ist für mich eine Arbeit, die mir Spaß macht, die mich nicht einengt oder mich fertig macht, außer manchmal, nach einem langen Tag, körperlich.

Es ist jetzt einfach ein anderes Gefühl – das bin ich, das mache ich und ich stehe da voll dahinter. Auch wenn mich Leute so etwas fragen wie „Ah, tust du auch a bissl umaknipsen heute?“ –  mein Auftreten ist ein ganz anderes geworden. Berufsfotografie ist für mich ein Grundgerüst. Ich weiß einfach, das hält und es haut einfach gut hin! In diesem Bereich kann ich auch gut zwischen meiner persönlichen Spielwiese und dem Job unterscheiden: Das eine ist für die Seele, das andere, um Geld zu verdienen.

Auch dieser Entscheidungsprozess läuft bei mir über’s Gefühl. Manche Projekte mache ich, einfach weil mich der Mensch fasziniert, weil wir zusammen irgendwie schwingen. Klingt komisch, aber zum Beispiel bei einer Hochzeit, da kommen so viele Energien zusammen, die Brautleute, die Hochzeitsgesellschaft. Wenn ich diese ganzen Emotionen in mich reinlassen würde, wie ich es mit meinen Liebhaberei-Projekten mache, würde ich verzweifeln. Also grenze ich mich ab und erledige meinen Job – und so entsteht auch eine klare Trennlinie zwischen fixen Honorarsätzen und meiner „gib mir was du willst oder kannst“-Philosophie.

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Aber was bedeutet für dich jetzt eigentlich Selbständigkeit?

Dass man mit sich arbeitet – man reift so unglaublich an dieser Sache. Es gibt einfach niemanden, der dir sagt, wie du’s machen sollst. Gut, ich würd auch aggressiv werden, wenn das so wäre. Mein Leben lang war das schon so. Ich habe immer selbst herausfinden wollen und müssen, wie ich mein Leben und seine Herausforderungen am Besten bewältige. Und wenn ich damit auf die Nase falle, dann falle ich eben, aber ich muss es selber erleben.

Das heißt, du schaffst dir dein eigenes Trial-and-Error-System durch die Selbständigkeit? Und wie geht’s dir so damit?

Ach, einfach ist es natürlich nicht. Zuerst kriegst du Unmengen an Rechnungen, dann darfst du nicht zu viel verdienen, immerhin bin ich ja auch Studentin! Unglaublich, wie viele Menschen glauben, mir sagen zu müssen, was sie von meiner Selbständigkeit halten und was mir nicht alles noch passieren wird, so in Richtung „werst scho‘ seg’n!“. Ich mache das, weil ich weiß, dass ich es kann, und basta! Es gibt natürlich auch viel positives Feedback (lächelt). Aber die Erwartungshaltungen sind einfach ganz andere geworden, meine eigene Erwartungshaltung an die Qualität meiner Bilder und natürlich auch die der Auftraggeber und Auftraggeberinnen. Aber damit dreht sich das ganze wieder ins Positive, denn man arbeitet ja daran, besser zu werden, und das merke ich stark, ich bin ruhiger geworden, habe für mich selbst das manuelle Fotografieren als das einzig Wahre angenommen und wachse mit jeder Herausforderung.

Selbständigkeit ist nicht einfach, sie bringt dich aber einfach weiter in deiner eigenen Entwicklung!

Und wie geht’s jetzt so weiter bei dir?

In der Fotografie bin ich gerade total auf Schauspieler und Schauspielerinnen fixiert, also kreative Köpfe, die etwas hergeben. Das bringt zwar nicht viel Geld, aber es bedingt eine unglaubliche Kreativität. Da kann ich meine Gefühlswelten verbildlichen.

Musikalisch will ich etwas ohne Druck machen, am liebsten nur für meine Menschen, die sehen sollen, was ich gerade empfinde, ausdrücken will. Da fällt das Konzert im Kaffee Kleinfein genau richtig. Wann genau, steht noch nicht fest, aber irgendwann dieses Jahr noch.

Flötentechnisch schließe ich bald ab, ein Jahr noch in Wien, üben, Technik, Ehrgeiz – ich will gut sein! Und sobald das dann abgeschlossen ist, geht’s nach München zum Masterstudium!

Wie weit blickst du eigentlich in deine Zukunft?

Zwei Jahre, mehr will ich nicht! Nope, mehr will ich nicht (lacht).

Tja, ihr wollt jetzt sicher auch nicht mehr lesen, also will ich, dass ihr euch den Namen Theresa Pewal oder Theresa Pewal | Photographie genau einprägt und wenn ihr das nächste Mal einen Flyer in der Hand haltet, auf dem ihr Name steht: HINGEHEN!

pix: Theresa Pewal, Daniela Lindhuber