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„Das Leben schreibt die besseren Geschichten“

Thomas Woschitz ist Filmemacher, kommt aus Klagenfurt, hat bei Lina Wertmüller in Rom studiert und derzeit BAD LUCK. Zumindest im Kino, denn dort läuft gerade sein Film mit diesem Titel an. Ein Fargo auf Kärntnerisch, sagent Leut’, aber fragen wir mal Thomas selbst.

Wir treffen Thomas Woschitz in Wien. In den Räumlichkeiten der KGP, Gabriele Kranzelbinder Production. Dort schneidet er seine Filme und wir unterbrechen ihn dabei natürlich gerne.

IMSÜDEN.AT: Hallo Thomas! Wie kommst du aus dem Süden in die große weite Stadt?
Thomas Woschitz: Naja, ich wollte eben Filme machen. Und das war in den späten Achtzigern in Klagenfurt, wo ich geboren wurde, schlicht unmöglich. Also bin ich noch weiter in den Süden und hab am Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom studiert. Unter anderem sogar noch ein paar Vorlesungen bei Frederico Fellini, was natürlich sehr beeindruckend war. Eine super Erfahrung, die mich als Filmemacher sicherlich geprägt hat. 

IMSÜDEN.AT: Das glauben wir mal ungschauter. Hat es dich nie zurück in „deinen Süden“ gezogen?
Thomas Woschitz: Doch ständig. Die meisten meiner Filme spielen ja auch in Kärnten. Ich bin ein Zeit lang zwischen Wien und Rom gependelt und immer wieder in Kärnten stehen geblieben. Es lässt dich halt nie wirklich los. In meiner „Josef-Trilogie“ geht es zum Beispiel um fünf Holzfäller, die alle Josef heißen und versuchen aus Kärnten nach Kanada zu kommen. Dafür hab ich auch ein paar Preise bekommen und zwar sogar in Cannes beim Festival.

IMSÜDEN.AT: Na hui. Und dann kam der Abstieg, denn du musstest, wie alle Kärntner Künstler von Format, mal was mit Naked Lunch machen…
Thomas Woschitz: (lacht) Ist das so? Wusst ich gar nicht. Nein, ich kenn den Oliver Welter von Naked Lunch noch aus unserer gemeinsamen Jugend. Wir haben immer mal wieder was zusammen gemacht. Ich hab Videos für sie gemacht und sie die Musik zu meinen Filmen. Ein Höhepunkt der Zusammenarbeit war aber sicher Universalove…

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IMSÜDEN.AT: Ja, genau. Irgendwas mit Liebe ist es immer. Der war ein ziemlicher Erfolg, oder?
Thomas Woschitz: Ja, es war ein Erfolg . Solltest du dir mal anschaun. Genauso wie meinen neuen Film BAD LUCK.

IMSÜDEN.AT: Von „Universalove “ nach „Bad Luck“… Was ist passiert?
Thomas Woschitz: (lacht) Nix. Hat sich so ergeben. Jedenfalls machen diesmal Oliver Welter und der Manfred Plessl von den Unvollendeten die Filmmusik.

IMSÜDEN.AT: Wir haben gehört es soll eine Art „Fargo“ in UK sein…
Thomas Woschitz: UK?
IMSÜDEN.AT: Unterkärnten…
Thomas Woschitz: (lacht) Das hab ich noch nie gehört, die Abkürzung, aber „Fargo“ wurde mir auch schon gesagt. Kann schon sein. Jedenfalls ist es eine Geschichte, die in Unterkärnten spielt und die Darsteller sind zu 95 % Laien.

IMSÜDEN.AT: Woher hast du die?
Thomas Woschitz: Die liegen buchstäblich auf der Straße. Deshalb sind sie aber noch lange nicht leicht zu finden. Für BAD LUCK hat es eineinhalb Jahre gedauert bis ich das Ensemble zusammen hatte. Alle standen das erste Mal vor der Kamera. Ich hab aber überhaupt keine Scheu vor Laien – ich versuche einfach mit Leuten zu arbeiten, die interessant sind, dass müssen keine Profischauspieler sein.

IMSÜDEN.AT: Naja, interessante, sagen wir mal „Gestalten“, haben wir in Kärnten ja genug. Um was geht’s im Film?
Thomas Woschitz: Es ist eine tragikomische Geschichte, bei der Leute im falschen Moment das Falsche machen, dann kommt eins zum Anderen und sie geraten in eine Art Strudel. Eigentlich könnte die Geschichte überall spielen, sie ist recht allgemeingültig. Bei mir spielt sie halt in UK, wie du sagst…

IMSÜDEN.AT: Wie waren die Dreharbeiten?
Thomas Woschitz: Die Dreharbeiten waren sechs Wochen lang, obwohl alles in Unterkärnten spielt war die zentrale Location eine Tankstelle, die ich in Villach gefunden habe. Es waren super Dreharbeiten, denn es hat viel geregnet und wir haben viel Regen gebraucht (lacht). Das gute an Kärnten ist auch, dass es noch nicht so „abgefilmt“ ist wie andere Länder. Hier gibt’s noch viele unentdeckte Locations. Die Leute waren auch sehr hilfsbereit, es gab nie Probleme mit der Drehgenehmigung oder sowas.

IMSÜDEN.AT: Und jetzt sollen sich die Kärntner den Film auch anschaun, oder?
Thomas Woschitz: Ja, aber bitte nicht nur die Kärntner (lacht). Wir haben in Kärnten eine Premiere, die uns wichtiger ist als die Wien-Premiere und dann läuft der Film. Wir hoffen das Publikum wird ihn gut annehmen und sie gehen vor allem auch wirklich ins Kino.

IMSÜDEN.AT: Wir werden alle die wir kennen dazu zwingen! Wie kommst du auf deine Stoffe?
Thomas Woschitz: Unterschiedlich. BAD LUCK war zum Beispiel stark inspiriert von einer kleinen, tragischen Zeitungsmeldung. Oft sind es eben die Randnotizen die zählen. Das Leben schreibt bessere Geschichten, als man sich ausdenken kann. Aber natürlich inspirieren mich auch viele Filme oder Szenen in einem Kaffehaus, in dem ich sitze. Ich bin ein sehr wacher Beobachter, schaue den Leuten zu und lausche ihren Dialogen. Das mixt sich dann alles…

IMSÜDEN.AT: Was mixt sich da so gerade bei dir für die Zukunft?
Thomas Woschitz: Viel, viel. Gerade arbeite ich wieder an einer Trilogie, die aber diesmal nicht in Kärnten spielt. Es wird ein größeres Projekt. Der erste Teil soll in Italien spielen, und das ganze zieht sich dann über mehrere Jahre und verschiedene Länder der Welt. 

IMSÜDEN.AT: Also auch wieder südlich. Fein. Was wäre mal ein Traum für dich? Was würdest gern noch machen?
Thomas Woschitz: Na hoffentlich noch viel. Aber ein großer Traum wäre sicher mal was mit Javier Bardem zu machen. Der fasziniert mich als Schauspieler einfach.

IMSÜDEN.AT: Was würdest du dir vom Filmland Kärnten wünschen?
Thomas Woschitz: Das es erstmal eines wird. Leider kann man wirklich noch nicht von einem „Filmland Kärnten“ sprechen. Auch wenn es bereits Verbesserungstendenzen gibt, bei Filmförderungen usw. Aber da gäbe es noch viel mehr Potential, Südtirol ist ein Beispiel dafür. Da gibt’s die beste Regionalförderung überhaupt, indem die Filmemacher mit offenen Armen empfangen und mit lokalen Firmen vernetzt werden. Da bleibt auch viel von der Wertschöpfung im Land. Das könnte ein gutes Beispiel für Kärnten sein.

IMSÜDEN.AT: Gute Idee! Wir werden das weitersagen. Danke fürs Gespräch und viel Glück mit BAD LUCK!

(PIX: KGP bzw. Bad Luck & Johannes Wouk)

Von Wouk

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