Entdeckungen IMSÜDEN.AT
Wakonigs Titel
Dieser Artikel wird unterstützt von


Willkommen in der heilen Welt: Wakonigs HofgreißlerEI!

Wenn eine Wakonig den Raum betritt, kommt Leben rein. Diese Familie hat das Macher-Gen – blitzgscheit, volle Tatendrang und immer ein Lächeln auf den Lippen. 2014 hat es die Eierbauern aus St. Georgen am Sandhof am Nordrand von Klagenfurt wieder gepackt: eine HofgreißlerEi ist entstanden – ein Hofladen, wo nicht nur besten Kärntner Bauernprodukte gekauft werden können, sondern auch ein Ort, der die Menschen zusammenbringt. Also wurde angepackt, Businesspläne wurden aufgestellt, Käse, Müsli und Wein gekostet und die Garage renoviert.

Zur Eröffnung der HofgreißlerEi sind 700 Begeisterte vorbeigekommen. Ich freue mich, einige Wochen später vorbeizuschauen. Wakonigs Hofgreißleriei hat von Donnerstag bis Samstag geöffnet. Selbstgebackenes Brot gibt’s bei meinem Besuch am Freitag leider keins mehr (das ist immer schon gleich am ersten Tag ausverkauft), dafür viel Schnee. Auch nicht schlecht, dann haben wir mehr Zeit zum Plaudern, meint Julia, eine der vier Wakonig-Töchter, die heute hinter der Ladentheke steht. Sonst geben sich die Kunden hier nämlich die Klinke in die Hand.

Ich setze mich mit ihr, Schwester Anna und Mama Barbara ans wärmende Feuer. Opa Wakonig packt in der Schaubäckerei Nudeln ein.

IMSÜDEN.AT: Ich komme aus Deutschland, mir muss man das erklären: Was ist eine Greißlerei?
Barbara Wakonig: Früher hat‘s überall die Greißler gegeben. Das waren Gemischtwarenhändler, diejenigen wo man vor Ort alles gekriegt hat. Aber das war auch ein Kommunikationszentrum und hat mehr gehabt als ein Kaufhaus. Das Feeling wollen wir verbreiten.

Wakonigs (1)
Wakonigs (2)
Wakonigs (4)
Wakonigs (3)

IMSÜDEN.AT: Ihr habt fast ausschließlich Produkte aus Kärnten – Aber was gibt‘s bei euch, was ich am Benediktinermarkt nicht finde?
Julia Wakonig: Ich denk vor allem bei den Käsespezialitäten und auch des Wein- und Saftsortiment. Da haben wir Sachen, die für den Benediktinermarkt einfach von zu weit weg herkommen.
Barbara Wakonig: Der Markt hat sein Flair – aber auch bei uns kriegt man von mittlerweile 45 Bauern die Produkte. Also ich glaube ich, ich kann mit dem Markt schon konkurrieren. Und der Unterschied ist, dass man bei uns im Hof vor die Tür einen Parkplatz hat und gleich einladen kann.

IMSÜDEN.AT: Ist man eigentlich unter den Landwirten gut vernetzt und kollegial oder herrscht Konkurrenz? Wie kommt ihr zu euren Lieferanten?
Barbara Wakonig: Teils, teils ist man gut vernetzt. Ich habe viele Funktionen im landwirtschaftlichen Bereich, die ich schon seit über einem Jahrzehnt ausübe. Ich habe viele Bauernfamilien begleitet und kennengelernt. Jetzt habe ich den Vorteil gehabt, mir genau diejenigen holen zu können, von denen ich selbst begeistert bin. Ich bin ein Fan von jedem Bauern, der mir liefert.
Ich glaube, das Beste, wenn man ein Sortiment erstellt, ist, wenn man Dinge rein holt, die einem gefallen, die einem schmecken und wo man den Hintergrund kennt. Alles hier ist kontrolliert und zertifiziert, was eine gewisse Sicherheit gibt. Alles, was angeboten wird, ist ein Kosten wert, da bin ich mir ganz sicher.

IMSÜDEN.AT: Barbara, du hast eine Landwirtschaft, bist ehrenamtlich sehr engagiert und machst jetzt noch eine Hofgreißlerei auf. Schläfst du auch irgendwann?
Barbara Wakonig: Ich fahr jetzt auf Urlaub. [in die Karibik, wie mir die Tochter erzählt] Wollt ich aber eh schon absagen. [lacht] Wir haben immer schon zu viel Arbeit gehabt. Letztes Jahr beispielsweise haben wir mit drei anderen Bauern eine Firma aufgebaut, das Eierlogistikzentrum vom Eierring Herzogstuhl: Wir haben die Eier erzeugt, verpackt und an die Supermarktketten geliefert. Irgendwann ist das aber zu viel geworden: Wir hätten mehr Eier gebraucht und das ist auf landwirtschaftlicher Basis nicht mehr möglich gewesen. Jetzt haben wir diese Arbeit ganz abgegeben an eine Packstelle. Vom Hof ist Arbeit weggegangen und es ist Platz geworden. Wo wir jetzt sitzen, war vorher Verpackung gelagert.

IMSÜDEN.AT: Weniger Arbeit und eine Arbeitskraft mehr…
Barbara Wakonig: Ja. Dann ist noch der Moment eingetreten, dass unsere jüngste Tochter als Hofnachfolgerin in den Betrieb eingestiegen ist. Wir haben vier Töchter und mit denen haben wir besprochen, wer daheim Bäuerin wird. was am besten in der Generationsfolge ist. Wir sind dann auf die Jüngste, die Anna, gekommen.
Wir haben ihr angeboten nach Wien zum Studieren zu gehen, aber sie wollte nicht. Jetzt bleibt sie daheim und steigt in den Betrieb ein. Wir hatten also eine Arbeitskraft mehr und die Arbeit ist ein bisschen weniger geworden. Ich bin fünfzig geworden und hab mir gedacht, dass ich jetzt nochmal was Neues mach!

Wakonigs (5)
Wakonigs (6)
Wakonigs (7)
Wakonigs (8)

IMSÜDEN.AT: Mein Nachbar daheim hat auch einen Hof. Nach der vierten Tochter gesagt: „Jetzt reichts, jetzt geb ich auf!“ Landwirtschaft ohne Sohn mit vier Töchter geht auch?
Barbara Wakonig: Absolut. Es ist in keiner Weise auch nur irgendwie schlechter als mit Söhnen. Mein Mann und ich haben das auch nie so empfunden. Nur als wir Großeltern geworden sind, und unsere EnkelSÖHNE auf die Welt gekommen sind, haben die Leute gesagt: Jetzt ist die Ehre wieder hergestellt. Aber wie gesagt – wir haben das nie so empfunden.  Das ist ja heutzutage alles kein Problem mehr.

IMSÜDEN.AT: Wie funktioniert die Arbeitsteilung bei euch?
Barbara Wakonig: Die Anna und ich machen die Hofgreißlerei und mein Mann die Landwirtschaft. Es ist natürlich schon sehr viel Arbeit. Aber wir sind jetzt über den erfolgreichen Start wirklich froh und stolz. Die Leute nehmen das wunderbar an. Das macht uns eine ganz große Freude. Und dann wird man eh sehen, ob man noch Arbeitskräfte braucht. Die Julia hier [die Zweitjüngste] ist auch schon angestellt.

IMSÜDEN.AT: Ihr seid einfach eine Bilderbuchfamilie. Der Opa werkelt hinten in der Schaubäckerei, die Töchter steigen ins Geschäft ein: Was ist das Wakonig-Geheimrezept für eine harmonisch Familie?
Barbara Wakonig: Wir leben einfach miteinander und wir haben uns verdammt gern. Wir streiten auch, aber im Endeffekt kann der eine ohne den andern nicht. Auch die Buben, die dazukommen – wir haben ja schon zwei Schwiegersöhne und einen Schwiegerfreund – müssen da mit. Und wahrscheinlich ist es da ein Vorteil, vier Töchter zu haben: das Netzwerk ist viel dichter, weil die Frauen doch meistens sehr prägend sind.
Julia Wakonig: Es ist echt schön: der Zusammenhalt, der gemeinsame Glaube und die Freude, was weiterzubringen – den Unternehmergeist, den hat uns der Opa schon mitgegeben.

Wakonigs Hofgreißlerei ist ein Ort, der verbindet. Hier fühlen sich die pensionierte Nachbarin, Klagenfurts Latte Macchiato-Muttis und –Väter und ich, die deutsche Studentin einfach wohl. Am Ende lasse ich mir noch frische Eier, Nudeln und Käse ins Einkaufssackerl packen und frage nach dem Geheimtipp: Was muss ich unbedingt kosten? Barbara meint nur: Alles!

 

pix: Lucia Schöpfer, Wakonigs HofgreißlerEi


lucia-6
Lucia Schöpfer
  Lucia Schöpfer | Mag ihre bayerische Heimat und dass Kärnten der so ähnlich ist | IMSÜDEN immer da, wo’s was ..
Infos
Businessbeach
DSC03202
Businessbeach
IMG_0120
Termine