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Warum sich die Stadt mit dem Rad am besten erleben lässt

Dabei war’s die letzten Wochen so heiß: Gerade heute, wo ich mich zum Genussradln in Klagenfurt angemeldet habe, regnet es morgens. Aber eine hartgesottene Radlerin wie mich halten die paar Tropfen nicht davon ab, sich aufs Radl zu schwingen. Carmen, unsere Führerin, und Regina und Rainer aus Kassel stimmen mir zu, und so treffen wir uns am Montagvormittag am Neuen Platz: mit Windjacke, Helm und Neugierde, Klagenfurt mit dem Radl zu erkunden.

Die Genussradtouren werden gemeinsam von der Volkshochschule und dem Verein Impulse  angeboten, der sich den verschiedenen Radler-Belangen in Klagenfurt und Kärnten verschrieben hat. Seit 2008 werden dort die KulturRadPfade organisiert, geführte Themenradtouren in Kärnten und über die Grenzen hinaus. „Die KulturRadPfade haben sich inzwischen gut bei den Kärntnern etabliert. Da haben wir viele Stammradler. Die Genussradwege haben wir gestartet, weil wir unser Angebot auch für die Touristen erweitern wollten“, erzählt mir Carmen, die für die Tour zuständig ist. Während bei den KulturRadPfaden verschiedenste Themen behandelt und Orte mit dem Radl besucht werden, finden die Genussradwegen dreimal wöchentlich immer in und um Klagenfurt statt. Thema ist dabei zumeist die Geschichte der Stadt und der Region. Für uns geht’s heute über Welzenegg nach Ebenthal zu den Quellen der Stadt.

Rainer und Regina, stramme Radl-Urlauber aus dem hessischen Kassel sind ganz begeistert: „Wir nehmen ja unsere Räder inzwischen bei jedem Urlaub mit“, erzählt mir Regina. „Weil der Radius, den du erreichen kannst einfach viel größer ist und du aber genauso gut siehst wie zu Fuß“, ergänzt ihr Mann. Neben ihren schicken Sporträdern und den tollen Funktionsjacken, komme ich mir mit meinem Stadtrad ohne Gangschaltung fast ein bisschen schlecht vor. Zum Glück beruhigt mich Carmen: Bei der Strecke geht’s weniger um den sportlichen Anspruch, denn um den besonderen Blick.

Schon gleich bei der ersten Station, obligatorisch der Lindwurm, hat sie mich schon für sich gewonnen, die Carmen. In ganz unkomplizierter Atomsphäre (vielleicht weil wir Radlhelme tragen und alle gleich doof ausschauen) erzählt uns die studierte Historikerin von der Stadtentstehung und den Sagen. Im Laufe der Tour werden wir noch das Schloss Welzenegg, Ebenthal und seine Wasserfälle und St. Ruprecht besuchen. „Das nette, und deswegen haben wir bei den KulturRadPfaden auch so viele Stammfahrer, ist die Gemeinschaft. Wenn du dich selbst nicht auf den Weg konzentrieren musst, weil dich jemand führt, hast du viel mehr Zeit dich auszutauschen und die Umwelt wahrzunehmen“, hat mir Carmen vorgeschwärmt. So radlen also Regina, die ich nicht nur um ihre schicke Jacke, sondern auch ihre astreinen Nägel und ihr astreines Hochdeutsch beneide, nebeneinander her, während sie mir von ihrem Sohn in Hamburg erzählt. Auf so einer Radltour, das merke ich schnell, kommt man sich persönlich viel näher.

Nachdem wir die Ebenthaler Wasserfälle besucht haben, mein persönliches Highlight der Tour, kehren wir beim Kalmusbad an der Sattnitz ein. Rainer lädt als einziger Mann seine Begleiterin auf ein Getränk ein: Beim Anstoßen wird’s fast pathetisch, aber auch ein bisschen wahr: „Prost, und darauf, dass man sich schon nach kurzer Zeit in dieser netten Runde so wohl fühlt!“ Ich proste mit meinem Verlängerten an und fühl mich wohl. Ein gelungener Montag.

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