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Wer jetzt NICHT in den Standort investiert, geht ein großes Risiko ein!

Clemens Aigner leitet die Villacher Brauerei, die gerade 20 Millionen Euro in den Wirtschaftsstandort Kärnten investiert hat. Und das bei der aktuellen Wirtschaftslage und den Schlagzeilen. Hat der Mann zuviel vom eigenen Produkt erwischt, oder ist er einfach nur vorausschauend mutig?

Der Vorstand so einer Großbrauerei hat ja schon einiges zu tun. Schließlich wollen 250 Mitarbeiter geführt, 44 Millionen Jahresumsatz gemacht, 40 % Marktanteil in Kärnten verteidigt und 320.000 Hektoliter Getränke im Jahr hergestellt werden. Trotzdem nimmt sich der bekennende Borussia Dortmund Fan („Ich fahr schon mal wegen einem Cupfinale, in dem die Kandidaten dann verlieren, an einem Tag mit dem Auto nach Berlin und retour.“) und selbsternannte „Tim Taylor vom Ossiacher See“ („Einen Schweißkurs beim WIFI will ich noch machen“) kurz Zeit für uns und empfängt uns in seinem Vorstandsbüro…

IMSÜDEN.AT: Hallo Herr Vorstand, wir sagen du zu dir, ok?
Clemens Aigner: Ja, ist ok. Das erlebt man zwar selten, dass man beim Interview gleich geduzt wird, aber mir soll‘s recht sein. Ich darf aber schon auch DU sagen, oder? (lacht)

IMSÜDEN.AT: (lacht) Ja, weil du‘s bist! Aber im Ernst, wer bist du und was treibst du im Süden?
Clemens Aigner: Ich bin Vorstand der Villacher Brauerei, 45, verheiratet, habe zwei Töchter und komme ursprünglich aus Eferding in Oberösterreich.

IMSÜDEN.AT: Wo bitte ist Eferding?
Clemens Aigner: Das fragen sie alle (lacht). In der Nähe von Linz. Du kennst EFKO? Das steht ursprünglich für Eferdinger Konserven. Aber das ist eigentlich nicht so wichtig.

IMSÜDEN.AT: Da hast du recht. Die Frage ist ja, wie kommt ein waschechter Eferdinger nach Villach?
Clemens Aigner: Und die Antwort ist ganz einfach: über Wien und wegen einer Villacherin. (lacht)

IMSÜDEN.AT: Das hören wir öfter. Die Südländerinnen bringen zum Glück immer mal wieder ihre Männer mit, wenn sie heimkommen.
Clemens Aigner: Oder die Männer wollen sowieso her. Jedenfalls hab ich ursprünglich die Chemie-HTL besucht, hab den Beruf aber nach zwei Jahren in der Entwicklung an den Nagel gehängt, dann Betriebswirtschaft studiert und schließlich zur Telekom nach Wien. Das war so um die Jahrtausendwende. Dort bin ich dann Schritt für Schritt aufgestiegen und hab auch meine Frau kennengelernt.

IMSÜDEN.AT: Chemie, Telekom, Bier…
Clemens Aigner: Ja, wie das Leben eben so spielt. Bei der Telekom durfte ich auch den Börsengang damals mitmachen. Das war eine wahnsinnig arbeitsintensive, aber auch hochinteressante Zeit, die ich nicht missen möchte!

IMSÜDEN.AT: Aber Bier zu verkaufen macht einfach mehr Spaß?
Clemens Aigner: Ja, wir haben das riesen Glück, ein Produkt verkaufen zu dürfen, das emotionsgeladen und regional besetzt ist, und das die Leute auch wirklich gern haben. Ich würd‘ ungern mein Leben lang Klopapier verkaufen, ohne jetzt denen auf den Schlips zu treten, die das tun (lacht). Aber abgesehen davon war nach der Geburt unseres ersten Kinde für meine Frau und mich klar, dass wir in eines unserer Heimatbundesländer zurück wollen, und wir haben uns dann auf Villach einigen können.

IMSÜDEN.AT: Jaja, die Südländerinnen, wir wissen ja wie durchsetzungsstark die sind!
Clemens Aigner: Allerdings. Aber da war bei mir nicht viel Überredungskunst notwendig. Erstens hat es sich zufällig ergeben, dass ich hier in der Brauerei einen Job bekam und zweitens ist Villach einfach genial, dass weiß leider nur kaum wer!

IMSÜDEN.AT: Was macht Villach so genial?
Clemens Aigner: Ich kann mich ziemlich genau erinnern, als ich vor ca. 15 Jahren mit meiner Frau hier das erste mal durchfuhr, kannte ich Villach nur vom Fasching und vom VSV. Dann hab ich gesehen: Villach hat eine Therme, wunderschöne Seen, einen Berg zum Schifahren, einen zum Tourengehen, ein Congresszentrum, super Radltouren im Umkreis und natürlich den Fasching und das Eishockey. Italien is um die Ecke, du bist sofort am Meer und nach Wien ist auch nicht soooo weit, wie sich das manchmal anfühlt (lacht). Ich glaub nicht, dass irgendeine Stadt in Österreich, wahrscheinlich auch keine in Mitteleuropa, das alles auf so kleinem Raum vereinen kann. Ich mein, hier kannst du ja 365 Tage im Jahr Urlaub machen.

IMSÜDEN.AT: Aber du musst hier arbeiten!
Clemens Aigner: Ja, aber sogar das macht hier viel Spaß. Natürlich sitzt man viel im Büro und hat auch sicherlich Stress, aber man hat auch mit vielen freundlichen Menschen zu tun, ist unterwegs, auf vielen Festen, trinkt das ein oder andere Bier, vom guten Essen ganz zu schweigen. Deshalb sag ich ja auch immer: „Ich hab vor 15 Kilo angefangen hier zu arbeiten“ (lacht).

IMSÜDEN.AT: (lacht) Naja, wenn‘s weiter nix is. Seit wann gibt‘s die Brauerei eigentlich?
Clemens Aigner: Ursprünglich war‘s eine Gasthausbrauerei im BRAUHOF draußen, die 1858 von Johann Koutnik gegründet wurde. Der Mann war dann so klug daraus mehr zu machen, indem er mit den Brauereien von Göss und Reininghaus eine AG gemacht hat. Das waren dann die Vereinigten Kärntner Brauereien, später kam noch die Schleppebrauerei zu Villacher, das war 1993 und das Ganze hat seine 100-jährige Erfolgsgeschichte als Joint-Venture nur knapp verpasst. Denn heute gehören wir zur Brau Union und damit zum Heineken Konzern.

IMSÜDEN.AT: Und ihr investiert scheinbar kräftig in den Standort, ist ja eine riesige Baustelle um Umkreis…
Clemens Aigner: Wir sind schon fast fertig und haben in den letzten Jahren ca. 20 Millionen in den Umbau gesteckt um die Produktion, und damit die Brauerei und die Marke zukunftsfit zu machen!

IMSÜDEN.AT: Mutig, mutig, bei dem Image und der Wirtschaftslage in Kärnten zu investieren, werden einige sagen…
Clemens Aigner: Mutig bzw. risikoreicher wäre es eher nicht zu investieren und damit nicht an die Zukunft zu denken. Sicher sind wir, volkswirtschaftlich betrachtet, gerade in einer Talsohle, aber es wird wieder aufwärts gehen, und dann muss die Brauerei fit und modern sein. Ich würde es sogar umdrehen: Wer jetzt NICHT in den Standort investiert geht ein großes Risiko ein!

Bieranstich_Brauhof

IMSÜDEN.AT: Dein Wort in Investors Ohr! Wie schätzt du den Wirtschaftsstandort Kärnten derzeit ein?
Clemens Aigner: Naja, es gibt ja bereits die ersten Nachrichten, dass die Wirtschaftskrise überwunden sein soll und es langsam wieder aufwärts geht. Weltweit gesehen, natürlich. In Kärnten wird das sicherlich noch etwas dauern und langsamer gehen. Ich sehe das so: Es ist wunderschön hier, man kann super leben und wir haben auch sonst noch viele Assets, die andere sich erst mühsam erarbeiten müssen. Jedenfalls sollten wir uns auf unsere Stärken besinnen. Stärken stärken und Schwächen schwächen ist das Rezept! So altbacken das auch klingen mag.

IMSÜDEN.AT: Kann eine Brauerei überhaupt etwas zur wirtschaftlichen Erholung eines Standorts beitragen?
Clemens Aigner: Da bin ich sicher. Gerade Brauereien sind ja oft sehr eng mit dem Standort verbunden – ob Puntigam, Ottakring, Göss oder wo auch immer. Da gibt es natürlich auch einen regen Imagetransfer. Wenn der VSV gut spielt, trinkt man lieber ein Villacher. Und wenn die Brauerei gut wirtschaftet und erfolgreich ist, dann ist das auch gut für das Image des Wirtschaftsstandorts Villach.

IMSÜDEN.AT: Sowie mit dem Erfolgsprodukt HUGO?
Clemens Aigner: Ja, zum Beispiel. Das ist ja das einzige in ganz Österreich gelistete Produkt, das wir haben. Im Grunde wundert es mich bis heute, dass vor uns keiner einen Holunderradler mit dem Namen gemacht hat. Holunder ist ja der Geschmack unserer Kindheit, von Omas verdünnbaren Säften her. Er ist also gelernt. Und in einer Radlerverkostungsrunde ist dann bei uns eben der HUGO entstanden. Dann kam uns der Radler-Boom entgegen und heute ist er sicher eines unserer Vorzeigeprodukte.

IMSÜDEN.AT: Aber der Radlerboom hat sich ja jetzt erledigt oder? Jetzt kommen ja wieder diese Craft-Biere?
Clemens Aigner: Ja, das ist sicher der Trend im Augenblick. Aber auch da sind wir mit dem SCHLEPPE No.1 am Puls der Zeit. Zumindest was unseren Markt angeht. In England zum Beispiel sind die Craft‘s und Pale-Ales ja eher die Regel als die Ausnahme. Aber so wird es bei uns wohl nie werden. Denn wenn du eine Runde um den Ossiachersee geradelt bist, dann machst dir eine kühles Märzen auf und kein Craft-Bier, das zelebriert wird. Wir bleiben sicher ein Märzenbierland.

IMSÜDEN.AT: Wieso braut ihr das SCHLEPPE No. 1 dann überhaupt?
Clemens Aigner: Na weil‘s gut schmeckt (lacht). Und weil wir bei den Produkten breiter werden wollen. Besonders schön ist das Feedback, das wir aus Spitzenrestaurants haben, wo die Köche bzw. Sommeliers statt einem Prossecco auch schon mal ein SCHLEPPE No. 1 reichen. Das find ich persönlich sehr motivierend!

Brauerei Stich

IMSÜDEN.AT: Und wie entwickelt man so ein Edelgebräu?
Clemens Aigner: Das dauert bis zu einem Jahr. Wir haben uns eines der weltweit erfolgreichsten Pale Ales als Referenzprodukt hergenommen und gesagt: Wir wollen besser als das werden. Und dann haben wir, also unsere Braumeister, so ca. 50 verschiedene Rezepturen probiert, bis wir da waren, wo wir hinwollten. Ich denke die Zeit musst du dir in der Produktentwicklung auch geben. Das Feedback und die Falstaffbewertung geben uns da auch recht. Man muss einen Trend erkennen, sich dann aber die Zeit geben das Produkt richtig gut zu machen und es dann rechtzeitig auf den Markt bringen. Gar nicht so einfach (lacht).

IMSÜDEN.AT: Sicher nicht so einfach wie es dann zu trinken..
Clemens Aigner: Gut, dass du „trinken“ sagst, dass ist nämlich einer der Punkte die mir bei uns in der Firma am wichtigsten sind. Wir stehen für Biergenuss mit Verantwortung. Nicht für exzessiven Alkoholkonsum. Speziell im Jugendschutz sind wir da sehr engagiert. Als alkoholproduzierendes Unternehmen sehe ich das auch als unsere soziale Aufgabe und gesellschaftliche Verantwortung an.

IMSÜDEN.AT: Aber auf ein feines kaltes Villacher kömma jetzt dann schon gehen, oder?
Clemens Aigner: Du schon, ich muss noch arbeiten. Wir haben nämlich noch einiges in der Pipeline, was bald auf den Markt kommen soll. Aber das wird jetzt leider noch nicht verraten (lacht).

IMSÜDEN.AT: Schade. Na, gut, dann trinken wir eines für dich mit. Danke für das Interview!

(Pix: Johannes Wouk & VILLACHER)

Von Wouk

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