Interview
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"Bei uns rauchen die KÖPFE, wenn alle anderen frei haben."

Andreas Görgei ist Geschäftsführer des WIFI Kärnten. Jeder Kärntner kommt in seinem Berufsleben fünf Mal zu ihm, um sich weiterzubilden oder mal ganz was anderes zu machen. Egal ob eine Nageldesignerin Extremschweißerin werden will, oder umgekehrt, sicher bleibt: Wissen ist für immer!

Das Kärntner Wirtschaftsförderungsinstitut ist im allgemeinen Sprachgebrauch eine Sie – die WIFI. Und die WIFI ist grün. Sehr grün sogar. Drinnen, sozusagen im Grünen, wuselt es nur so vor lauter bildungswilligen Menschen allen Alters. Denn es ist Wochenende und wenn alle anderen sich von der Arbeitswoche, oder der Feier, das diese endlich vorbei ist, erholen, gehen manche einen anderen Weg und bilden sich weiter, aus und manchmal sogar um. Der sogenannte zweite Bildungsweg ist mittlerweile Pflicht und der dritte und vierte sind auch keine Seltenheit mehr. Davon kann auch der Geschäftsführer des WIFI in Kärnten ein Lied singen, den wir im Foyer „seines“ Bildungstempels treffen.

IMSÜDEN.AT: Hallo, Herr Görgei, dürfen wir „du“ sagen? So unter Südländern?
Andreas Görgei: Klar, unter Südländern (lacht). Schönes Wort übrigens, fühl ich mich gleich angesprochen. Ich lebe schon immer im Süden und wer im Süden lebt der möchte ja im Normalfall auch nicht wieder weg. Mein einziger, zarter Versuch war mit einem Jahr Aufenthalt in Deutschland erledigt und hat mich direkt wieder zurückgeführt.

IS: Der Süden lässt dich also einfach nicht los.
Andreas Görgei: So ist es. Das Wichtigste ist für mich der Wörthersee. Ich verstehe mich zwar als Weltbürger, ich kann sicher überall auf der Welt leben, vorausgesetzt es ist nicht mehr als 5 km vom Wörthersee entfernt (lacht). Da sind meine Wurzeln und die reiße ich nicht aus.

IS: (lacht) Wörtherseeweltbürger. Sehr gut! Warum wolltest du nach Deutschland flüchten?
Andreas Görgei: Ich habe erst die HTL für Maschinenbau in Klagenfurt absolviert und es dann eben als Maschinenbauer in Deutschland versucht. Das war dann auch gleich der ersten Tiefpunkt meines Lebens, weil ich feststellen musste, dass ich den falschen Beruf hatte…

IS: Oje…
Andreas Görgei: Nicht so schlimm, denn zum Glück führen die Tiefpunkte oft ja zu den besten Lebensentscheidungen. Das war zumindest bei mir so. Ich hab dann sehr spät BWL in Graz studiert und nebenbei alles Mögliche gemacht. Ich hab EDV gemacht, war Kommunikationstrainer und habe ein Beratungsunternehmen gegründet. Außerdem war ich dann auch noch kaufmännischer Prüfer für Meisterprüfungen in der Wirtschaftskammer.

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IS: Und von dort dann direkt zum Wifi?
Andreas Görgei: Nein. Erst war ich noch in der WK in der Sparte Handel aktiv und von dort bin ich zum Kärntner Innovationszentrum. Da war ich für den Bereich Innovationsberatung und Musterschutz zuständig. Nebenbei habe ich mich immer in der volkswirtschaftlichen Gesellschaft engagiert, einem Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat der Bevölkerung komplexe volkswirtschaftliche Themen näher zu bringen. Wie etwa den EU-Beitritt oder den Euro. Und seit dem Jahr 2000 bin ich Geschäftsführer der WIFI Kärnten GmbH. Das ist sicher mein Traumjob und ich darf ihn mit großer Leidenschaft ausüben!

IS: Was macht das zum Traumjob?
Andreas Görgei: Die Mischung aus dem unglaublich guten Image, das das Wifi hat und den interessanten Menschen die hierher kommen, verbunden mit den tollen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die wir haben und den wirklich perfekten Rahmenbedingungen hier.

IS: Ein Schlaraffenland?
Andreas Görgei: Irgendwie schon. Unsere „Mutter“ die Wirtschafskammer ist bereit viel ins Thema Bildung zu investieren und hat sehr großes Vertrauen in unsere Managemententscheidungen und wir dadurch große Freiheiten. Wir sind zum Beispiel bisher noch mit keinem einzigen Projekt im Wirtschaftsparlament gescheitert, bisher wurde alles mit großer Freude genehmigt. Und die Kammer ist auch stolz aufs WIFI – das tut besonders gut.

IS: Aber warum kann man aufs WIFI stolz sein?
Andreas Görgei: Ganz einfach: Wir liefern die Aktiva für die Bildungsbilanz, ständig Futter für die Köpfe. Wir haben jedes Jahr 30.000 Teilnehmer, Karriere und Berufsentwicklungsmöglichkeiten in Form von 3.000 Kursen, Lehrgängen und Seminaren, 1.2000 Trainer, über 1.000 verschiedene Themen, vom Jonglierkurs für Manager über die Ausbildung zum Bierkeeper, vom Nageldesigner oder Extremschweißer bis hin zum Führungskräftetraining mit Pferden.

IS: Also im Grunde eh alle…
Andreas Görgei: Zumindest alles was beruflich verwertbar ist. Es geht uns nicht nur ums Wissen sondern vor allem ums Können. Die Leute,  die zu uns kommen, wollen aus der Praxis für die Praxis lernen.

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IS: Wer kommt eigentlich zu euch?
Andreas Görgei: Also im Grunde eh alle (lacht) und zwar mehrmals. Nein, im Ernst. Im Durchschnitt kommt jeder Kärntner im Laufe seines Berufslebens fünf Mal zu uns. Klingt verrückt, ist aber so. Wir bieten ja auch hauptsächlich berufsbegleitende Kurse an, also rauchen bei uns die Köpfe, wenn alle anderen frei haben, denn „berufsbegleitend“ heißt auch anstrengend. Primetime ist Freitagabend und/oder auch Samstag.

IS: Klingt ziemlich zach, wie wir im Süden sagen.
Andreas Görgei: Ist auch zach, aber es zahlt sich aus. Es ist schon beeindruckend, was unser „Kunden“ leisten. Besonders beeindruckt hat mich eine querschnittsgelähmte Teilnehmerin, die bei uns drei Buchhaltungsprüfungen gemacht hat und alle Ausbildungen mit Auszeichnung abgeschlossen hat. In ihrem Unternehmen ist sie eine absolute Stütze und Koryphäe auf ihrem Gebiet. Das man sich mit so einer Disziplin und solchem Lebensmut auf das Abenteuer Bildung einlässt – da ist mir echt der Mund offen stehen geblieben und ihre berufliche Karriere ist wirklich beeindruckend.

IS: Das macht den Lehrer natürlich stolz. Apropos Lehrer, wie wird man eigentlich WIFI-Trainer?
Andreas Görgei: Da gibt es kein formales Kriterium. Wir haben Universitätsprofessoren als Trainer, aber sogar Leute ohne Lehrabschluss. Wir suchen uns die Leute allerdings sehr genau aus.  „Ist das jemand, der den Leute wirklich praktisches Wissen mitgibt?“, das ist die zentrale Frage. Dann gibt es auch eine didaktische Ausbildung für Trainer, die parallel läuft, aber ob jemand wirklich das Zeug zum WIFI-Trainer hat, zeigt sich oft erst im Lehrsaal.

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IS: Und wozu das alles? Schon klar, „lebenslanges Lernen“ usw., aber was bringt uns das wirklich?
Andreas Görgei: Folgendes Gedankenexperiment: Drehen wir die Zeit 40 Jahre zurück. Das Jahr 1974: kalter Krieg, eiserner Vorhang, keine EU, kein Euro, keine Handys und PCs, schon gar kein Internet oder Facebook und IMSÜDEN.AT, keine Globalisierung und keine Klimasorgen. Und von damals bis heute muss man sich ein Berufsleben vorstellen. Auf all diese Veränderungen und Fragen sucht der Mensch Antworten und die findet er nur in der Bildung, und dazu dürfen wir einen Beitrag leisten.

IS: Stimmt… Jetzt wo IMSÜDEN.AT am Start ist, muss man sich natürlich anschnallen und weiterbilden. Wie entwickelt sich das WIFI weiter?
Andreas Görgei: Die Reise geht ganz sicher in eine noch globalisiertere und vernetztere Welt, in der technische und politische Grenzen immer weniger eine Rolle spielen. Es geht also ins Unbekannte und daher sind Einrichtungen, die sich eben nicht ständig verändern, von Vorteil. Daran orientieren sich die Leute leichter. Wir bieten eben Antworten auf viele Fragen, wir sind vielleicht so etwas wie ein Leuchtturm der Veränderung im großen weiten Ozean wenn man das so kitschig sagen will.

IS: Bitte nicht! Was ist das nächste Leuchtturmprojekt des WIFI Kärnten?
Andreas Görgei: Da haben wir einige, zum Beispiel sind bestimmte Kurse, die dem Alpen-Adria-Raum Rechnung tragen, in Planung, wie der Exportmanager oder auch Sachen in Richtung „Intercultural Management“. Aber ein ganz großes Projekt wird sicher die „Jugendwerkstatt“, die wir am Areal der ehemaligen Postgarage in Klagenfurt planen. Damit wollen wir unser Jugendangebot ausbauen und das wird uns sicher über die nächsten Jahre beschäftigen.

IS: Na dann freuen wir uns darauf, dass ihr endlich was aus der Jugend im Süden macht.


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Johannes Wouk
Johannes Wouk hat studiert. Er hat aber auch gearbeitet. Heute ist er selbstständig, schreibt und macht was mit Kommunikation. Für IMSÜDEN.AT ..
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